Am Ende waren alle glücklich. Naja, fast alle. Japan zieht als Gruppenzweiter ins Sechzehntelfinale ein, Schweden ebenfalls – und Brasilien dürfte sich fragen, warum ausgerechnet die technisch versierten Samurai der nächste Gegner sind. So kann Fußball sein: Erst wird taktiert, dann gezittert und am Ende feiern beide.
Wer allerdings die erste Halbzeit gesehen hat, dürfte sich gefragt haben, ob beide Mannschaften heimlich einen Nichtangriffspakt geschlossen hatten. Chancen? Kaum. Tempo? Überschaubar. Unterhaltung? Eher etwas für Liebhaber des gepflegten Mittelfeldpressings.
Doch nach dem Seitenwechsel erinnerte sich plötzlich jemand daran, dass bei einer Weltmeisterschaft Tore durchaus hilfreich sind.
Japan spielte einen Angriff wie aus dem Lehrbuch. Schnell, direkt, technisch sauber – und Daizen Maeda musste den Ball in der 56. Minute eigentlich nur noch ins Netz schieben. Genau so stellt man sich modernen Fußball vor.
Für Schweden war das allerdings der Weckruf, den man offensichtlich gebraucht hatte. Schließlich stand plötzlich das WM-Aus vor der Tür. Und siehe da: Die bis dahin erstaunlich zahmen Skandinavier legten den Schalter um.
Nur sechs Minuten später zirkelte Anthony Elanga den Ball sehenswert zum 1:1 ins Tor. Ein Treffer, der nicht nur wunderschön aussah, sondern Schweden praktisch das Ticket für die K.-o.-Runde sicherte.
Danach spielte eigentlich nur noch eine Mannschaft – und die trug Gelb-Blau.
Schweden drückte, rannte an und wollte den Sieg unbedingt. Doch immer wieder stand da Japans Schlussmann Zion Suzuki, der offenbar beschlossen hatte, heute keine weiteren Gegentore mehr zuzulassen. Was nicht an ihm scheiterte, erledigte das Aluminium oder die schwedische Chancenverwertung gleich selbst.
So blieb es beim 1:1.
Für Japan bedeutet das nun ein echtes Highlight: Brasilien wartet. Viel größer kann eine Bühne kaum sein. Die Japaner haben in diesem Turnier bereits gezeigt, dass sie niemanden fürchten müssen. Ob das gegen die Seleção reicht, wird sich zeigen – langweilig dürfte es jedenfalls nicht werden.
Schweden darf sich dagegen zunächst entspannt zurücklehnen und beobachten, wer der nächste Gegner wird. Das Selbstvertrauen dürfte nach der starken zweiten Halbzeit jedenfalls gewachsen sein.
Und was lernen wir aus diesem Spiel?
Dass Fußball manchmal 45 Minuten Anlauf braucht. Dass ein Rückstand Wunder wirken kann. Und dass Torhüter bei Weltmeisterschaften gelegentlich zu Nationalhelden werden.
Japan gegen Brasilien – das klingt nach Fußballkunst gegen Fußballzauber. Ich freue mich jetzt schon auf Montag.