Angebliche Nebenjobs im Homeoffice erleben derzeit einen neuen Aufschwung – allerdings vor allem als Betrugsmasche. Während sich frühere Fake-Angebote häufig um Produktbewertungen oder Testkäufe drehten, setzen Kriminelle inzwischen verstärkt auf vermeintlich einfache Handarbeiten von zu Hause aus. Die Verbraucherwarnungen häufen sich. Besonders häufig dienen derzeit die Montage von Kugelschreibern, das Sortieren von Perlen oder die Verarbeitung von Haargummis als Köder.
Als Beispiel für die aktuelle Entwicklung gilt die Plattform „HomeWork Österreich“, die zuletzt unter der Domain eavto.shop auftrat. Die beworbenen Tätigkeiten wirken auf den ersten Blick attraktiv: Für die Montage von Kugelschreiber-Minen werden angeblich 30 Cent pro Stück gezahlt, für das Auffädeln von Perlen oder das Verpacken von Kartons ähnliche Beträge. Die Verarbeitung von Haargummis soll sogar bis zu 50 Cent pro Exemplar einbringen.
Den Interessenten wird versprochen, dass sämtliche Materialien direkt nach Hause geliefert und die fertigen Produkte anschließend durch einen Kurier abgeholt werden. Nach erfolgreicher Qualitätsprüfung erfolge die Auszahlung unkompliziert auf das eigene Bankkonto. Besondere Vorkenntnisse seien nicht erforderlich. „Nur Ihre Hände, Ihre Zeit und Ihr Küchentisch“, heißt es in den Werbeanzeigen.
Tatsächlich verbirgt sich hinter diesen Angeboten jedoch eine bekannte Betrugsmasche in neuer Verpackung.
Die Täter werben gezielt über soziale Netzwerke wie TikTok oder andere Plattformen für ihre vermeintlichen Heimarbeitsplätze. Wer Interesse zeigt, muss zunächst persönliche Kontaktdaten angeben. Kurz darauf erfolgt die Kontaktaufnahme über Messenger-Dienste durch angebliche Mitarbeitende des Unternehmens.
Im weiteren Verlauf werden offene Fragen beantwortet und die Opfer aufgefordert, sich auf einer Plattform zu registrieren. Auf Nachfrage zu den Unternehmensdaten erhalten Interessierte häufig lediglich die Adresse eines Logistikstandortes oder andere wenig aussagekräftige Angaben. Anschließend werden sie zu Messenger-Gruppen hinzugefügt, in denen zahlreiche vermeintliche Kolleginnen und Kollegen aktiv sind. Durch den regen Austausch entsteht der Eindruck eines seriösen Unternehmens.
Die eigentliche Betrugsmasche beginnt jedoch erst danach. Die ursprünglich versprochenen Heimarbeiten spielen plötzlich keine Rolle mehr. Stattdessen sollen die Betroffenen Produkte bewerten, Beiträge liken oder sogenannte Testkäufe durchführen. Für die Erledigung dieser Aufgaben wird ihnen ein virtuelles Guthaben gutgeschrieben.
Um weitere Aufträge freizuschalten, werden die Opfer jedoch zunehmend dazu aufgefordert, eigenes Geld einzusetzen. Die zu bearbeitenden Projekte werden immer wertvoller und übersteigen irgendwann das angesammelte Guthaben. Eine Auszahlung sei angeblich erst möglich, wenn alle offenen Aufgaben abgeschlossen wurden. Dafür müsse das Konto zunächst mit privaten Einzahlungen ausgeglichen werden.
Wer sich auf dieses System einlässt, verliert häufig erhebliche Geldbeträge. Auszahlungen erfolgen in der Regel nie. Stattdessen erfinden die Täter immer neue Gebühren, Steuern oder Strafzahlungen, die angeblich zunächst beglichen werden müssen. Der Betrug endet meist erst dann, wenn die Betroffenen kein weiteres Geld mehr überweisen oder die Masche erkennen.
Die betrügerischen Heimarbeitsangebote weisen häufig typische Warnsignale auf. So fehlen auf den Internetseiten oftmals ein Impressum oder vollständige Unternehmensangaben. Künstlich erzeugter Zeitdruck durch Hinweise wie „nur noch wenige Plätze verfügbar“ soll zu schnellen Entscheidungen verleiten. Darüber hinaus kommen regelmäßig KI-generierte Bilder zum Einsatz, um Professionalität vorzutäuschen.
Verbraucherschützer raten deshalb zu besonderer Vorsicht bei vermeintlich lukrativen Heimarbeitsangeboten. Wer ohne besondere Qualifikation hohe Vergütungen für einfache Tätigkeiten in Aussicht gestellt bekommt, sollte die Angebote kritisch hinterfragen und die Seriosität des Anbieters sorgfältig prüfen.
Betroffene, die bereits Geld überwiesen haben, sollten den Kontakt zu den Verantwortlichen umgehend abbrechen, keine weiteren Zahlungen leisten und sämtliche Kommunikationswege blockieren. Zudem wird empfohlen, den Vorfall bei der Polizei anzuzeigen, damit die Ermittlungsbehörden gegen die Betreiber der betrügerischen Plattformen vorgehen können.