Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht 2025 ein zweigeteiltes Bild: Der Fonds hat im Jahr 2025 operativ und bei der Wertentwicklung sehr stark abgeschnitten, zugleich ist die Kostenstruktur so hoch, dass sie zu den wichtigsten Prüfsteinen für jede zukünftige Investitionsentscheidung gehört.
Der erste positive Punkt ist die Performance. Der Anteilwert stieg von 84,47 Euro Ende 2024 auf 116,18 Euro Ende 2025. Das entspricht einem Zuwachs von rund 37,5 % in nur einem Jahr. Auch das Fondsvermögen legte deutlich von 25,26 Mio. Euro auf 35,98 Mio. Euro zu. Der Vermögensanstieg stammt allerdings nur zu einem kleinen Teil aus Nettomittelzuflüssen von etwa 1,08 Mio. Euro; der entscheidende Treiber war das Jahresergebnis von 9,65 Mio. Euro. Für Anleger ist das ein klares Signal, dass 2025 vor allem ein sehr starkes Markt- und Bewertungsjahr für die gehaltenen Positionen war.
Entscheidend ist aber, woher diese Rendite kam. Das realisierte Ergebnis des Geschäftsjahres lag nur bei 478.656,77 Euro. Der wesentliche Teil des Jahreserfolgs stammt aus nicht realisierten Gewinnen in Höhe von 7,44 Mio. Euro sowie aus einer positiven Veränderung nicht realisierter Verluste von 1,74 Mio. Euro. Das bedeutet: Der starke Wertzuwachs wurde vor allem durch Buchgewinne getragen. Für Anleger ist das gut, solange die Marktphase anhält. Es bedeutet aber auch, dass ein Teil der Performance noch nicht „gesichert“ ist und bei schwächeren Märkten wieder abschmelzen kann.
Die Portfoliostruktur ist offensiv, aber nicht maximal aggressiv. Mit 85,91 % Aktienquote zum Jahresende bleibt der Fonds klar aktienlastig. Hinzu kommen 6,52 % Gold-Zertifikate und 7,57 % Kasse. Diese Struktur deutet auf einen aktiven, aber nicht vollständig investierten Ansatz hin. Positiv ist, dass Gold als Krisen- und Inflationsschutz beigemischt wurde. Aus Anlegersicht ist das eine sinnvolle Beimischung, weil sie einen gewissen Diversifikationseffekt liefern kann. Gleichzeitig zeigt die vergleichsweise hohe Kassequote, dass das Management sich Spielraum für Opportunitäten oder Vorsicht in unsicheren Marktphasen erhalten wollte.
Beim Blick in die Einzeltitel fällt auf, dass der Fonds keine indexnahe Standardlösung ist, sondern ein konzentriertes, aktives Stock-Picking-Portfolio. Größere Positionen liegen unter anderem in Deutsche Bank, Commerzbank, Barrick Mining, Alibaba, Micron, Taiwan Semiconductor, Newmont und Tencent. Das Portfolio hat damit klare thematische Schwerpunkte: Finanzwerte, Rohstoffe/Gold, Technologie/Halbleiter sowie ausgewählte China- und Asienwerte. Das eröffnet Chancen auf Outperformance, erhöht aber auch das idiosynkratische Risiko. Gerade Banken, Rohstoffwerte und chinesische Aktien können stark schwanken. Für Anleger heißt das: Der Fonds ist kein defensiver Mischfonds im klassischen Sinn, sondern eher ein chancenorientiertes, aktives Aktienmandat mit taktischen Absicherungs- und Liquiditätsbausteinen.
Auffällig ist außerdem die regionale und währungsseitige Exponierung. Neben Euro-Titeln bestehen erhebliche USD-, CAD- und HKD-Positionen beziehungsweise Kassenbestände. Das schafft zusätzliche Renditechancen, aber eben auch Währungsrisiken. Der Bericht nennt ausdrücklich, dass realisierte Verluste im Wesentlichen aus Devisenkassageschäften entstanden sind. Das ist aus Anlegersicht wichtig: Nicht nur die Aktienauswahl entscheidet über die Rendite, sondern auch die Währungsseite hat spürbaren Einfluss.
Positiv zu bewerten ist die relativ geringe Umschlagshäufigkeit. Im Geschäftsjahr wurden nur vier Positionen neu aufgebaut und fünf vollständig abgebaut. Das spricht für einen eher ruhigen, fundamental orientierten Investmentstil statt für hektisches Trading. Ein solcher Ansatz kann aus Anlegersicht sinnvoll sein, wenn die Titelauswahl überzeugt. Gleichzeitig zeigt die Liste der Verkäufe, dass das Management durchaus konsequent umschichtet, wenn die ursprüngliche Investmentthese nicht mehr trägt oder andere Chancen attraktiver erscheinen.
