Man kennt das aus dem Alltag.
Man schließt Frieden.
Man gibt sich die Hand.
Und wenige Tage später fliegen wieder Raketen.
Im Nahen Osten nennt man das inzwischen offenbar „stabile Verhandlungen“.
Angriff auf Frachtschiff – Antwort aus der Luft
Nach Angaben des US-Militärs haben amerikanische Streitkräfte Ziele im Iran angegriffen. Betroffen gewesen sein sollen Lager für Raketen und Drohnen sowie Küstenradaranlagen.
Auslöser war nach Darstellung Washingtons ein iranischer Drohnenangriff auf das unter singapurischer Flagge fahrende Frachtschiff M/V Ever Lovely in der Straße von Hormus.
Vier Drohnen sollen gestartet worden sein. Drei wurden laut US-Regierung abgeschossen, eine traf das Schiff. Es blieb jedoch manövrierfähig.
Trump: „You’ll find out“
US-Präsident Donald Trump ließ Journalisten nur wenige Stunden vor den Luftangriffen wissen:
„You’ll find out.“
Kurz darauf wusste tatsächlich jeder Bescheid.
Die amerikanischen Bomber ebenfalls.
Waffenruhe mit Gebrauchsanleitung
Besonders bemerkenswert ist der Zeitpunkt.
Erst vor wenigen Tagen hatten Washington und Teheran ein Abkommen unterzeichnet, das den Krieg beenden und Verhandlungen über das iranische Atomprogramm ermöglichen sollte.
Offenbar enthielt der Vertrag allerdings keinen Abschnitt mit der Überschrift:
„Bitte während der Friedensgespräche keine Drohnen auf Handelsschiffe schicken.“
Oder er wurde überlesen.
Iran kündigt schnelle Antwort an
Die iranischen Revolutionsgarden reagierten erwartungsgemäß mit der Ankündigung einer „schnellen und entschlossenen Antwort“.
Das gehört mittlerweile fast ebenso zuverlässig zu solchen Meldungen wie die Börsenreaktion oder die Frage, was der Ölpreis macht.
Straße von Hormus bleibt Nadelöhr
Im Mittelpunkt steht erneut die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt.
Dort wird ein erheblicher Teil des globalen Öl- und Flüssiggasexports transportiert.
Jede militärische Eskalation sorgt deshalb weltweit für Nervosität an den Energie- und Finanzmärkten.
Frieden bleibt ein schwieriges Projekt
Nach Monaten schwerer Kämpfe mit tausenden Todesopfern hofften viele Beobachter auf eine dauerhafte Entspannung.
Stattdessen zeigt sich erneut:
Im Nahen Osten reicht manchmal schon eine einzige Drohne aus, um eine Waffenruhe in eine Pressemitteilung der Vergangenheit zu verwandeln.
Fazit
Der Frieden zwischen den USA und dem Iran wirkt derzeit ein wenig wie ein Software-Update.
„Verbesserte Stabilität“ steht in der Beschreibung.
Nach wenigen Stunden erscheint jedoch bereits die nächste Fehlermeldung.