Der Messenger-Dienst WhatsApp plant eine grundlegende Neuerung: Künftig sollen Nutzer auch ohne Telefonnummer erreichbar sein. Stattdessen können Kontakte über frei wählbare Benutzernamen gefunden und angeschrieben werden – ein Konzept, das viele bereits von Telegram oder Signal kennen.
Was zunächst wie ein großer Schritt in Richtung Datenschutz wirkt, wirft bei genauerem Hinsehen auch neue Fragen auf.
So funktioniert das neue Feature
In ersten Testversionen ist die Funktion bereits sichtbar. Der Rollout für alle Nutzer wird bis zum Sommer erwartet.
Die wichtigsten Regeln für den Nutzernamen:
- zwischen 3 und 35 Zeichen
- mindestens ein Buchstabe erforderlich
- erlaubt sind Kleinbuchstaben, Zahlen, Punkte und Unterstriche
- keine Webadressen wie „.de“ oder „www.“
Der Benutzername wird ähnlich wie der bisherige Anzeigename in den Einstellungen festgelegt – allerdings mit deutlich größerer Bedeutung für die Kontaktaufnahme.
Mehr Schutz der Telefonnummer – aber nicht automatisch mehr Sicherheit
Der größte Vorteil liegt auf der Hand:
Die eigene Telefonnummer muss künftig nicht mehr mit fremden Personen geteilt werden – etwa bei Kleinanzeigen, in Gruppen oder bei neuen Kontakten.
Doch genau hier beginnt auch die Problematik:
Wer denselben Nutzernamen nutzt wie auf Plattformen wie Instagram oder Facebook, könnte leichter auffindbar werden als zuvor. Statt mehr Anonymität entsteht im schlimmsten Fall eine bessere Nachverfolgbarkeit über mehrere Plattformen hinweg.
Warnung vor digitaler Vernetzung von Identitäten
Sicherheitsbehörden weisen darauf hin, dass identische Nutzernamen ein Risiko darstellen können. Angreifer haben dadurch die Möglichkeit:
- Profile über verschiedene Plattformen hinweg zu verknüpfen
- persönliche Daten zusammenzuführen
- gezielt Social-Engineering-Angriffe vorzubereiten
Ein individueller, plattform-spezifischer Nutzername kann daher ein wichtiger Schutzfaktor sein.
Strategie von Meta Platforms: Mehr Vernetzung, mehr Daten
Hinter der Neuerung steckt auch ein klarer strategischer Ansatz des Mutterkonzerns Meta Platforms.
Durch einheitliche Nutzernamen wird es einfacher, Nutzer:
- plattformübergreifend zu identifizieren
- zwischen Diensten zu verknüpfen
- stärker im eigenen Ökosystem zu halten
Für Meta bedeutet das vor allem: mehr Interaktion, mehr Daten und engere Nutzerbindung.
Worauf Nutzer jetzt achten sollten
Wer die neue Funktion nutzt, sollte einige Punkte beachten:
- nicht denselben Nutzernamen überall verwenden
- keine Rückschlüsse auf echte Identität (Name, Geburtsjahr etc.) zulassen
- Privatsphäre-Einstellungen regelmäßig prüfen
- vorsichtig mit unbekannten Kontaktanfragen umgehen
Fazit: Fortschritt mit Schattenseiten
Die Einführung von Nutzernamen bei WhatsApp ist ein längst überfälliger Schritt – insbesondere beim Schutz der Telefonnummer.
Doch echte Privatsphäre entsteht nicht automatisch. Wer unbedacht handelt, könnte sich sogar leichter auffindbar machen als zuvor.