Manchmal ist Fußball herrlich vorhersehbar. Die Niederländer haben Tunesien mit 3:1 besiegt, sich den Gruppensieg geschnappt und sich damit ganz nebenbei das wohl unangenehmste Los der nächsten Runde erspart. Brasilien? Muss warten. Marokko heißt jetzt die Aufgabe – und das dürfte Ronald Koeman mit einem zufriedenen Lächeln zur Kenntnis genommen haben.
Dabei begann die Partie fast schon unverschämt einfach für die „Elftal“. Nach nicht einmal drei Minuten half Tunesiens Ellyes Skhiri kräftig mit und bugsierte den Ball ins eigene Netz. Kaum hatten sich die Nordafrikaner vom Schock erholt, legte Brian Brobbey nach. Sieben Minuten gespielt, 2:0. Wer zu diesem Zeitpunkt noch Popcorn holen war, hatte das Wichtigste fast schon verpasst.
Doch eine Weltmeisterschaft wäre keine Weltmeisterschaft, wenn nicht doch noch etwas Spannung aufkäme. Tunesien verkürzte nach der Pause auf 1:2 – und plötzlich wanderte der Blick nicht mehr nur aufs Spielfeld, sondern auch auf die Anzeigetafel des Parallelspiels. Japan führte gegen Schweden, und für einen kurzen Moment schien sogar der Gruppensieg der Niederländer zu wackeln.
Natürlich nur für einen kurzen Moment.
Denn Jan Paul van Hecke hatte offenbar keine Lust auf Rechenspiele. Mit seinem Treffer zum 3:1 schickte er sämtliche Taschenrechner wieder zurück in die Schublade. Als Schweden dann auch noch zum 1:1 ausglich, war endgültig klar: Oranje marschiert als Gruppensieger ins Sechzehntelfinale.
Das ist mehr als nur eine nette Randnotiz. Denn der erste Platz bedeutet vor allem eines: Brasilien elegant aus dem Weg gegangen. Statt sich früh mit einem der Topfavoriten anzulegen, wartet nun Marokko. Keine leichte Aufgabe, aber sicherlich die angenehmere Variante.
Japan darf sich dagegen mit der Selecao messen. Herzlichen Glückwunsch – oder vielleicht doch eher viel Erfolg.
Und Tunesien? Drei Spiele, drei Niederlagen, Tabellenletzter. Die „Adler von Karthago“ hatten sich ihre WM sicherlich anders vorgestellt. Kampf war vorhanden, Punkte allerdings nicht. So endet das Turnier ohne Erfolgserlebnis und mit der Erkenntnis, dass auf diesem Niveau kleine Fehler gnadenlos bestraft werden.
Die Niederlande hingegen wirken bislang wie eine Mannschaft, die nicht spektakulär auftreten muss, um erfolgreich zu sein. Sie erledigt ihre Aufgaben souverän, bleibt ruhig, wenn es kurz hektisch wird, und nutzt ihre Chancen eiskalt. Genau diese Mischung kann bei einem langen Turnier Gold wert sein.
Oranje lebt – und darf weiter vom großen Coup träumen.