Na bitte, geht doch. Ecuador steht im Playoff – und Deutschland liefert pünktlich zum Abschluss der Gruppenphase den passenden Gefallen gleich mit. Keine Panik, der Gruppensieg ist trotzdem eingetütet. Aber die perfekte Vorrunde? Die hat die DFB-Elf mit einer Mischung aus Nachlässigkeit und Chancenwucher selbst verspielt.
Dabei fing das Spiel gar nicht schlecht an. Tempo, Offensivaktionen, zwei Mannschaften, die Lust auf Fußball hatten. Man dachte kurz, das könnte einer dieser WM-Abende werden, über die man noch lange spricht.
Wurde es auch. Allerdings eher aus ecuadorianischer Sicht.
Denn je länger die Partie dauerte, desto klarer wurde, wer hier den größeren Hunger hatte. Ecuador spielte, als ginge es ums Überleben. Deutschland spielte, als wäre der erste Platz ohnehin nicht mehr zu nehmen. Was ja auch stimmte.
Sebastián Beccaceces Mannschaft kämpfte um jeden Meter. Deutschland bekam dagegen mehrere Konter serviert wie auf einem Silbertablett – und ließ sie alle liegen. Mal fehlte der letzte Pass, mal die Entschlossenheit, mal einfach die Präzision.
Und wer seine Chancen nicht nutzt, bekommt im Fußball irgendwann die Quittung.
Sie kam in Form einer Ecke.
Ausgerechnet nach einem Standard stocherte Gonzalo Plata den Ball über die Linie. Manuel Neuer sah dabei nicht unbedingt aus wie der Welttorhüter vergangener Tage. Kein kapitaler Patzer, aber einer dieser Bälle, bei denen man sich fragt: Hätte er den nicht irgendwie haben müssen?
Plötzlich war Ecuador im Fußballhimmel.
Die Südamerikaner sichern sich mit diesem Sieg auf den letzten Drücker das Playoff-Ticket und dürfen weiter vom ganz großen Coup träumen. Verdient? Ja. Wer in einem Entscheidungsspiel bis zur letzten Minute mutig nach vorne spielt, belohnt sich manchmal eben selbst.
Deutschland dagegen kann die Niederlage gelassen einordnen – sollte sie aber nicht einfach abhaken.
Denn die Chancenverwertung war ausbaufähig, die Konzentration ließ im zweiten Durchgang merklich nach, und defensiv wirkte die Mannschaft bei Standards keineswegs unverwundbar. Genau solche Details entscheiden in der K.-o.-Phase über Weiterkommen oder Heimflug.
Die gute Nachricht: Der Gruppensieg bleibt bestehen.
Die schlechte Nachricht: Weltmeister wird man nicht, indem man nach einer sicheren Tabellenführung den Fuß vom Gaspedal nimmt.
Am Montag wartet in Boston die nächste Aufgabe. Ab dann gibt es keine Ausreden mehr. K.-o.-Spiele kennen keine Tabellenrechner und keine zweite Chance.
Ecuador hat das eindrucksvoll bewiesen.