Der Tigris Small & Micro Cap Growth Fund konnte im Geschäftsjahr 2025/2026 trotz eines weiterhin anspruchsvollen Marktumfeldes eine positive Wertentwicklung erzielen. Die Performance lag je nach Anteilsklasse zwischen +5,99 % und +6,86 %, wobei der Fonds von einer schrittweisen Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie einer gezielten Positionierung in Infrastruktur-, Technologie- und Bauwerten profitierte.
Aus Investorensicht zeigt sich ein Fonds, der konsequent auf unterbewertete Nebenwerte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz setzt und dabei auf langfristige Unternehmensentwicklungen statt auf kurzfristige Marktbewegungen fokussiert ist.
Positive Aspekte
1. Klare und fokussierte Anlagestrategie
Der Fonds investiert überwiegend in Small- und Micro-Caps mit einer Marktkapitalisierung von unter 3 Milliarden Euro. Dieses Segment wurde in den vergangenen Jahren von vielen Investoren gemieden und weist daher teilweise attraktive Bewertungsniveaus auf.
Besonders positiv ist die konsequente Umsetzung der Strategie:
95,5 % Aktienquote
Keine Derivate
Keine Fondsbeimischungen
Konzentration auf 26 Einzeltitel
Fokus auf deutschsprachige Qualitätsunternehmen
Dadurch bleibt das Portfolio transparent und nachvollziehbar.
2. Positionierung in strukturellen Gewinnerbranchen
Das Management setzt gezielt auf Unternehmen, die von den geplanten Investitionsprogrammen in Deutschland profitieren könnten:
Energieinfrastruktur
Bahninfrastruktur
Bauwirtschaft
Verteidigung
Digitalisierung und IT
Besonders die hohen Gewichtungen von Friedrich Vorwerk, Porr, Implenia, Adesso oder Kontron spiegeln diese Ausrichtung wider.
Sollte die deutsche Wirtschaft tatsächlich in eine Investitionsphase eintreten, könnten diese Unternehmen überdurchschnittlich profitieren.
3. Langfristiger Investmentansatz
Die Portfolio-Umschlagshäufigkeit wurde gegenüber dem Vorjahr reduziert. Das Fondsmanagement verfolgt weiterhin einen langfristigen Ansatz und vermeidet kurzfristiges Trading. Die höheren Umsätze entstanden vor allem durch Übernahmen einzelner Beteiligungen (Datagroup, PSI Software).
Dies spricht für eine disziplinierte Investmentphilosophie.
4. Mittelzuflüsse in institutionelle Anteilsklassen
Die institutionelle Anteilsklasse I verzeichnete einen deutlichen Nettomittelzufluss von rund 892.000 Euro. Dies kann als Vertrauensbeweis professioneller Investoren gewertet werden.
Kritische Punkte
1. Fondsgröße weiterhin relativ klein
Das Fondsvermögen beträgt lediglich rund 11 Mio. Euro.
Vorteile:
hohe Flexibilität
leichter Zugang zu Micro-Caps
Nachteile:
geringere Skaleneffekte
höhere Kostenbelastung
stärkere Abhängigkeit von Mittelzu- und -abflüssen
Für langfristige Stabilität wäre ein weiteres Wachstum des Fondsvolumens wünschenswert.
2. Hohe Konzentration auf einzelne Titel
Die zehn größten Positionen machen mehr als die Hälfte des Fondsvermögens aus. Spitzenreiter sind:
Zeal Network (7,3 %)
Friedrich Vorwerk (6,3 %)
Limes Schlosskliniken (5,9 %)
Adesso (5,3 %)
Porr (5,2 %)
Eine solche Konzentration kann die Rendite steigern, erhöht aber auch das Einzeltitelrisiko.
3. Kostenstruktur
Die laufenden Kosten liegen bei:
Anteilklasse S: 1,26 %
Anteilklasse I: 1,45 %
Anteilklasse R: 2,05 % TER
Für einen aktiv gemanagten Small-Cap-Fonds sind diese Kosten nicht ungewöhnlich, insbesondere die Retail-Klasse R erscheint jedoch vergleichsweise teuer.
4. Historische Wertentwicklung noch nicht überzeugend
Obwohl 2025/26 positiv verlief, liegen die Anteilwerte weiterhin unter den Höchstständen der Jahre 2023/2024. Beispielsweise notiert die institutionelle Klasse I bei 92,94 Euro gegenüber 97,20 Euro im Jahr 2023.
Der Fonds befindet sich somit noch in einer Aufholphase.
Risikobeurteilung
Der Fonds ist klar als wachstumsorientiertes Small-Cap-Investment einzustufen.
Wesentliche Risiken:
hohe Schwankungsanfälligkeit von Nebenwerten
geringere Liquidität einzelner Beteiligungen
Abhängigkeit von der deutschen Konjunktur
geopolitische Risiken
mögliche Belastungen durch Handelskonflikte und Zollpolitik
Für kurzfristig orientierte Anleger ist der Fonds daher weniger geeignet.
Bewertung des Fondsmanagements
Positiv hervorzuheben ist:
konsequente Strategieumsetzung
nachvollziehbare Branchenauswahl
Verzicht auf Derivate
hohe Investitionsquote
klare Fokussierung auf Unternehmensqualität
Das Management scheint überzeugt zu sein, dass Small- und Micro-Caps vor einer Neubewertung stehen könnten, wenn die Zinsen weiter sinken und die deutsche Wirtschaft an Dynamik gewinnt.
Fazit für Anleger
Der Tigris Small & Micro Cap Growth Fund präsentiert sich als spezialisierter Nebenwertefonds mit klarer Strategie und hoher Überzeugung des Managements. Die Rückkehr zu positiven Renditen, die starke Ausrichtung auf Infrastruktur- und Digitalisierungsthemen sowie die nahezu vollständige Investition in Aktien sprechen für eine konstruktive Zukunftserwartung.
Anleger, die an eine wirtschaftliche Erholung Deutschlands und eine Renaissance von Small- und Micro-Caps glauben, finden hier einen interessanten Nischenfonds mit langfristigem Potenzial.
Gleichzeitig sollten Investoren die erhöhte Volatilität, die vergleichsweise kleine Fondsgröße und die Konzentration auf wenige Titel akzeptieren können.