Die Betrugsmasche rund um angebliche Insolvenzverkäufe entwickelt sich weiter. Während Kriminelle früher vor allem gefälschte Anwaltskanzleien nutzten, um Opfer mit vermeintlicher Insolvenzware in die Falle zu locken, treten sie inzwischen auch als Autohändler, Großhändler oder Wirtschaftsprüfer auf.
Das Ziel bleibt gleich: Interessierte sollen per Vorauskasse bezahlen – geliefert wird anschließend nichts.
So funktioniert die Betrugsmasche
Die Täter versenden massenhaft E-Mails mit angeblich exklusiven Angeboten. Teilweise enthalten die Nachrichten direkt Produktkataloge mit vermeintlich stark vergünstigter Insolvenzware. In anderen Fällen erhalten Empfänger:innen Einladungscodes für angebliche Verkaufsplattformen.
Dort werden:
- Fahrzeuge
- Baumaschinen
- Elektronik
- Wärmepumpen
- Baustoffe
- Solartechnik
- andere hochpreisige Waren
zu auffallend günstigen Preisen angeboten.
Zusätzlich bauen die Kriminellen professionell wirkende Webseiten, auf denen sie sich als seriöse Unternehmen präsentieren.
Gestohlene Firmendaten sorgen für Glaubwürdigkeit
Besonders perfide: Die Betrüger verwenden häufig echte Firmendaten.
Im Impressum finden sich:
- reale Handelsregisternummern
- existierende Adressen
- echte Unternehmensnamen
- teilweise sogar Google-Maps-Einträge
Dadurch wirken die Angebote auf den ersten Blick glaubwürdig.
Tatsächlich stammen die Angaben jedoch von völlig anderen Unternehmen, die mit dem Betrug nichts zu tun haben.
Fake-Autohändler „sprengler-direkt.de“
Ein aktuelles Beispiel ist die Website „sprengler-direkt.de“.
Der angebliche Händler bietet:
- PKW
- LKW
- Bau- und Landmaschinen
- Nutzfahrzeuge
zu stark reduzierten Preisen an.
Als Verkaufsargument wird behauptet, die Fahrzeuge stammten aus Kaufvertragsabtretungen oder Insolvenzverfahren.
Mehrere Hinweise sprechen jedoch klar für einen Fake-Shop:
- die Domain wurde erst im April 2026 registriert
- das Geschäftsführerfoto stammt von einer Stockfoto-Plattform
- die Handelsregisternummer gehört zu einem völlig anderen Unternehmen
Fake-Großhändler „franken-vertrieb.de“
Ähnlich funktioniert der Fall „franken-vertrieb.de“.
Die Plattform richtet sich angeblich an Geschäftskunden und wirbt mit exklusiven Insolvenzangeboten aus den Bereichen:
- Maschinenbau
- Elektronik
- Baustoffe
- Solartechnik
Auch hier zeigen sich typische Warnsignale:
- sehr junge Domain
- gestohlene Firmendaten
- ausschließlich Vorauskasse
Besonders auffällig: Die angegebene Telefonnummer taucht auch bei anderen Fake-Portalen auf. Das deutet darauf hin, dass dieselben Täter hinter mehreren Betrugsseiten stehen.
Fake-Wirtschaftsprüfer verschicken gefälschte Insolvenzunterlagen
Noch aufwendiger ist der Fall „ie-audit.com“.
Die Seite präsentiert sich als Wirtschaftsprüfungs- und Insolvenzkanzlei. Zusätzlich verschicken die Täter angebliche Gerichtsdokumente und Insolvenzunterlagen, um ihre Geschichte glaubwürdiger wirken zu lassen.
Dabei handelt es sich laut Recherchen jedoch um Fälschungen.
Zwar existieren die erwähnten Insolvenzverfahren tatsächlich. Die offiziell eingesetzten Insolvenzverwalter sind jedoch andere Kanzleien.
In manchen Fällen wurden sogar:
- Gerichtsschreiben gefälscht
- Insolvenzbekanntmachungen manipuliert
- Logos kopiert
- Identitäten realer Unternehmen missbraucht
Damit überschreitet die Masche deutlich die Grenze eines einfachen Fake-Shops.
Google-Maps-Einträge als neue Tarnung
Neu ist außerdem, dass die Täter zunehmend gefälschte oder missbrauchte Google-Maps-Einträge anlegen.
Wer die Adresse des Unternehmens überprüft, findet dort scheinbar passende Firmeneinträge. Das soll zusätzlich Vertrauen schaffen.
Ein vorhandener Maps-Eintrag ist deshalb längst kein verlässlicher Echtheitsnachweis mehr.
Typische Warnzeichen
Mehrere Merkmale tauchen bei diesen Betrugsseiten immer wieder auf:
- extrem günstige Preise
- ausschließlich Vorauskasse
- sehr junge Domains
- kopierte Impressumsdaten
- unrealistische Produktvielfalt
- Druck zur schnellen Zahlung
- angeblich exklusive Zugänge oder Einladungscodes
Besonders vorsichtig sollte man sein, wenn hochpreisige Produkte deutlich unter Marktwert angeboten werden.
Was Betroffene tun sollten
Wer bereits Geld überwiesen hat, sollte sofort reagieren:
- umgehend die Bank kontaktieren
- versuchen, die Überweisung stoppen zu lassen
- alle Unterlagen und Screenshots sichern
- Anzeige bei der Polizei erstatten
Die Chancen auf eine Rückholung des Geldes sind zwar oft gering, schnelles Handeln kann jedoch im Einzelfall entscheidend sein.
Grundsätzlich gilt: Bei angeblichen Insolvenzverkäufen mit Vorauskasse ist besondere Vorsicht geboten – selbst dann, wenn Webseiten und Firmendaten zunächst seriös wirken.