Der Fonds VM European Small and MidCaps wurde erst am 17. Februar 2025 aufgelegt und investiert gezielt in europäische Nebenwerte (Small- und Mid-Caps). Das erste Rumpfgeschäftsjahr bis zum 31. Januar 2026 liefert bereits einige interessante Erkenntnisse für Anleger.
Zusammenfassung aus Anlegersicht
Der Fonds konnte im ersten Geschäftsjahr eine positive Wertentwicklung von +9,28 % erzielen. Allerdings blieb er deutlich hinter seiner Benchmark zurück, die im gleichen Zeitraum +16,08 % erreichte. Die aktive Anlagestrategie hat somit bislang keinen Mehrwert gegenüber dem Vergleichsindex geschaffen.
Positiv hervorzuheben sind die breite Diversifikation über verschiedene europäische Länder und Branchen sowie die hohe Aktienquote von knapp 99 %, die konsequent auf Wachstum ausgerichtet ist. Gleichzeitig erhöht diese Ausrichtung die Schwankungsanfälligkeit des Fonds.
Stärken des Fonds
1. Klare Wachstumsstrategie
Der Fonds investiert ausschließlich in europäische kleine und mittlere Unternehmen, einem Segment, das langfristig überdurchschnittliche Renditechancen bietet. Die Portfoliostruktur umfasst Unternehmen aus Industrie, Technologie, Gesundheitswesen, Finanzdienstleistungen und Energie.
2. Gute Diversifikation
Mit Beteiligungen in Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien, Skandinavien und der Schweiz ist das Portfolio geografisch breit gestreut. Die größten Einzelpositionen machen jeweils nur rund 3–3,5 % des Fondsvermögens aus, wodurch kein Klumpenrisiko bei einzelnen Unternehmen entsteht.
3. Geringe Handelsaktivität
Die Portfolioumschlagsrate von lediglich 5,19 % zeigt einen langfristigen Investmentansatz mit niedriger Handelshäufigkeit. Dies reduziert Transaktionskosten und spricht für eine disziplinierte Anlagestrategie.
4. Solider Mittelzufluss
Der Fonds konnte bereits im ersten Geschäftsjahr rund 15,3 Mio. Euro Anlegergelder einwerben. Das Fondsvolumen liegt zum Stichtag bei 15,5 Mio. Euro. Dies zeigt eine gewisse Marktakzeptanz des neuen Produkts.
Schwächen und Risiken
1. Deutliche Unterperformance gegenüber der Benchmark
Der wichtigste Kritikpunkt ist die erhebliche Abweichung zur Benchmark:
Fonds: +9,28 %
Benchmark: +16,08 %
Differenz: -6,8 Prozentpunkte
Für einen aktiv gemanagten Fonds ist dies insbesondere im ersten Jahr eine enttäuschende Entwicklung. Anleger zahlen aktive Managementgebühren, erhalten bislang jedoch eine niedrigere Rendite als der Markt.
2. Relativ hohe Kosten
Die Gesamtkostenquote (TER) beträgt geschätzt 1,35 % pro Jahr. Für einen Small-Cap-Fonds ist dies zwar nicht ungewöhnlich, liegt aber deutlich über den Kosten passiver ETFs. Zusätzlich wurde die Vergütung des Beraters zum Jahreswechsel angehoben.
3. Hohe Aktienquote
Mit 98,5 % Aktienanteil und praktisch keinen Absicherungsinstrumenten ist der Fonds vollständig von den Aktienmärkten abhängig. In schwachen Marktphasen sind entsprechend starke Kursschwankungen zu erwarten.
4. Währungsrisiken
Rund 28 % des Portfolios sind in Schweizer Franken, britischen Pfund, norwegischen und schwedischen Kronen investiert. Wechselkursschwankungen können die Rendite deutscher Anleger positiv oder negativ beeinflussen.
Nachhaltigkeit
Der Fonds ist ein sogenannter Artikel-6-Fonds. Nachhaltigkeitsaspekte werden zwar analysiert und überwacht, sie sind jedoch kein verbindlicher Bestandteil der Anlagestrategie. Die Investitionen berücksichtigen ausdrücklich nicht die Kriterien der EU-Taxonomie für nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten. Für ESG-orientierte Anleger ist dies eher ein Nachteil.
Bewertung des Portfolios
Auffällig ist die starke Gewichtung von Industrie-, Infrastruktur- und Spezialwerten wie Gaztransport & Technigaz, HOCHTIEF, Bilfinger, Konecranes oder Technip Energies. Das Management setzt damit auf Unternehmen, die von Investitionen in Infrastruktur, Energie und Industrie profitieren könnten. Gleichzeitig finden sich Wachstumswerte aus Technologie und Gesundheit wie FlatexDEGIRO, SUSS MicroTec oder Newron Pharmaceuticals im Portfolio.
Fazit für Anleger
Der Fonds zeigt einen vielversprechenden Ansatz im europäischen Small- und Mid-Cap-Segment, allerdings ist die erste Bilanz gemischt. Die positive absolute Rendite von 9,28 % ist erfreulich, wird jedoch durch die deutliche Unterperformance gegenüber der Benchmark relativiert. Zudem sind die Kosten für den bislang erzielten Mehrwert recht hoch.
Der Fonds ist interessant für Anleger, die gezielt auf europäische Nebenwerte setzen möchten und an das aktive Management glauben. Für einen Neueinstieg sollte jedoch beobachtet werden, ob das Fondsmanagement in den kommenden Jahren die Benchmark nachhaltig schlagen kann. Die bisherige Unterperformance ist der zentrale Kritikpunkt des ersten Geschäftsjahres.