Die Windpark Krampfer-Reckenthin die Zweite GmbH & Co. KG hat ihren Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2024 veröffentlicht. Die Bilanz zeigt das typische Bild eines fremdfinanzierten Windparkprojekts: hohe langfristige Darlehen, kein bilanzielles Eigenkapital und erhebliche Investitionen in die Windenergieanlagen. Gleichzeitig konnten die Verbindlichkeiten erneut reduziert werden, während die Rückstellungen deutlich sanken.
Aus Anlegersicht stellt sich die Frage, ob die Gesellschaft trotz ihrer hohen Verschuldung wirtschaftlich solide aufgestellt ist oder ob die Finanzierung Risiken birgt.
Bilanzsumme geht leicht zurück
Die Bilanzsumme verringerte sich von 61,51 Millionen Euro auf 59,01 Millionen Euro. Der Rückgang um rund 2,5 Millionen Euro entspricht etwa vier Prozent.
Hauptursachen sind:
- planmäßige Abschreibungen auf die Windenergieanlagen,
- die laufende Tilgung der langfristigen Finanzierungen.
Eine solche Entwicklung ist bei Windparks nach der Bau- und Investitionsphase grundsätzlich üblich.
Anlagevermögen bleibt der wichtigste Vermögenswert
Das Anlagevermögen beträgt weiterhin 43,65 Millionen Euro und macht rund drei Viertel der Bilanzsumme aus.
Gegenüber dem Vorjahr verringerte sich dieser Wert um knapp 2,9 Millionen Euro. Die Veränderung ist auf reguläre Abschreibungen zurückzuführen und deutet nicht auf außerplanmäßige Wertverluste oder technische Probleme hin.
Die Finanzanlagen stiegen dagegen von 8.531 Euro auf 58.871 Euro, spielen jedoch für die Gesamtbilanz nur eine untergeordnete Rolle.
Forderungen wachsen deutlich
Positiv entwickelt haben sich die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände.
Diese erhöhten sich von 6,19 Millionen Euro auf 6,72 Millionen Euro.
Auffällig ist insbesondere der starke Anstieg langfristiger Forderungen von 2,34 Millionen Euro auf 3,69 Millionen Euro.
Ohne weitere Erläuterungen im Anhang bleibt allerdings offen, wodurch diese Entwicklung konkret verursacht wurde. Anleger sollten diesen Punkt deshalb beobachten.
Liquidität leicht rückläufig
Die liquiden Mittel gingen von rund 992.000 Euro auf 866.000 Euro zurück.
Angesichts der Unternehmensgröße stellt dies zwar keinen außergewöhnlichen Rückgang dar, zeigt aber, dass weiterhin Mittel für Tilgungen und laufende Verpflichtungen eingesetzt werden.
Die Zahlungsfähigkeit erscheint nach der Bilanz weiterhin gewährleistet.
Kein bilanzielles Eigenkapital vorhanden
Der auffälligste Punkt der Bilanz bleibt das fehlende Eigenkapital.
Wie bereits im Vorjahr weist die Gesellschaft kein bilanzielles Eigenkapital aus.
Stattdessen erscheint auf der Aktivseite ein „nicht durch Vermögenseinlagen gedeckter Verlustanteil der Kommanditisten“ in Höhe von 4,22 Millionen Euro.
Dieser Posten verringerte sich gegenüber dem Vorjahr leicht (Vorjahr: 4,34 Millionen Euro).
Das bedeutet:
Die negativen Kapitalkonten der Kommanditisten haben sich geringfügig verbessert.
Für Windpark-Kommanditgesellschaften ist eine solche Darstellung zwar nicht ungewöhnlich, dennoch signalisiert sie eine schwache Eigenkapitalbasis.
Schulden bleiben hoch, gehen aber zurück
Die Verbindlichkeiten sanken von 60,45 Millionen Euro auf 58,46 Millionen Euro.
Damit wurden innerhalb eines Jahres knapp zwei Millionen Euro an Schulden zurückgeführt.
