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HI-EM Credits Short Term-Fonds 2024/2025: Solide Erträge, aber kein defensiver Kurzläufer im klassischen Sinn

geralt (CC0), Pixabay

Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht ein insgesamt starkes Geschäftsjahr, allerdings mit einem klaren Hinweis: Der Fonds heißt zwar „Short Term“, ist aber in seinem tatsächlichen Risikoprofil kein klassischer ultrakurzer Kurzläuferfonds, sondern ein renditeorientierter Emerging-Markets-Rentenfonds mit spürbaren Kredit-, Länder- und Bewertungsrisiken.

Die Wertentwicklung von 6,77 % im Geschäftsjahr 2024/2025 ist auf den ersten Blick überzeugend. Sie liegt zwar unter dem sehr starken Vorjahreswert von 11,21 %, ist für ein Rentenprodukt aber weiterhin attraktiv. Positiv ist zudem, dass das Fondsvolumen von 204,9 Mio. Euro auf 224,6 Mio. Euro gestiegen ist. Auch der Anteilwert erhöhte sich von 46,79 Euro auf 47,65 Euro. Das spricht dafür, dass der Fonds im Markt weiter angenommen wird und Anleger dem Management grundsätzlich Vertrauen schenken.

Besonders stark wirkt die laufende Ertragsbasis. Der Fonds erzielte 12,59 Mio. Euro Erträge, davon vor allem 11,32 Mio. Euro Zinsen aus ausländischen Wertpapieren. Der ordentliche Nettoertrag lag bei 11,41 Mio. Euro. Das ist für Investoren ein gutes Zeichen, weil ein großer Teil der Ertragskraft nicht nur aus Kursbewegungen, sondern aus dem laufenden Zinsniveau kommt. In einem EM-Kreditfonds ist das ein wichtiger Stabilitätsfaktor.

Hinzu kommt, dass das Management im Berichtsjahr auch auf Transaktionsebene Mehrwert erzielt hat: Das realisierte Ergebnis belief sich auf 16,07 Mio. Euro, während das nicht realisierte Ergebnis mit -1,45 Mio. Euro negativ war. Das bedeutet: Der Jahreserfolg wurde hauptsächlich durch vereinnahmte Zinsen und realisierte Gewinne getragen, nicht bloß durch Buchwertanstiege. Das ist aus Investorensicht eher positiv zu werten, weil es die Qualität des Ergebnisses verbessert.

Allerdings liegt genau hier auch der erste wichtige Risikohinweis. Der Fonds investiert laut Strategie über das gesamte Ratingspektrum, also ausdrücklich auch unterhalb des Investment-Grade-Bereichs. Das sieht man im Portfolio deutlich. Viele Anleihen tragen hohe Kupons, was zwar die Rendite erhöht, aber eben auch das Ausfallrisiko. Im Bestand finden sich neben soliden Emittenten auch problematische oder bereits massiv abgeschriebene Positionen, etwa aus dem chinesischen Immobiliensektor wie Country Garden, Shimao, Sunac, Zhenro oder Evergrande, die teilweise nur noch zu Minimalwerten geführt werden. Auch russische Restpositionen sind noch vorhanden, wenn auch klein. Diese Titel belasten das Portfolio derzeit zwar nicht dominant, zeigen aber klar: Der Fonds nimmt bewusst Sondersituationen und Restrukturierungsrisiken in Kauf.

Ein zweiter zentraler Punkt ist die Laufzeitenstruktur. Trotz des Fondsnamens liegt die durchschnittliche Restlaufzeit bei 5,72 Jahren. Zudem entfallen nur 2,42 % des Portfolios auf Anleihen mit weniger als einem Jahr Restlaufzeit, während ein erheblicher Teil in Papieren mit 3 bis 10 Jahren oder sogar über 10 Jahren investiert ist. Für Anleger ist das wichtig, weil hieraus ein spürbares Zinsänderungsrisiko resultiert. Der Fonds ist also eher „short term“ im Vergleich zu klassischen EM-Benchmark-Indizes oder über die Kreditstruktur gedacht, aber nicht im Sinne eines geldmarktnahen Produkts.

