Ein Urteil zum deutschen Dosenpfand sorgt derzeit für große Unruhe im Grenzhandel zwischen Deutschland und Dänemark – und gleichzeitig für Begeisterung auf dänischer Seite. Während viele sogenannte Bordershops in Schleswig-Holstein um ihr lukratives Geschäftsmodell fürchten, wittern dänische Händler und Supermärkte neue Chancen auf Millionenumsätze.
Das Verwaltungsgericht Schleswig entschied kürzlich, dass künftig auch skandinavische Kunden beim Einkauf in deutschen Grenzgeschäften grundsätzlich Dosenpfand zahlen müssen. Das Gericht stellte klar, dass die Pfandpflicht auch im Grenzhandel gilt und nicht einfach durch Exporterklärungen umgangen werden kann.
Jahrzehntelang war genau dieses Schlupfloch ein gigantisches Geschäft. Tausende Dänen fuhren regelmäßig über die Grenze nach Deutschland, kauften dort palettenweise Bier-, Softdrink- und Limonadendosen – häufig komplett pfandfrei. Besonders attraktiv war der Einkauf wegen niedrigerer deutscher Alkoholsteuern und der Möglichkeit, kein Dosenpfand zahlen zu müssen.
Der Grenzhandel entwickelte sich dadurch zu einem milliardenschweren Wirtschaftsfaktor. Allein in Schleswig-Holstein setzte die Branche laut Berichten jährlich rund 1,2 Milliarden Euro um und beschäftigte mehr als 3.000 Menschen.
Für viele deutsche Bordershops könnte das Urteil nun massive Folgen haben. Denn gerade die pfandfreien Dosenkäufe galten als zentraler Umsatztreiber. Werden Getränke künftig mit deutschem Pfand verkauft, dürfte der Preisvorteil für viele dänische Kunden deutlich schrumpfen.
In Dänemark dagegen wird die Entscheidung teilweise regelrecht gefeiert. Dort hoffen Händler, Supermärkte und Getränkemärkte darauf, dass viele Kunden künftig wieder stärker im eigenen Land einkaufen. Berichten zufolge erwartet die Branche ein mögliches Millionen-Plus in den eigenen Kassen.
Besonders bemerkenswert: Der Streit um das Dosenpfand beschäftigt Politik, Gerichte und Umweltverbände bereits seit vielen Jahren. Schon 2015 hatten Deutschland und Dänemark versucht, eine gemeinsame Lösung für das sogenannte „Dosendilemma“ zu finden. Damals wurde angekündigt, die Pfandlücke im Grenzhandel langfristig zu schließen.
Trotzdem blieb das System bestehen. Umweltverbände wie die Deutsche Umwelthilfe kritisieren seit Jahren, dass Millionen Dosen aus dem Grenzhandel in der dänischen Natur landen oder nicht ordnungsgemäß recycelt werden. Schätzungen zufolge gelangen jährlich mehr als 650 Millionen Dosen aus deutschen Grenzgeschäften nach Dänemark.
Für deutsche Händler ist die Situation besonders heikel, weil viele Geschäftsmodelle stark vom skandinavischen Einkaufstourismus abhängen. Ganze Einkaufszentren entlang der Grenze wurden über Jahre speziell auf dänische Kunden ausgerichtet.
Kritiker warnen deshalb vor wirtschaftlichen Folgen für die Grenzregion. Sinkende Umsätze könnten Arbeitsplätze gefährden und den regionalen Handel schwächen. Gleichzeitig argumentieren Umweltverbände, dass ein einheitliches Pfandsystem längst überfällig sei.
Ganz beendet ist der Streit allerdings noch nicht. In der Vergangenheit hatte auch der Europäischer Gerichtshof sich mit dem Thema beschäftigt. Zudem soll ab 2029 eine europaweite Pfandpflicht für Einweggetränkeverpackungen gelten.
Die aktuelle Entscheidung könnte deshalb zum Wendepunkt für den deutsch-dänischen Grenzhandel werden. Für viele dänische Geschäfte ist das Urteil bereits jetzt ein Grund zum Feiern – für zahlreiche deutsche Bordershops dagegen möglicherweise der Beginn einer wirtschaftlich schwierigen Zeit.