Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht 2025 ein recht klares Bild: terra.point ist ein offensiv ausgerichteter Aktienfonds, der konsequent auf langfristiges Kapitalwachstum setzt und dafür bewusst hohe Aktienquoten sowie klare Schwerpunkte in Nordamerika, Technologie und US-Dollar in Kauf nimmt. Das macht den Fonds chancenreich, aber zugleich deutlich schwankungsanfällig.
Im Geschäftsjahr 2025 fiel das Ergebnis enttäuschend aus. Der Fonds erzielte einen Wertverlust von -6,0 % nach BVI-Methode, während das Fondsvermögen von 55,14 Mio. EUR auf 50,84 Mio. EUR zurückging. Der Anteilwert sank von 192,59 EUR auf 181,03 EUR. Positiv ist dabei, dass der Rückgang nicht nur auf Mittelabflüsse zurückzuführen war, sondern transparent im Bericht erklärt wird: Zwar wurden realisierte Gewinne von 7,15 Mio. EUR erzielt, ihnen standen jedoch deutlich negative Veränderungen bei den nicht realisierten Gewinnen gegenüber. Das bedeutet: Ein großer Teil der Belastung entstand durch Bewertungsrückgänge im Bestand, nicht durch strukturell schwache Verkaufsergebnisse allein.
Die Portfoliostruktur unterstreicht den offensiven Charakter. Zum Jahresende waren 92,3 % des Fondsvermögens in Aktien investiert, weitere 6,6 % in Aktien-ETFs. Die Liquiditätsquote war mit gut 1 % sehr niedrig. Für Anleger heißt das: Der Fonds bleibt nahezu vollständig im Markt investiert und hält kaum Sicherheitsreserven für schwächere Börsenphasen vor. Das kann in Aufwärtsphasen attraktiv sein, verstärkt aber in Korrekturen die Ausschläge.
Auffällig ist die regionale Konzentration auf Nordamerika. Rund 61,0 % des Aktienvermögens lagen dort, während die Euroländer auf 30,3 % kamen. Hinzu kommt eine sehr hohe Fremdwährungsquote von 70,8 %, davon allein 65,1 % in US-Dollar. Aus Anlegersicht ist das ein zentraler Punkt: Man investiert hier nicht nur in Aktienrisiko, sondern in erheblichem Maße auch in US-Dollar-Risiko. Wenn der Dollar gegenüber dem Euro schwächer wird, kann dies die Fondsrendite zusätzlich belasten, selbst wenn sich die zugrunde liegenden Aktien operativ gut entwickeln.
Noch stärker ins Auge fällt die Sektorengewichtung. Die IT-Branche macht 41,7 % des Aktienportfolios aus. Dahinter folgen Verbrauchsgüter mit 17,0 %, Gesundheit/Pharma mit 16,2 %, Industrie mit 11,4 % und Versorger mit 6,8 %. Der Fonds ist damit zwar nicht formal auf einen Stil festgelegt, faktisch aber klar in Richtung qualitätsorientierter Wachstums- und Marktführer-Titel positioniert. Große Positionen wie Alphabet, Microsoft, Nvidia, ASML, Amazon, Apple, Oracle und Applied Materials bestätigen das. Das Portfolio ist qualitativ hochwertig besetzt, aber auch stark davon abhängig, dass gerade große Technologie- und Plattformunternehmen ihre hohen Erwartungen weiter erfüllen.
Positiv zu bewerten ist, dass der Fonds nicht spekulativ konstruiert wirkt. Es gibt keinen Derivateeinsatz, keine Wertpapierleihe und überwiegend großkapitalisierte, liquide Titel. Das reduziert Komplexitäts- und Liquiditätsrisiken. Auch die Einzeltitelauswahl erscheint überwiegend solide und nachvollziehbar. Dass Nvidia laut Bericht den größten realisierten Gewinnbeitrag lieferte, zeigt, dass das Management Gewinner durchaus nutzt. Gleichzeitig weist der Bericht mit West Pharmaceutical Services auch klar auf Fehlentwicklungen hin. Das spricht für Transparenz.
Kritischer ist aus Investorensicht die Frage nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis. Die TER von 1,57 % ist für einen Fonds mit vielen großen Standardwerten und ergänzenden ETFs nicht niedrig. Gerade weil ein Teil der Allokation über günstige ETFs abgebildet wird, wird sich ein Anleger fragen, ob die aktive Steuerung langfristig genügend Mehrwert liefert, um diese Kosten zu rechtfertigen. Im Jahr 2025 war das jedenfalls nicht der Fall. Ein aktiver Fonds darf schwächere Jahre haben, aber bei einer solchen Gebührenbasis muss mittelfristig eine erkennbare Outperformance oder ein überzeugendes Risikomanagement sichtbar werden.
Ebenfalls relevant ist die Mittelentwicklung. Netto flossen im Jahr 1,11 Mio. EUR ab. Das ist im Verhältnis zur Fondsgröße nicht dramatisch, aber auch kein Vertrauensbeweis des Marktes. Gleichzeitig blieb das Fondsvermögen mit gut 50 Mio. EUR groß genug, um operativ stabil zu wirken; aus Größensicht besteht also kein unmittelbarer Druck.
Ein weiterer Punkt ist die Ausschüttungslogik beziehungsweise Wiederanlage. Die für die Wiederanlage verfügbaren Erträge von 4,40 Mio. EUR wurden vollständig thesauriert. Für langfristig orientierte Anleger ist das grundsätzlich positiv, weil Erträge im Fonds verbleiben und weiterarbeiten können. Wer jedoch laufende Ausschüttungen sucht, dürfte diesen Fonds weniger attraktiv finden.
Bei der Nachhaltigkeit ist der Fonds klar ein klassisches Produkt ohne ESG-Fokus. Er ist als Artikel-6-Fonds eingeordnet; ökologische EU-Kriterien werden nicht berücksichtigt. Für Anleger, denen Nachhaltigkeitsmerkmale wichtig sind, ist das ein klarer Nachteil. Für andere Investoren kann es neutral sein, weil das Management dadurch theoretisch freier investieren kann.
Unterm Strich ist terra.point aus Anlegersicht ein chancenorientierter, aber keineswegs defensiver Aktienfonds. Seine Stärken liegen in einem klaren Wachstumsfokus, hochwertigen Einzeltiteln, hoher Liquidität der Anlagen und einer transparenten Berichterstattung. Seine Schwächen liegen in der hohen Konzentration auf US-Technologie, der starken Dollarabhängigkeit, der nahezu vollständigen Aktienquote und den vergleichsweise hohen laufenden Kosten.
Fazit:
Für Anleger, die an langfristiges Wachstum durch globale Qualitäts- und Technologiewerte glauben und zwischenzeitliche Rückschläge aushalten können, bleibt der Fonds grundsätzlich interessant. Wer dagegen breitere Diversifikation, geringere Währungsrisiken, defensivere Steuerung oder niedrigere Kosten sucht, dürfte kritisch auf dieses Produkt blicken. Das Jahr 2025 hat gezeigt, dass die Strategie in schwächeren Marktphasen deutlich unter Druck geraten kann. Entscheidend wird daher sein, ob das Fondsmanagement seine Schwerpunktsetzung künftig nicht nur in guten Börsenjahren, sondern auch relativ gegenüber Alternativen überzeugend rechtfertigen kann.