Frischer deutscher Spargel gilt für viele Verbraucher als saisonale Delikatesse. Doch hinter der Ernte steckt harte körperliche Arbeit – und ohne tausende Saisonarbeiter aus Osteuropa wären viele Spargelhöfe in Deutschland kaum noch arbeitsfähig. Besonders für zahlreiche Menschen aus Rumänien ist die mehrmonatige Arbeit auf deutschen Feldern längst zu einer wirtschaftlichen Lebensader geworden.
Einer von ihnen ist Vasile Zaharia. Der 57-Jährige reist jedes Frühjahr nach Thüringen, um bei der Spargelernte zu arbeiten. Während seiner Abwesenheit kümmert sich seine Frau allein um Hof, Tiere und Familie in Rumänien. Für Zaharia bedeutet die Saisonarbeit in Deutschland weit mehr als nur ein kurzfristiges Einkommen.
„Mein Leben hat sich deutlich verbessert, seit ich regelmäßig nach Deutschland fahre“, berichtet er. Mit dem verdienten Geld renovierte er sein Haus, errichtete neue Zäune und baute seine kleine Landwirtschaft aus.
Arbeit in Deutschland sichert vielen Familien das Auskommen
Wie viele andere Rumänen kämpft auch Zaharia seit Jahren mit mangelnden beruflichen Perspektiven in seiner Heimatregion. Früher arbeitete er in einer Textilfabrik. Nach deren Schließung fand er nur noch sporadisch Beschäftigung als Bauhelfer.
Die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen Deutschland und strukturschwachen Regionen Rumäniens treiben viele Menschen ins Ausland. Saisonarbeit in Deutschland, Österreich oder Italien bietet für zahlreiche Familien eine seltene Möglichkeit, vergleichsweise gutes Geld zu verdienen.
Besonders auf deutschen Spargelhöfen sind rumänische Arbeitskräfte seit Jahren unverzichtbar. Die Arbeit gilt als körperlich extrem anstrengend: lange Arbeitstage, gebückte Haltung und hoher Zeitdruck prägen den Alltag während der Erntesaison.
Deutsche Landwirtschaft zunehmend abhängig von Saisonarbeitern
Viele landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland wären ohne ausländische Erntehelfer kaum noch konkurrenzfähig. Gerade der Spargelanbau ist arbeitsintensiv und lässt sich bislang nur begrenzt automatisieren.
Doch die Branche steht zunehmend unter Druck. Zahlreiche Betriebe berichten, dass es immer schwieriger wird, ausreichend Saisonarbeiter zu finden. Gründe dafür sind steigende Konkurrenz anderer europäischer Länder, höhere Lebenshaltungskosten und bessere Arbeitsmöglichkeiten in anderen Branchen.
Hinzu kommt: Auch in osteuropäischen Staaten verändern sich die Arbeitsmärkte langsam. Manche jüngere Menschen suchen inzwischen dauerhafte Beschäftigungen in anderen EU-Ländern statt harter Saisonarbeit auf Feldern.
Familienleben leidet unter der Arbeitsmigration
Für viele rumänische Familien hat die Arbeitsmigration allerdings auch eine emotionale Schattenseite. Oft verbringen Eltern oder Großeltern monatelang getrennt voneinander.
Im Fall von Vasile Zaharia lebt der fünfjährige Enkel Eric meist bei den Großeltern, da auch Sohn und Schwiegertochter im Ausland arbeiten. Während der Spargelsaison bleibt der Junge oft allein mit der Großmutter zurück.
Solche familiären Konstellationen sind in vielen Regionen Rumäniens längst Alltag geworden. Ganze Dörfer sind wirtschaftlich von Arbeitsmigration abhängig.
Spargelernte wird zum Spiegel europäischer Unterschiede
Die Geschichte der Saisonarbeiter zeigt auch die wirtschaftlichen Unterschiede innerhalb Europas. Während deutsche Verbraucher regionalen Spargel schätzen, hängt dessen Ernte vielfach von Menschen ab, die ihre Heimat verlassen müssen, um ihre Familien finanziell abzusichern.
Für viele rumänische Saisonarbeiter bleibt Deutschland deshalb nicht nur ein Arbeitsort – sondern eine entscheidende Einkommensquelle und Hoffnung auf ein besseres Leben.