Der Jahresbericht des Fonds zeigt aus Anlegersicht ein insgesamt überzeugendes erstes Geschäftsjahr eines jungen Multi-Strategy-Fonds, der bewusst auf Stabilität, Diversifikation und kontrollierte Risiken setzt. Besonders bemerkenswert ist, dass der Fonds bereits im Aufbaujahr ein Volumen von rund 276 Mio. EUR erreichen konnte – ein klares Signal institutionellen Vertrauens. Gleichzeitig offenbaren die Zahlen aber auch typische Herausforderungen eines komplexen Multi-Strategie-Ansatzes.
Positiv hervorzuheben: Kontrolliertes Risiko bei positiver Rendite
Seit Auflage im April 2025 erzielte die Anteilklasse S eine Wertentwicklung von +2,91 % bei einer vergleichsweise niedrigen erwarteten Volatilität von nur 4,17 %. Für einen Fonds mit Aktien-, Makro-, Carry- und Derivatekomponenten ist das ein defensives Risikoprofil. Der maximale zwischenzeitliche Verlust lag bei lediglich -2,86 %, was auf ein funktionierendes Risikomanagement hindeutet.
Aus Sicht konservativer Anleger ist insbesondere die hohe Liquiditätsquote interessant:
rund 18 % Bankguthaben,
zusätzlich knapp 4 % Geldmarktfonds,
dazu kurzlaufende deutsche und französische Staatsanleihen.
Damit besitzt der Fonds aktuell einen erheblichen Sicherheitsanker gegen stärkere Marktverwerfungen.
Multi-Strategy-Ansatz wirkt professionell diversifiziert
Das Portfolio kombiniert unterschiedliche Renditequellen:
Aktienfaktorstrategien,
Carry-Strategien,
fundamentale Ansätze,
Makrostrategien,
Long/Short-Komponenten,
Volatilitäts- und Absicherungsstrategien.
Gerade diese breite Streuung reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Marktphasen. Positiv ist außerdem, dass das Management im Jahresverlauf aktiv Anpassungen vorgenommen hat:
schwächere defensive Aktienfaktoren wurden reduziert,
neue globale Makro- und Asien-Strategien ergänzt,
Carry-Strategien ausgebaut.
Das spricht für ein dynamisches und nicht statisches Management.
Institutionelle Qualität der Investments
Die gehaltenen Zielfonds stammen überwiegend von renommierten internationalen Häusern wie:
BlackRock,
Schroders,
Man Group,
Goldman Sachs,
J.P. Morgan.
Das erhöht die Glaubwürdigkeit des Konstrukts und deutet auf institutionelle Infrastruktur hin.
Kritischer Punkt: Rendite bisher eher moderat
Trotz der positiven Entwicklung bleibt die absolute Rendite bislang überschaubar. Knapp 3 % in einem insgesamt freundlichen Marktumfeld 2025 zeigen:
Der Fonds priorisiert klar Kapitalerhalt und Stabilität,
aggressives Alpha wurde bisher nicht erzielt.
Für Anleger mit hoher Renditeerwartung könnte das enttäuschend wirken, insbesondere angesichts des relativ komplexen Konstrukts und der eingesetzten Derivate.
Hinzu kommt:
Die realisierten Gewinne und Verluste aus Handelsgeschäften lagen nahezu gleichauf. Der Großteil der positiven Entwicklung stammt aus nicht realisierten Gewinnen. Das bedeutet:
Die Performance basiert bisher eher auf Bewertungsgewinnen als auf nachhaltig realisierten Erträgen.
Ein echter Stresstest über einen vollständigen Marktzyklus fehlt noch.
Derivateeinsatz: Professionell, aber nicht risikolos
Der Fonds nutzt aktiv Total Return Swaps und andere Derivate. Die durchschnittliche Hebelwirkung lag bei 2,56. Das ist für einen institutionellen Multi-Strategy-Fonds moderat, erhöht aber dennoch die Komplexität.
Positiv:
Derivate dienen laut Bericht primär der Steuerung und Diversifikation.
Gegenparteien sind große europäische Investmentbanken.
Die Sicherheitenstruktur wirkt professionell organisiert.
Dennoch sollten Anleger verstehen:
Dieser Fonds ist kein klassischer defensiver Mischfonds, sondern eher ein alternatives Multi-Asset-Produkt mit Hedgefonds-ähnlichen Elementen.
Kostenstruktur akzeptabel
Die Gesamtkostenquote der institutionellen S-Klasse beträgt lediglich 0,46 %. Für einen aktiv gesteuerten Multi-Strategy-Fonds mit komplexer Infrastruktur ist das durchaus attraktiv.
Allerdings entstehen indirekt zusätzliche Kosten über die eingesetzten Zielfonds, deren Verwaltungsvergütungen teilweise deutlich über 1 % liegen. Dadurch dürfte die tatsächliche wirtschaftliche Kostenbelastung höher sein als die ausgewiesene TER vermuten lässt.
Nachhaltigkeit: Kein ESG-Fokus
Für ESG-orientierte Anleger wichtig:
Der Fonds ist ausdrücklich kein Artikel-8- oder Artikel-9-Produkt gemäß EU-Offenlegungsverordnung. Nachhaltigkeitskriterien spielen auf Fondsebene keine verbindliche Rolle.
Fazit aus Investorensicht
Der Resonanz Jazz Multi-Strategy präsentiert sich als professionell strukturierter, defensiv ausgerichteter Multi-Strategy-Fonds mit institutionellem Charakter. Besonders positiv sind:
die niedrige Volatilität,
das aktive Risikomanagement,
die breite Diversifikation,
die hohe Liquidität,
der vorsichtige Portfolioaufbau.
Allerdings steht der Fonds noch sehr am Anfang:
Es fehlt ein Nachweis über mehrere Marktzyklen.
Die Rendite war bislang eher moderat.
Die Strategie ist komplex und stark managementabhängig.
Für risikoaverse Anleger, die eine Alternative zu klassischen Mischfonds suchen und Wert auf Stabilität legen, kann der Fonds interessant sein. Für renditeorientierte Anleger dürfte der bisherige Ertrag dagegen noch nicht ausreichend attraktiv erscheinen.