Der Jahresbericht des QUANTMADE AI Quant Fund zeigt aus Anlegersicht ein sehr junges, technologieorientiertes Fondsprojekt mit einem stark defensiven Risikomanagement. Der Fonds wurde erst am 2. Mai 2025 aufgelegt und befand sich im gesamten Berichtszeitraum noch klar in der Aufbauphase.
Positiv hervorzuheben ist zunächst die moderne strategische Ausrichtung. Der Fonds kombiniert quantitative Handelsmodelle mit künstlicher Intelligenz, Machine Learning und algorithmischem Trading, um kurzfristige Marktineffizienzen in US-Blue-Chip-Aktien auszunutzen. Fokusuniversum sind überwiegend Titel aus dem NASDAQ 100 und dem S&P 100. Ziel ist eine möglichst marktunabhängige, risikooptimierte Rendite bei gleichzeitig geringer Volatilität.
Defensive Positionierung dominiert das erste Geschäftsjahr
Auffällig ist jedoch, dass der Fonds seine eigentliche Aktienstrategie im Rumpfgeschäftsjahr nur sehr eingeschränkt umgesetzt hat. Zum Jahresende bestanden rund 96 % des Fondsvermögens aus Bankguthaben und Termingeldern, während lediglich etwa 3 % in US-Treasuries und nur minimale Positionen in Futures investiert waren.
Das Fondsmanagement begründet diese extrem defensive Haltung mit einem schwierigen Marktumfeld für kurzfristige Quant-Strategien. Trotz steigender Aktienmärkte sei die Marktstreuung („Dispersion“) bei US-Mega-Caps gering gewesen, wodurch kurzfristige Alpha-Chancen eingeschränkt waren. Deshalb habe man bewusst auf aggressives Trading verzichtet und teilweise die Aktienquote nahezu auf 0 % reduziert.
Aus Anlegersicht zeigt dies zweierlei:
Positiv: Das Risikomanagement scheint diszipliniert zu sein und vermeidet erzwungene Trades in ungünstigen Marktphasen.
Negativ: Die eigentliche KI-Quantstrategie konnte bislang ihre Leistungsfähigkeit kaum unter Beweis stellen.
Rendite bislang eher geldmarktnah
Die Wertentwicklung fiel entsprechend moderat aus:
Anteilklasse I (EUR): +0,79 %
Anteilklasse S (USD): +1,47 %
Anteilklasse R (EUR): +0,35 %
CHF-Anteilklasse sogar negativ mit -1,68 %
Damit lag die Performance deutlich unter der Entwicklung der großen US-Aktienindizes, die 2025 zweistellige Zuwächse erzielten. Praktisch betrachtet verhielt sich der Fonds eher wie ein aktiv verwalteter Geldmarktfonds mit Quant-Komponente als wie ein offensiver Aktienfonds.
Die Renditen wurden hauptsächlich durch Zinserträge auf hohe Liquiditätsbestände erzielt. Allein die Zinsen aus Liquiditätsanlagen machten einen erheblichen Teil der Erträge aus.
Interessant: geringe Volatilität und kontrolliertes Risiko
Ein klarer Pluspunkt aus konservativer Sicht ist das niedrige Risikoprofil:
durchschnittlicher Value-at-Risk lediglich 0,19 %
sehr geringe Derivatehebelung
kaum Netto-Marktexposure
Für risikoaverse Anleger könnte dies attraktiv sein, insbesondere in volatilen Marktphasen. Allerdings stellt sich langfristig die Frage, ob ein Fonds mit KI- und Quant-Anspruch dauerhaft ausreichend Rendite generieren kann, wenn die Investitionsquote über längere Zeiträume so niedrig bleibt.
Kostenstruktur kritisch betrachten
Die Gebühren erscheinen für die bislang erzielte Aktivität relativ hoch:
institutionelle Klassen: 1,10 % p.a.
Retail-Klasse R: 1,90 % p.a.
zusätzlich teilweise Performance Fee
Gerade bei einer Strategie, die überwiegend Liquidität hält, könnten Anleger kritisch hinterfragen, ob die Gebührenstruktur aktuell gerechtfertigt ist.
Gesamtfazit aus Investorensicht
Der QUANTMADE AI Quant Fund präsentiert sich als ambitionierter KI-gestützter Quantfonds mit professionellem Risikomanagement und vorsichtiger Kapitalsteuerung. Die Fondsmanager haben im ersten Jahr klar den Kapitalerhalt priorisiert und in einem schwierigen Marktumfeld bewusst auf hohe Risiken verzichtet.
Allerdings bleibt offen, ob die Strategie langfristig tatsächlich signifikantes Alpha generieren kann. Der bisherige Track Record ist kurz, die Aktienexponierung gering und die Rendite bislang eher defensiv-geldmarktnah.
Für Anleger bedeutet das:
interessant als experimenteller Baustein im Bereich AI-/Quant-Investing,
geeignet für konservativ orientierte Investoren mit Fokus auf Risikokontrolle,
aber noch kein Beweis für nachhaltige Überrenditen gegenüber klassischen Aktien- oder Quantfonds.
Der Fonds dürfte daher aktuell eher als „Proof of Concept“ denn als vollständig etablierte KI-Quantstrategie einzustufen sein.