Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht 2025 ein gemischtes, insgesamt aber nachvollziehbares Bild: Der Fonds hat mit +7,13 % im Geschäftsjahr eine ordentliche positive Wertentwicklung erzielt und den Anteilwert von 61,05 Euro auf 65,40 Euro gesteigert. Gleichzeitig bleibt der Fonds jedoch klar ein offensiv ausgerichtetes, kostenintensives und stark aktienlastiges Dachfondsprodukt, das eher für risikobereite Anleger geeignet ist als für vorsichtige Investoren.
Positiv ist zunächst, dass das Fondsmanagement seiner Strategie treu geblieben ist. Der Fonds investiert überwiegend in Aktien-, Misch- und Rentenfonds, tatsächlich liegt die Struktur zum 31.12.2025 aber sehr klar auf Wachstum: 80,47 % in Investmentanteilen, dazu 9,55 % in Xetra-Gold und 10,54 % Liquidität. Insgesamt sind damit rund 90 % des Fondsvermögens im Wertpapierbereich investiert. Für einen Fonds mit dem Zusatz „dynamic“ ist das stimmig. Der hohe Aktienbezug erklärt auch, warum der Fonds 2025 von positiven Marktphasen profitieren konnte.
Auffällig ist die breite Streuung über verschiedene Zielfonds und Themen. Größere Positionen liegen unter anderem in Threadneedle Global Select, ACMBernstein Global Core Equity, Perspektive Global Equity, T. Rowe Price Global Focused Growth, ACATIS Aktien Global sowie Technologie- und Spezialthemen wie BIT Global Technology Leaders, BGF Next Generation Technology, Nasdaq-100 oder Goldfonds. Diese Mischung deutet auf einen klaren Schwerpunkt in globalen Wachstums- und Qualitätsaktien hin, ergänzt um Satelliten in Technologie, Frontier Markets, Indien, China, Gold und Private Equity. Das erhöht die Chancen, macht das Portfolio aber auch anfällig für Marktstimmungswechsel, insbesondere in Wachstumssegmenten.
Gerade aus Anlegersicht ist wichtig: Der Fonds ist zwar formal breit diversifiziert, aber die Risikotreiber sind inhaltlich recht ähnlich. Viele Zielfonds investieren in internationale Aktien mit Qualitäts-, Wachstums- oder Technologiefokus. Das sieht auf den ersten Blick breit aus, ist aber nicht automatisch defensiv. In schwächeren Börsenphasen könnten mehrere Bausteine gleichzeitig unter Druck geraten. Dazu kommen Währungsrisiken, da etliche Fonds global bzw. in USD investieren, sowie Liquiditätsrisiken auf Zielfondsebene, die im Bericht auch ausdrücklich genannt werden.
Ein Pluspunkt ist die Beimischung von Xetra-Gold mit 9,55 %. Diese Position kann in geopolitisch unsicheren Phasen stabilisierend wirken und das Portfolio teilweise gegen Aktienmarktschwäche absichern. Ebenso ist die vergleichsweise hohe Liquiditätsquote von 10,54 % bemerkenswert. Das schafft Flexibilität, bremst in stark steigenden Märkten aber auch etwas die Rendite. Für 2025 wirkte diese Mischung offenbar vernünftig.
Weniger überzeugend ist die Kostenstruktur. Die ausgewiesene Total Expense Ratio von 2,95 % ist hoch. Hinzu kommt eine performanceabhängige Vergütung von 0,22 %. Für einen Dachfonds ist ein Teil davon erklärbar, weil neben den Kosten des Fonds auch die laufenden Kosten der Zielfonds einfließen. Trotzdem ist das aus Investorensicht ein zentraler Kritikpunkt. Eine Rendite von 7,13 % ist ordentlich, aber nach fast 3 % laufender Kostenbelastung stellt sich die Frage, wie stark die Bruttowertentwicklung tatsächlich war und ob günstigere Multi-Asset- oder ETF-Lösungen langfristig nicht effizienter wären. Gerade bei einem Fonds, der selbst wieder in andere Fonds investiert, muss der Mehrwert der Selektion dauerhaft klar erkennbar sein.
Die Ertragsrechnung zeigt ebenfalls, dass die Performance nicht aus laufenden Erträgen, sondern vor allem aus Kursgewinnen kam. Die ordentlichen Erträge lagen nur bei 9.210,57 Euro, den Aufwendungen von 87.275,49 Euro stand also ein negativer ordentlicher Nettoertrag von -78.064,92 Euro gegenüber. Das positive Jahresergebnis von 261.870,63 Euro wurde im Wesentlichen durch realisierte Gewinne aus Verkäufen sowie durch nicht realisierte Wertsteigerungen erzielt. Das ist typisch für wachstumsorientierte Aktienfonds, bedeutet aber auch: Die Ertragskraft hängt stark am Kapitalmarktumfeld und weniger an stabilen laufenden Ausschüttungen.
Positiv zu werten ist, dass das Fondsvermögen trotz Netto-Mittelabfluss von rund 97.898 Euro auf 4,02 Mio. Euro gestiegen ist. Das Wachstum kam also aus der Wertentwicklung, nicht aus Zuflüssen. Das spricht dafür, dass das Portfolio 2025 tatsächlich Mehrwert geschaffen hat. Allerdings ist das Fondsvolumen insgesamt noch relativ klein. Ein kleiner Fonds kann flexibler sein, zugleich aber auch betriebswirtschaftlich anfälliger, falls über längere Zeit Mittel abfließen sollten.
Ebenfalls erwähnenswert: Der Fonds nutzt keine Derivate, das Exposure aus Derivaten beträgt 0,00 Euro. Das macht die Struktur transparenter und vermeidet zusätzliche Komplexität. Das ausgewiesene Leverage von 0,96 ist entsprechend unauffällig. Für Anleger ist das ein Plus, weil die Risikostruktur eher aus den Fondsbausteinen selbst resultiert als aus Hebelstrategien.
Kritisch sehen kann man aus heutiger Investorensicht auch den Hinweis zur Nachhaltigkeit: Nachhaltigkeitsrisiken wurden bei den Investitionsentscheidungen nicht berücksichtigt, der Fonds ist als Artikel-6-Produkt eingestuft. Für Anleger, denen ESG-Aspekte wichtig sind, ist das klar ein Nachteil. Für rein renditeorientierte Anleger ist es dagegen eher neutral.
Unterm Strich ist der ALPHA TOP SELECT dynamic ein Fonds für Anleger, die bewusst ein aktiv zusammengestelltes, chancenorientiertes Dachfondsportfolio suchen und bereit sind, dafür höhere Kosten und höhere Schwankungen zu akzeptieren. Die Entwicklung 2025 war positiv, das Portfolio wirkt professionell aufgebaut und nicht spekulativ im engeren Sinn. Trotzdem sollte man die Strategie nicht mit einem ausgewogenen Vermögensfonds verwechseln: Der Fonds ist klar auf Wachstum ausgerichtet, thematisch teils ambitioniert und in seiner Kostenstruktur anspruchsvoll.
Fazit aus Anlegersicht:
Der Fonds hat 2025 geliefert, aber nicht günstig. Wer an aktive Fondsauswahl glaubt und ein offensives Portfolio mit Technologie-, Qualitäts- und Global-Aktien-Schwerpunkt sucht, findet hier ein stimmiges Produkt. Wer dagegen vor allem auf Kostenkontrolle, einfache Transparenz und langfristige Nettoeffizienz achtet, dürfte die hohe TER als wesentliches Gegenargument sehen.