Die WSB Windpark Bolschwitz GmbH & Co. KG hat für das Geschäftsjahr vom 1. Oktober 2023 bis zum 30. September 2024 erneut einen deutlichen Verlust ausgewiesen. Der Jahresfehlbetrag beläuft sich auf rund 134.000 Euro und liegt damit nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Für Anleger stellt sich damit die Frage, ob die Gesellschaft ihre wirtschaftliche Situation künftig stabilisieren kann oder ob die bestehenden Belastungen weiter zunehmen.
Der Jahresabschluss zeigt zunächst, dass die Gesellschaft weiterhin über ein vergleichsweise überschaubares Anlagevermögen verfügt. Die immateriellen Vermögensgegenstände und Sachanlagen summieren sich auf knapp 380.000 Euro. Gleichzeitig weist die Gesellschaft Forderungen und Bankguthaben von zusammen rund 442.000 Euro aus. Auf den ersten Blick erscheint die Liquiditätslage damit nicht angespannt.
Allerdings wird dieser Eindruck durch die Eigenkapitalsituation deutlich relativiert. Die Gesellschaft weist einen „nicht durch Vermögenseinlagen gedeckten Verlustanteil des Kommanditisten“ in Höhe von rund 759.000 Euro aus. Gegenüber dem Vorjahr hat sich dieser Fehlbetrag nochmals um mehr als 134.000 Euro erhöht. Die Gesellschaft ist damit bilanziell überschuldet. Die Geschäftsführung geht zwar weiterhin von der Fortführung des Unternehmens aus, dennoch bleibt die fehlende Eigenkapitalbasis aus Anlegersicht ein wesentliches Risiko.
Auch die Ertragslage gibt Anlass zur Vorsicht. Das operative Geschäft erwirtschaftete lediglich ein Rohergebnis von rund 2.400 Euro. Dem stehen Abschreibungen von fast 85.000 Euro sowie sonstige betriebliche Aufwendungen von mehr als 45.000 Euro gegenüber. Hinzu kommen Zinsaufwendungen von über 6.500 Euro. Daraus resultiert erneut ein erheblicher Jahresverlust. Positiv ist zwar, dass sich das Rohergebnis gegenüber dem Vorjahr verbessert hat, die Verbesserung reicht jedoch bei weitem nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken.
Die Verbindlichkeiten sind im Geschäftsjahr deutlich von rund 1,18 Millionen Euro auf knapp 1,39 Millionen Euro gestiegen. Dies entspricht einem Anstieg von etwa 17,7 Prozent. Ein erheblicher Teil dieser Schulden weist lange Laufzeiten auf. Rund 490.000 Euro werden erst nach mehr als fünf Jahren fällig. Dies reduziert kurzfristig den Finanzierungsdruck, verdeutlicht aber zugleich die langfristige Verschuldung der Gesellschaft.
Ein weiterer Aspekt betrifft die Rückstellungen. Diese stiegen von rund 182.000 Euro auf knapp 195.000 Euro. Hintergrund dürften insbesondere Verpflichtungen für den späteren Rückbau der Windenergieanlagen sein. Solche Verpflichtungen sind bei Windparkgesellschaften üblich, stellen jedoch langfristige finanzielle Belastungen dar.
Positiv hervorzuheben ist, dass die Gesellschaft keine Mitarbeiter beschäftigt und somit keine Personalkosten trägt. Zudem bestehen die sonstigen finanziellen Verpflichtungen aus Nutzungsentgelten und Dienstleistungsverträgen lediglich in einer Größenordnung von rund 71.000 Euro.
Fazit für Anleger
Aus Anlegersicht bleibt die wirtschaftliche Situation der WSB Windpark Bolschwitz GmbH & Co. KG kritisch. Die Gesellschaft erwirtschaftet seit mehreren Jahren Verluste und verfügt über kein positives Eigenkapital. Der nicht durch Vermögenseinlagen gedeckte Verlustanteil des Kommanditisten wächst kontinuierlich an und erreichte zum Bilanzstichtag rund 759.000 Euro.
Positiv sind die vorhandenen liquiden Mittel, die langfristige Struktur eines Großteils der Verbindlichkeiten sowie die Annahme der Unternehmensfortführung durch die Geschäftsführung. Dennoch zeigt der Jahresabschluss, dass die laufenden Erträge derzeit nicht ausreichen, um Abschreibungen, Zinsaufwendungen und sonstige Kosten zu kompensieren.
Für Anleger ergibt sich daraus ein gemischtes Bild: Die Gesellschaft ist aktuell nicht akut zahlungsunfähig, weist aber erhebliche strukturelle Schwächen auf. Entscheidend wird sein, ob künftig höhere Erträge aus dem Windpark erzielt oder die Kostenbasis nachhaltig verbessert werden können. Solange dies nicht gelingt, bleibt das Beteiligungsrisiko überdurchschnittlich hoch.