Ein schwerer Korruptionsskandal hat zur vorübergehenden Schließung einer zentralen Außenstelle der US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA (Drug Enforcement Administration) in der Dominikanischen Republik geführt. Nur einen Tag nachdem die US-Regierung die ungewöhnliche Maßnahme bekannt gegeben hatte, wurde ein ranghoher DEA-Beamter wegen mutmaßlichen Visa-Betrugs und Bestechlichkeit angeklagt.
US-Botschafterin Leah F. Campos erklärte am Donnerstag in sozialen Netzwerken, sie habe die DEA-Niederlassung in Santo Domingo geschlossen. Es sei „widerwärtig und beschämend“, das öffentliche Vertrauen für persönliche Vorteile zu missbrauchen. Weiter betonte sie, dass sie „nicht einmal den Anschein von Korruption“ innerhalb der von ihr geführten Botschaft dulden werde.
Im Zentrum der Ermittlungen steht der leitende Sonderermittler Meliton Cordero, der laut Angaben des US-Justizministeriums sechs Jahre lang an der US-Botschaft in der Dominikanischen Republik tätig war. Cordero wurde am Donnerstag festgenommen. Ihm wird Verschwörung zur Bestechung sowie Visa-Betrug vorgeworfen. Zwar beantragten die Staatsanwälte keine Untersuchungshaft, doch musste Cordero seinen Reisepass abgeben.
Nach Angaben der Ermittler soll Cordero über mehrere Jahre hinweg Tausende Dollar angenommen haben, um ausländischen Staatsangehörigen bei der Beantragung von Nicht-Einwanderungsvisa für die USA zu helfen. Insgesamt habe er mindestens 119 Visaanträge beschleunigt bearbeitet. Mindestens einer dieser Anträge soll betrügerisch gewesen sein. Darüber hinaus habe er Antragsteller gezielt auf ihre Interviews mit US-Konsularbeamten vorbereitet, um deren Erfolgschancen zu erhöhen.
Die konkreten Anklagedokumente sind bislang nicht öffentlich zugänglich. Dennoch sorgt der Fall bereits jetzt für erhebliche politische und sicherheitspolitische Spannungen.
Die DEA-Außenstelle in Santo Domingo gilt als wichtiger strategischer Standort im Kampf gegen den internationalen Drogenhandel. Die Karibik ist eine zentrale Transitroute für Kokainlieferungen aus Südamerika, die über die Region in die USA und nach Europa gelangen. Eine Schließung dieser Einrichtung könnte daher die Anti-Drogen-Operationen der Vereinigten Staaten empfindlich beeinträchtigen.
Gerade unter der aktuellen US-Regierung genießt die Bekämpfung des Drogenhandels in der Region hohe Priorität. Die Dominikanische Republik arbeitet eng mit den USA zusammen und hat dem US-Verteidigungsministerium erlaubt, militärische Einrichtungen für Einsätze gegen mutmaßliche Drogenschmuggler zu nutzen. Dazu zählen auch Militärschläge gegen verdächtige Boote in der Karibik und im Pazifik.
In einer Stellungnahme auf der Plattform X betonte die US-Botschaft, die Schließung der DEA-Niederlassung sei vorübergehend und diene ausschließlich internen Ermittlungen. Die Zusammenarbeit mit den dominikanischen Behörden werde unverändert und mit „derselben Entschlossenheit“ fortgeführt.
Der Fall wirft jedoch ein Schlaglicht auf die Herausforderungen im internationalen Kampf gegen Drogenkriminalität – und darauf, wie anfällig selbst zentrale Institutionen für Korruption sein können.