Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht 2025 ein insgesamt überzeugendes Bild, allerdings mit einigen Punkten, die man nüchtern einordnen muss. Der Fonds profitiert erkennbar von einer klaren Aktienstrategie, einem fokussierten Portfolio und einem thematisch gut vermarktbaren Ansatz rund um Unternehmenskultur und Mitarbeiterzufriedenheit. Gleichzeitig bleibt er ein aktienlastiger, wachstumsorientierter und spürbar konzentrierter Fonds, der in schwächeren Marktphasen entsprechend anfällig sein kann.
1. Positives Gesamtbild bei der Wertentwicklung
Die Performance 2025 ist stark:
proud@work purpose: +13,37 %
proud@work pur: +17,25 %
proud@work classic: +16,97 %
Damit hat der Fonds in allen Anteilklassen ein sehr gutes Jahr abgeliefert. Besonders positiv ist, dass sich die Anteilwerte auch im Mehrjahresvergleich klar nach oben entwickelt haben. Das spricht für eine bislang funktionierende Titelselektion und eine insgesamt tragfähige Investmentidee. Auch das Fondsvolumen ist gestiegen auf 44,04 Mio. Euro, was ein Zeichen für Mittelzuflüsse und gestiegenes Anlegerinteresse ist.
2. Das Renditeprofil ist klar aktiengetrieben
Der Fonds ist zu 96,49 % in Aktien investiert, Bankguthaben machen nur rund 4,85 % aus. Das bedeutet: Die Wertentwicklung hängt fast vollständig von den Aktienmärkten ab. Für Anleger ist das attraktiv, solange Börsen und Unternehmensgewinne freundlich bleiben. In schwächeren Marktphasen gibt es aber kaum defensive Puffer.
Hinzu kommt, dass die Erträge im Wesentlichen nicht aus laufenden Ausschüttungen, sondern aus Kursgewinnen stammen. Die ordentlichen Nettoerträge der Anteilklassen waren sogar negativ. Die Jahresergebnisse kamen vor allem aus realisierten und nicht realisierten Gewinnen. Das ist typisch für wachstumsorientierte Aktienfonds, macht die Erträge aber stärker von Marktstimmung und Bewertung abhängig.
3. Portfolioaufbau: gute Qualität, aber keine breite Gleichverteilung
Der Fonds ist zwar international gestreut, aber nicht breit im Sinne einer sehr gleichmäßigen Risikoverteilung. Die Top-10-Positionen machen rund 41,3 % des Fondsvermögens aus. Das ist für einen Publikumsfonds bereits eine merkliche Konzentration. Läuft die Titelauswahl gut, ist das vorteilhaft. Bei Fehlgriffen einzelner Schwergewichte kann es aber die Performance spürbar belasten.
Auch sektorisch gibt es klare Schwerpunkte:
Technology: 26,6 %
Health Care: 15,7 %
Food, Beverage and Tobacco: 11,6 %
Das wirkt qualitativ durchaus solide, weil diese Bereiche oft strukturelles Wachstum, Preissetzungsmacht und robuste Geschäftsmodelle bieten. Gleichzeitig ist der Fonds damit aber stark auf Branchen fokussiert, die teils hohe Bewertungen und erhöhte Sensitivität gegenüber Zinsen, Konjunktur und Gewinnerwartungen haben.
4. Währungsrisiko ist erheblich
Ein wichtiger Punkt aus Anlegersicht ist die Währungsstruktur. Rund 52,1 % der Titel lauten auf US-Dollar, dazu kommen GBP, JPY und CHF. Der Euro-Anteil liegt nur bei 27,2 %. Damit ist der Fonds deutlich international geprägt, was grundsätzlich positiv ist. Für Euro-Anleger bedeutet das aber ein relevantes Fremdwährungsrisiko.
Wenn sich der US-Dollar oder andere Währungen gegenüber dem Euro abschwächen, kann das die Aktiengewinne teilweise aufzehren. Der Bericht erwähnt zwar, dass Währungsrisiken teilweise abgesichert werden können, tatsächlich wurden im Berichtszeitraum aber keine Derivate eingesetzt. Das heißt: Das Währungsrisiko war faktisch weitgehend offen.
5. Das Fondsmanagement wirkt aktiv und selektiv
Der Umschlag im Portfolio zeigt, dass tatsächlich aktiv gesteuert wurde. Es gab zahlreiche Zu- und Verkäufe, unter anderem bei SAP, Novo Nordisk, Snowflake, Monday.com oder Procter & Gamble. Neu beziehungsweise stärker vertreten sind unter anderem Werte wie Goldman Sachs, Micron, Coca-Cola HBC, AstraZeneca oder Banco Santander.
Das zeigt: Der Fonds ist kein passiver ESG-Mantel, sondern ein aktiv verwaltetes Aktienportfolio mit klarer Einzeltitelselektion. Für Anleger ist das positiv, wenn sie bewusst aktives Management suchen. Es erhöht aber zugleich das Manager-Risiko: Der Erfolg hängt stark davon ab, ob die Auswahl künftig weiter aufgeht.
