Die Energiekrise der Jahre 2022 und 2023 beschäftigt die Gerichte noch immer – und für den Energieversorger ExtraEnergie GmbH könnte es nun besonders teuer werden. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) geht mit einer umfangreichen Sammelklage gegen massive Preissteigerungen für Strom- und Gaskunden vor. Verbraucherschützer werfen dem Unternehmen vor, Preise in großem Stil rechtswidrig erhöht zu haben – teilweise trotz bestehender Preisgarantien.
Im Zentrum des Verfahrens stehen drastische Preisanpassungen aus dem Jahr 2022. Viele Kunden erhielten damals kurzfristig Schreiben, in denen Strom- und Gaspreise zum 1. September 2022 massiv angehoben wurden. Nach Angaben von Verbraucherschützern verdreifachte sich der Arbeitspreis in manchen Fällen nahezu. Für zahlreiche Haushalte bedeutete das monatliche Mehrkosten von mehreren hundert Euro.
Besonders brisant: Nach Auffassung des Verbraucherzentrale Bundesverbands erfolgten die Erhöhungen teilweise sogar bei Verträgen mit Preisgarantie. Genau diese Garantien sollten Verbraucher eigentlich vor plötzlichen Preissprüngen schützen.
Doch die Kritik geht noch weiter. Auch spätere Preisänderungen – darunter Anpassungen zum 1. November und 1. Dezember 2022 sowie spätere „Preissenkungen“ im Jahr 2023 – hält der vzbv für problematisch. Seit 2025 wurden diese zusätzlichen Maßnahmen ebenfalls Bestandteil der Sammelklage.
Die juristische Auseinandersetzung zeigt exemplarisch, wie chaotisch der Energiemarkt während der Krise funktionierte. Zahlreiche Anbieter erhöhten damals Preise drastisch oder kündigten Verträge kurzfristig. Viele Verbraucher fühlten sich angesichts explodierender Energiekosten praktisch ausgeliefert.
Kritiker werfen Teilen der Branche bis heute vor, die Unsicherheit der Energiekrise genutzt zu haben, um Vertragsbedingungen massiv zu verschlechtern. Gerade Preisgarantien hätten sich für viele Kunden im Nachhinein als weniger belastbar erwiesen als ursprünglich angenommen.
Besonders umstritten ist im Fall ExtraEnergie auch der Vorwurf, Kunden hätten bestimmten Preiserhöhungen angeblich zugestimmt, indem sie Änderungen ihrer Abschlagszahlungen akzeptierten. Genau gegen diese Interpretation richtet sich die Klage ebenfalls.
Sollte das Gericht den Verbraucherschützern recht geben, könnten tausende Kunden Anspruch auf Rückzahlungen und möglicherweise zusätzlich auf Zinsen haben. Für ExtraEnergie könnte dies erhebliche finanzielle Folgen nach sich ziehen.
Der Fall zeigt zudem die wachsende Bedeutung von Sammelklagen im deutschen Verbraucherrecht. Während einzelne Kunden früher oft aus Angst vor hohen Prozesskosten auf Klagen verzichteten, ermöglichen Musterfeststellungsklagen inzwischen eine gemeinsame juristische Durchsetzung großer Verbrauchergruppen.
Gleichzeitig wirft der Streit grundsätzliche Fragen über den Energiemarkt auf. Viele Verbraucher verloren während der Energiekrise das Vertrauen in langfristige Vertragszusagen und Preisgarantien. Die Ereignisse machten deutlich, wie schnell sich selbst vermeintlich sichere Verträge unter extremen Marktbedingungen verändern können.
Noch ist offen, wann es zu einer endgültigen gerichtlichen Entscheidung kommt. Verfahren dieser Größenordnung ziehen sich häufig über mehrere Jahre hin. Dennoch könnte die Sammelklage bereits jetzt Signalwirkung für die gesamte Branche entfalten.
Denn sollte ein Gericht feststellen, dass große Teile der Preiserhöhungen unzulässig waren, könnte dies auch andere Energieversorger unter Druck setzen, die während der Krise ähnlich drastische Anpassungen vorgenommen haben.