Der größte kritische Punkt des Berichts ist die Kostenbelastung. Die ausgewiesene Verwaltungsvergütung beträgt 3,55 Mio. Euro, davon allein 2,71 Mio. Euro performanceabhängig. Zusätzlich wird eine Performancevergütung von 9,15 % ausgewiesen. Die TER liegt bei 3,07 %, wobei Performance Fees darin typischerweise nicht vollständig abgebildet werden. Aus Anlegersicht ist das sehr hoch. Besonders deutlich wird die Belastung daran, dass der ordentliche Nettoertrag mit -3,02 Mio. Euro klar negativ war. Die laufenden Erträge aus Dividenden und Zinsen von zusammen rund 669.000 Euro reichten bei weitem nicht aus, um die Kostenbasis zu tragen. Der Fonds war 2025 also klar auf Kursgewinne angewiesen, um nach Kosten attraktiv zu bleiben.
Das ist der Kern der Anlegerbewertung: 2025 war ein sehr gutes Jahr für den Fonds, aber die Kostenquote frisst einen erheblichen Teil des wirtschaftlichen Erfolgs auf. Solange das Management starke Überrenditen erzielt, kann dieses Modell funktionieren. In durchschnittlichen oder schwachen Börsenjahren wird diese Gebührenstruktur jedoch schnell zu einem Nachteil. Für langfristige Anleger ist das wahrscheinlich der wichtigste Punkt des gesamten Berichts.
Ein weiterer Punkt ist die hohe sonstige Verbindlichkeit von 2,81 Mio. Euro zum Jahresende. Im Bericht wird erläutert, dass hierzu unter anderem noch nicht abgeführte Prüfungskosten, Veröffentlichungskosten, Verwahrstellenvergütung, Verwaltungsvergütung und insbesondere Performance Fee gehören. Aus Anlegersicht ist das keine akute Bilanzgefahr, aber ein klarer Hinweis darauf, wie stark die Gebühren den Fonds zum Stichtag belasten.
Zur Risikoseite passt auch, dass der Fonds formal keine Derivate für Exposure verwendet hat; das zugrunde liegende Derivate-Exposure beträgt 0,00 Euro. Das macht das Produkt transparenter als viele flexible Mischfonds. Die Risiken kommen hier also überwiegend aus den gehaltenen Aktien, Zertifikaten, Währungen und der aktiven Titelselektion, nicht aus komplexen Hebelstrukturen. Das ist grundsätzlich positiv.
Ebenfalls relevant ist der Wechsel der Verwaltung zum 01.01.2025 von Universal-Investment zu HANSAINVEST sowie der Wechsel der Verwahrstelle zu Donner & Reuschel. Das muss nicht negativ sein, ist aber aus Anlegersicht ein Punkt, den man beobachten sollte. Solche Veränderungen können Prozesse, Reporting und operative Abläufe beeinflussen, auch wenn der Bericht keine besonderen Probleme nennt.
Nachhaltigkeitsorientierte Anleger sollten beachten, dass der Fonds als Artikel-6-Produkt klassifiziert ist. Nachhaltigkeitsrisiken wurden bei den Investitionsentscheidungen im Berichtszeitraum nicht berücksichtigt. Wer gezielt ESG- oder Nachhaltigkeitskriterien erwartet, wird hier also nicht bedient.
Fazit aus Anlegersicht:
Der FSI Solid Invest Mandat VV hat 2025 eine sehr starke Rendite geliefert und dabei von einer aktiven, konzentrierten Aktienselektion profitiert. Das Portfolio wirkt chancenorientiert, fundamental geprägt und nicht übermäßig gehandelt. Die Beimischung von Gold und Liquidität verbessert die Flexibilität und kann in unsicheren Marktphasen stabilisierend wirken.
Der große Haken ist jedoch die Gebührenstruktur. Sie ist außergewöhnlich hoch und macht den Fonds stark davon abhängig, dass das Management regelmäßig deutliche Kursgewinne erzielt. Für Anleger ist der Fonds daher vor allem dann interessant, wenn sie an die Selektionsfähigkeit des Managements glauben und bereit sind, dafür hohe Gebühren sowie erhöhte Schwankungen in Kauf zu nehmen. Wer dagegen kostensensitiv investiert oder ein breiter diversifiziertes, planbareres Produkt sucht, dürfte den Fonds trotz der starken 2025er Zahlen kritisch sehen.
Kurzurteil:
Ein renditestarker, aber teurer aktiver Aktienfonds mit klar erkennbarem Stock-Picking-Charakter. Für chancenorientierte Anleger interessant, für kostenbewusste Langfristanleger nur mit deutlichen Vorbehalten.