Dark Mode Light Mode

Wanises WM-Kommentar: Die Türkei verabschiedet sich mit Anstand – und die USA lernen, dass Gruppensieger nicht unbesiegbar sind

Tja, liebe Amerikaner: Den Gruppensieg hattet ihr zwar schon in der Tasche, aber offenbar gleich auch die letzten Prozent Konzentration darin vergessen. Die Türkei verabschiedet sich mit einem 3:2-Erfolg aus dem Turnier – und zwar mit erhobenem Haupt, breiter Brust und der Gewissheit, dass man zumindest zum Abschluss gezeigt hat, was eigentlich die ganze WM über möglich gewesen wäre.

Dabei begann alles nach Plan für Team USA. Frühes Tor, schnelle Führung, alles schien auf einen entspannten Fußballabend hinauszulaufen. Wahrscheinlich wurden gedanklich schon die Koffer für die K.-o.-Runde gepackt.

Nur hatte niemand den Türken Bescheid gesagt.

Das Team von Vincenzo Montella schüttelte den frühen Rückstand erstaunlich locker ab und zeigte plötzlich genau das, was man in den vorherigen Spielen schmerzlich vermisst hatte: Kaltschnäuzigkeit. Zwei Chancen, zwei Tore – so einfach kann Fußball manchmal sein. Man muss den Ball eben nur ins Tor schießen und nicht ständig darüber diskutieren, wie schön der Spielaufbau war.

Was ebenfalls auffiel: Die Türken wollten dieses Spiel unbedingt gewinnen. Obwohl das WM-Aus bereits feststand, wurde um jeden Ball gekämpft, jeder Zweikampf angenommen und jeder Meter Rasen bearbeitet. Genau diese Leidenschaft hätte man sich vielleicht schon ein oder zwei Spiele früher gewünscht.

Die Amerikaner machten dagegen vieles richtig – zumindest bis zum Strafraum. Sie hatten mehr Offensivaktionen, erspielten sich die klareren Möglichkeiten und beschäftigten die türkische Defensive nahezu permanent. Rein nach Chancen hätte dieses Spiel eigentlich auf der anderen Seite landen müssen.

Aber der Fußball interessiert sich bekanntlich herzlich wenig für das Wort „eigentlich“.

Und dann kam dieser späte Nackenschlag. Kurz vor Schluss schlug die Türkei noch einmal zu und ließ über 70.000 Zuschauer im SoFi Stadium ziemlich verdutzt zurück. Aus amerikanischer Sicht maximal unglücklich. Aus türkischer Sicht der perfekte Abschluss einer ansonsten enttäuschenden Weltmeisterschaft.

Für die USA bleibt die Niederlage verschmerzbar. Der Gruppensieg war bereits vor dem Anpfiff sicher, der Weg in die K.-o.-Runde ohnehin geebnet. Trotzdem dürfte Trainer und Mannschaft das Spiel nicht einfach abhaken. Denn spätestens jetzt ist klar: Wer seine Chancen so großzügig liegen lässt, wird gegen die Schwergewichte des Turniers schnell bestraft.

Die Türkei reist zwar nach Hause, aber wenigstens mit einem Erfolgserlebnis im Gepäck. Manchmal ist ein würdiger Abschied mehr wert als ein trostloses Ausscheiden.

Und die Amerikaner?

Die dürfen sich daran erinnern, dass Weltmeisterschaften nicht nach Ballbesitz, Torchancen oder xGoals entschieden werden. Sondern nach Toren. Eine Erkenntnis, die im Fußball seit über hundert Jahren erstaunlich zuverlässig funktioniert.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Wanises WM-Kommentar: Japan tanzt mit Brasilien – und Schweden rettet sich mit nordischer Sturheit

Next Post

KB Investment Plus: Aktives Wachstumsportfolio mit überzeugender Titelauswahl, aber schwacher Jahresperformance und erhöhtem Marktrisiko