Davon entfallen weiterhin:
- 6,62 Millionen Euro auf kurzfristige Verbindlichkeiten,
- 51,83 Millionen Euro auf langfristige Finanzierungen.
Besonders positiv ist, dass auch die Darlehen mit einer Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren zurückgingen:
- 2024: 36,41 Millionen Euro
- 2023: 39,18 Millionen Euro
Dies zeigt, dass die Finanzierung planmäßig abgebaut wird.
Hohe Besicherung der Darlehen
Nahezu sämtliche Finanzierungen sind umfangreich abgesichert.
Als Sicherheiten dienen:
- Grundschulden,
- Sicherungsübereignungen der Windenergieanlagen,
- Forderungsabtretungen,
- Pfandrechte an Rechten.
Der abgesicherte Betrag beläuft sich auf 55,8 Millionen Euro.
Für Projektfinanzierungen im Bereich Windenergie ist dies marktüblich.
Rückstellungen halbieren sich nahezu
Die Rückstellungen gingen deutlich zurück:
- 2023: 1,06 Millionen Euro
- 2024: 556.000 Euro
Der Rückgang um fast 50 Prozent könnte darauf hindeuten, dass Verpflichtungen erfüllt oder Risiken neu bewertet wurden.
Mangels weiterer Erläuterungen lässt sich dies jedoch nicht abschließend beurteilen.
Keine Mitarbeiter
Auch diese Gesellschaft beschäftigt keine eigenen Arbeitnehmer.
Der Betrieb erfolgt vollständig über die VOSS Management GmbH sowie externe Dienstleister. Dadurch bleiben die Personalkosten niedrig und die Kostenstruktur schlank.
Kritische Bewertung aus Anlegersicht
Der Jahresabschluss zeigt ein gemischtes Bild.
Positiv hervorzuheben sind:
- kontinuierlicher Schuldenabbau,
- stabile Vermögensbasis,
- keine Hinweise auf außerplanmäßige Abschreibungen,
- deutlicher Rückgang der Rückstellungen,
- leichte Verbesserung der negativen Kapitalkonten.
Demgegenüber stehen jedoch erhebliche Risiken:
- weiterhin kein bilanzielles Eigenkapital,
- sehr hohe Gesamtverschuldung von rund 58,5 Millionen Euro,
- erhebliche langfristige Finanzierungsverpflichtungen,
- steigende langfristige Forderungen, deren Hintergrund im Anhang nicht erläutert wird.
Gerade das fehlende Eigenkapital bedeutet, dass die Gesellschaft nur über einen sehr begrenzten bilanziellen Risikopuffer verfügt. Sollten Strompreise sinken, Winderträge unter den Erwartungen bleiben oder größere technische Investitionen erforderlich werden, könnte die hohe Fremdfinanzierung die wirtschaftliche Flexibilität einschränken.
Fazit
Die Windpark Krampfer-Reckenthin die Zweite GmbH & Co. KG befindet sich weiterhin in einer typischen Projektfinanzierungsphase eines Windparks. Positiv ist, dass die langfristigen Darlehen kontinuierlich zurückgeführt werden und keine Hinweise auf Wertverluste der Windenergieanlagen bestehen.
Dennoch bleibt die Gesellschaft bilanziell angespannt. Das fehlende Eigenkapital und die hohe Verschuldung machen das Unternehmen anfälliger für wirtschaftliche Belastungen als Windparkgesellschaften mit einer stärkeren Eigenkapitalbasis.
Gesamturteil aus Anlegersicht: Solide operativ, aber bilanziell risikobehaftet. Der planmäßige Schuldenabbau spricht für eine stabile Entwicklung des Projekts. Gleichzeitig sollten Anleger die Eigenkapitalsituation, die Entwicklung der langfristigen Forderungen sowie den weiteren Verlauf der Entschuldung in den kommenden Jahresabschlüssen besonders aufmerksam verfolgen.