Die unscheinbaren Blutsauger werden zunehmend zur ernsten Gesundheitsgefahr: In Deutschland ist die Zahl der Todesfälle infolge von Zeckenstichen gestiegen. Nach aktuellen Angaben des Statistischen Bundesamtes verloren im Jahr 2024 insgesamt 24 Menschen ihr Leben an den Folgen von durch Zecken übertragenen Krankheiten – fünf mehr als im Jahr zuvor.
Tausende Klinikbehandlungen – Experten schlagen Alarm
Neben den Todesfällen zeigt auch die Zahl schwerer Krankheitsverläufe eine besorgniserregende Entwicklung. Rund 5.600 Menschen mussten im selben Zeitraum wegen Infektionen wie Borreliose oder FSME stationär im Krankenhaus behandelt werden.
Mediziner beobachten dabei nicht nur steigende Fallzahlen, sondern auch eine zunehmende geografische Ausbreitung. Regionen, die früher kaum betroffen waren, entwickeln sich zunehmend zu Risikogebieten.
Klimawandel als Treiber der Zeckenplage
Ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung ist der Klimawandel. Mildere Winter und längere warme Perioden sorgen dafür, dass Zecken:
- früher im Jahr aktiv werden
- länger überleben
- sich schneller vermehren
Dadurch verlängert sich die „Zeckensaison“ teilweise auf fast das gesamte Jahr. Gleichzeitig steigt die Wahrscheinlichkeit, mit infizierten Tieren oder Menschen in Kontakt zu kommen.
Unterschiedliche Risiken: Zwei Krankheiten, zwei Gefahren
Die beiden wichtigsten durch Zecken übertragenen Krankheiten unterscheiden sich grundlegend:
- Borreliose
Eine bakterielle Infektion, die häufig zunächst unbemerkt bleibt. Typisch ist die sogenannte Wanderröte. Ohne Behandlung kann es zu chronischen Beschwerden wie Gelenkentzündungen oder neurologischen Schäden kommen. Eine Impfung gibt es bislang nicht. - FSME
Eine virale Erkrankung, die das Gehirn und die Hirnhäute angreifen kann. Schwere Verläufe können zu bleibenden Schäden oder sogar zum Tod führen. Hier existiert eine wirksame Impfung.
Besonders gefährdet: Kinder, Senioren und Outdoor-Aktive
Risikogruppen sind vor allem:
- Menschen, die viel Zeit in der Natur verbringen (Spaziergänge, Gartenarbeit, Sport)
- Kinder, da sie häufig im Gras spielen
- ältere Menschen, bei denen Infektionen oft schwerer verlaufen
Auch Haustiere können Zecken einschleppen und so das Risiko im eigenen Zuhause erhöhen.
Prävention: Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung
Experten betonen, dass bereits einfache Schutzmaßnahmen entscheidend sein können:
- lange, helle Kleidung tragen (Zecken sind leichter sichtbar)
- Insektenschutzmittel verwenden
- nach Aufenthalten im Freien den Körper gründlich absuchen
- Zecken möglichst schnell entfernen
- FSME-Impfung in Risikogebieten in Betracht ziehen
Je schneller eine Zecke entdeckt und entfernt wird, desto geringer ist das Infektionsrisiko – insbesondere bei Borreliose.
Fazit: Eine unterschätzte Gefahr wächst
Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich: Zecken sind längst kein Randthema mehr. Mit steigenden Infektionszahlen, mehr schweren Krankheitsverläufen und zunehmenden Todesfällen entwickelt sich das Thema zu einer ernstzunehmenden Herausforderung für die öffentliche Gesundheit.
Aufklärung, Prävention und – wo möglich – Impfschutz sind entscheidend, um das Risiko zu begrenzen. Denn die größte Gefahr geht oft von den kleinsten Lebewesen aus.