6. ESG-Profil: vertriebsstark und sauber dokumentiert, aber nicht „dunkelgrün“
Der Fonds ist ein Artikel-8-Fonds nach Offenlegungsverordnung. Er bewirbt ökologische und soziale Merkmale, strebt aber keine nachhaltigen Investitionen im Sinne von Artikel 9 an. Ebenso liegt die EU-Taxonomiequote bei 0 %.
Das ist kein Mangel, sollte Anlegern aber klar sein: Der Fonds ist eher als ESG-integrierter Aktienfonds zu verstehen, nicht als streng nachhaltiges Impact-Produkt. Positiv ist, dass die ESG-Quote verbessert wurde: 89,87 % der Wertpapiere wiesen ein ISS-ESG-Rating von mindestens Prime-1 auf, nach 85,28 % im Vorjahr. Die Ausschlusskriterien sind umfangreich und wurden laut Bericht eingehalten.
Aus Investorensicht ist das solide, aber man sollte die ESG-Aussage nicht überdehnen. Der Kern des Fonds bleibt ein klassischer Aktienansatz, ergänzt um ESG-Filter und das Thema Arbeitgeberqualität.
7. Gebühren: hier liegt der wichtigste kritische Punkt
Der größte Schwachpunkt aus Anlegersicht liegt in der Kostenstruktur, vor allem bei proud@work purpose. Dort fällt eine performanceabhängige Vergütung von 4,98 % an, während eine TER von 0,00 % ausgewiesen wird. Formal mag das korrekt dargestellt sein, wirtschaftlich wirkt die Kostenbelastung dieser Klasse aber hoch und für Privatanleger nicht besonders attraktiv.
Die anderen Klassen wirken transparenter:
classic: TER 1,54 %
pur: TER 1,29 %
Hinzu kommt bei classic und pur ein Ausgabeaufschlag von 5 %, was für Neueinsteiger eine spürbare Einstiegshürde ist, sofern dieser tatsächlich erhoben wird und nicht rabattiert wird. Für Anleger ist deshalb entscheidend, welche Anteilklasse konkret gekauft wird. Die Nettorendite hängt hier stark von der Kostenebene ab.
8. Liquidität und operationelle Risiken erscheinen beherrschbar
Positiv ist, dass laut Bericht keine Liquiditätsprobleme bestanden. Das ist glaubwürdig, weil überwiegend große, international gehandelte Aktien im Portfolio liegen. Auch die operationellen Risiken wirken aus Berichtssicht angemessen kontrolliert. Die Verwahrung erfolgt über etablierte Stellen, die Prozesse werden intern überwacht, und der Fonds nutzt den einfachen Derivateansatz ohne zusätzliche Komplexität.
Der ausgewiesene Value-at-Risk von 2,75 % (1 Tag, 99 %) deutet auf ein marktübliches, aber nicht triviales Risikoprofil hin. Für einen fast vollständig investierten globalen Aktienfonds ist das nicht überraschend.
9. Für welchen Anlegertyp ist der Fonds interessant?
Der Fonds passt vor allem zu Anlegern, die:
langfristig in globale Qualitäts- und Wachstumsaktien investieren wollen,
einen aktiven Fonds statt ETF bevorzugen,
das Thema Unternehmenskultur / Great Place to Work überzeugend finden,
ESG berücksichtigen möchten, aber kein reines Impact-Produkt benötigen,
Kursschwankungen aushalten können.
Weniger geeignet ist er für Anleger, die:
niedrige Kosten priorisieren,
starke Diversifikation ohne Einzeltitelkonzentration wollen,
Währungsrisiken meiden möchten,
eher auf laufende Erträge statt auf Kurswachstum setzen.
Fazit aus Anlegersicht
Der proud@work-Fonds hat 2025 sehr ordentlich geliefert: starke Performance, wachsendes Fondsvolumen, internationales Qualitätsportfolio und ein klarer, nachvollziehbarer Investmentansatz. Besonders positiv ist, dass der Fonds nicht beliebig wirkt, sondern mit erkennbarem Profil geführt wird.
Die Kehrseite ist jedoch ebenso klar: hohe Aktienquote, deutliche Konzentration auf einzelne Titel und Sektoren, offene Währungsrisiken und je nach Anteilklasse spürbare Kosten. Aus Anlegersicht ist der Fonds daher interessant, aber nicht defensiv. Er eignet sich eher als chancenorientierte Beimischung in einem langfristigen Depot als als alleinige Kernanlage für vorsichtige Anleger.
Kurzurteil:
Attraktiver aktiver Aktienfonds mit starkem Jahr 2025 und überzeugendem Profil – aber nur für Anleger, die Schwankungen, Konzentrationsrisiken und die Kostenstruktur bewusst akzeptieren.