Positiv ist dagegen das Währungsmanagement. Zwar waren 46,18 % der Wertpapiere in US-Dollar denominiert, die offene Fremdwährungsquote lag aber nur bei 0,21 %, da der USD-Anteil weitgehend abgesichert wurde. Für Euro-Anleger reduziert das die Schwankungen deutlich. Allerdings kostet Absicherung Geld, was sich indirekt im Derivateergebnis und in den laufenden Kosten niederschlagen kann.

Die Liquiditätsquote von 14,27 % Bankguthaben ist auffallend hoch. Das kann man aus zwei Richtungen interpretieren: Einerseits verbessert es die Flexibilität und schützt in volatilen Marktphasen. Andererseits verwässert eine hohe Kasse in guten Marktphasen potenziell die Rendite. Im aktuellen Kontext wirkt diese Reserve aber eher vernünftig, weil EM-Kreditmärkte schnell illiquide werden können.

Die Portfoliostruktur ist breit, aber eindeutig renditeorientiert. Rund 83,57 % des Fondsvermögens sind in Anleihen investiert. Davon entfallen innerhalb des Rentenbestands etwa 59,90 % auf Unternehmensanleihen und 21,42 % auf Staatsanleihen. Das bedeutet: Der Fonds ist primär ein EM-Credit-Produkt, nicht primär ein Staatsanleihenfonds. Unternehmensanleihen liefern höhere Kupons, machen den Fonds aber auch stärker abhängig von Bonität, Refinanzierungsfähigkeit und Marktliquidität einzelner Emittenten.

Die durchschnittliche Rendite des Fondsportfolios von 5,57 % bei einem durchschnittlichen Kupon von 6,06 % ist attraktiv, aber sie ist nicht kostenlos zu haben. Anleger kaufen hier bewusst Risiko ein: Schwellenländer, Unternehmenskredite, teils High Yield, teils Restrukturierungsfälle. Dafür erscheint die Gesamtkostenquote von 0,54 % fair. Für einen aktiv gemanagten spezialisierten EM-Rentenfonds ist das kein überhöhter Wert.

Ein weiterer positiver Punkt ist die Ausschüttungspolitik. Die Gesamtausschüttung von 10,93 Mio. Euro bzw. 2,32 Euro je Anteil ist substanziell. Für einkommensorientierte Anleger kann das ein Argument sein. Gleichzeitig wurden 21,66 Mio. Euro der Wiederanlage zugeführt, was zeigt, dass das Ergebnis nicht vollständig ausgeschüttet wurde und Substanz im Fonds verbleibt.

Beim Risikomanagement fällt auf, dass der Fonds Derivate vor allem zur Währungsabsicherung nutzt. Das Derivateexposure selbst ist mit -1,18 % des Fondsvermögens begrenzt sichtbar, der durchschnittliche Leverage von 145,8 % wirkt auf den ersten Blick hoch, ist bei Absicherungsgeschäften aber nicht automatisch problematisch. Der ausgewiesene VaR zwischen 0,89 % und 1,21 % deutet darauf hin, dass das tägliche Marktrisiko modellseitig kontrolliert erscheint. Dennoch sollte man sich davon nicht täuschen lassen: In Stressphasen von EM-Kreditmärkten können Liquiditäts- und Spreadrisiken stärker ausfallen als historische VaR-Modelle suggerieren.

Unterm Strich ist der Fonds aus Anlegersicht interessant für Investoren, die laufende Erträge suchen und dafür bewusst Schwellenländer-Kreditrisiken akzeptieren. Er überzeugt durch solide Ertragskraft, professionelles Währungsmanagement, moderates Kostenniveau und eine gute Jahresperformance. Gleichzeitig ist er kein sicherer Parkplatz und auch kein konservativer Kurzläuferfonds im üblichen Sinn. Die durchschnittliche Laufzeit ist dafür zu lang, der Kreditmix zu ambitioniert und die Einzeltitelrisiken zu sichtbar.

Fazit:
Der HI-EM Credits Short Term-Fonds ist ein chancenorientierter EM-Rentenfonds mit attraktivem laufendem Ertrag, der 2024/2025 insgesamt erfolgreich gesteuert wurde. Für risikobewusste Anleger mit Renditefokus kann er eine sinnvolle Beimischung sein. Für sicherheitsorientierte Investoren oder Anleger, die unter „Short Term“ ein sehr defensives Zinsprodukt erwarten, ist der Fonds hingegen nur eingeschränkt geeignet.

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