Als RB-Fan lernt man nie aus.
Früher dachte ich, wenn sich der Sportvorstand öffentlich hinter einen Trainer stellt, dann bedeutet das Rückendeckung. Heute weiß ich: Wenn Marcel Schäfer sagt, dass er voll hinter einem Trainer steht, sollte dieser vorsichtshalber schon mal die Umzugskartons bestellen.
Sollte Ole Werner tatsächlich gehen müssen, bleibt mir zunächst nur eines zu sagen: Danke für die Saison. Und herzlich willkommen im exklusiven RB-Club der Trainer, die feststellen mussten, dass Erfolg zwar schön ist, aber offenbar nicht immer ausreicht.
Mittlerweile frage ich mich ernsthaft, wer bei RB Leipzig eigentlich die sportlichen Entscheidungen trifft.
Marcel Schäfer?
Oliver Mintzlaff?
Jürgen Klopp?
Oder wird jeden Montag ein Glücksrad im Red-Bull-Hauptquartier gedreht?
Der Eindruck entsteht jedenfalls zunehmend.
Besonders faszinierend ist die Rolle von Jürgen Klopp. Verstehen Sie mich nicht falsch: Als Trainer war Klopp Weltklasse. Aber scheinbar reicht es heutzutage, fünfmal im Jahr in Leipzig aus dem Taxi zu steigen, einmal durch die Geschäftsstelle zu laufen und anschließend zu wissen, welcher Trainer geeignet ist und welcher nicht.
Das ist ungefähr so, als würde ich einmal im Monat nach Neuseeland fliegen und mich danach zum Landwirtschaftsminister ernennen lassen.
Noch spannender ist allerdings Oliver Mintzlaff.
Der Mann kommt aus der Leichtathletik und entscheidet inzwischen über die Zukunft eines Champions-League-Klubs. Das wäre ungefähr so, als würde ein Formel-1-Team plötzlich seinen Cheftechniker aus dem Dressurreiten verpflichten.
Kann funktionieren.
Muss aber nicht.
Vor allem vermisse ich eines: das Herzblut.
Dietrich Mateschitz hatte Fehler, keine Frage. Aber jeder wusste, dass ihm RB Leipzig am Herzen lag. Der Mann hatte eine Vision. Er wollte etwas aufbauen.
Heute wirkt es manchmal so, als würde irgendwo eine PowerPoint-Präsentation entscheiden, wer Trainer wird und wer nicht.
„Synergien.“
„Globale Ausrichtung.“
„Strategische Neuausrichtung.“
Alles wunderbare Begriffe.
Nur leider schießt noch keine PowerPoint Tore.
Was mich als Fan am meisten stört: RB Leipzig war einmal ein Verein mit klarer Richtung.
Heute gleicht der Klub manchmal einem Navigationsgerät mit Totalausfall.
„Bitte wenden.“
100 Meter später:
„Bitte wenden.“
Weitere 100 Meter später:
„Route wird neu berechnet.“
Und genau so fühlt sich aktuell die sportliche Führung an.
Vielleicht irre ich mich.
Vielleicht steckt hinter allem ein genialer Masterplan, den normale Fußballfans einfach nicht verstehen.
Vielleicht gewinnt RB nächste Saison die Champions League.
Vielleicht gewinnt mein Goldfisch auch den Nobelpreis für Wirtschaft.
Im Moment erscheint mir beides ungefähr gleich wahrscheinlich.
Eines steht jedenfalls fest:
RB Leipzig braucht weniger Strategen, weniger Machtspielchen und weniger Ferndiagnosen.
Und dafür mehr Menschen, die wissen, dass Fußball nicht auf Excel-Tabellen gespielt wird.
Denn sonst droht RB Leipzig etwas zu verlieren, das man mit keinem Red-Bull-Milliardenbudget zurückkaufen kann:
Seine Seele.