Ein Brand in der Ñico-López-Ölraffinerie in Havanna hat die ohnehin angespannte Versorgungslage auf Kuba weiter in den Fokus gerückt. Dichter schwarzer Rauch stieg am Freitag über der kubanischen Hauptstadt auf, nachdem es in der Anlage zu einem Feuer gekommen war. Nach Angaben des Energieministeriums konnte der Brand jedoch rasch unter Kontrolle gebracht werden. Verletzte habe es nicht gegeben, die Ursachen würden derzeit untersucht.
Die Raffinerie liegt in unmittelbarer Nähe zur Bucht von Havanna, wo zum Zeitpunkt des Vorfalls auch zwei Öltanker vor Anker lagen. Behörden betonten, dass keine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung bestanden habe. Dennoch sorgten die Bilder der Rauchwolken für große Besorgnis in einem Land, das seit Monaten mit einer sich zuspitzenden Treibstoffkrise kämpft.
Hintergrund der angespannten Lage sind vor allem verschärfte US-Maßnahmen gegen Venezuelas Ölsektor. Venezuela galt lange als wichtigster Energielieferant Kubas und soll Berichten zufolge täglich rund 35.000 Barrel Rohöl auf die Insel geliefert haben. Nach einem Zugriff der US-Regierung auf die venezolanische Führung Anfang Januar sowie der Beschlagnahmung mehrerer Tanker brachen diese Lieferungen weitgehend weg. Zudem kündigte Washington zusätzliche Zölle für Länder an, die weiterhin Öl nach Kuba exportieren.
US-Präsident Donald Trump forderte die kubanische Führung öffentlich dazu auf, „einen Deal zu machen“, andernfalls müsse sie mit weiteren Konsequenzen rechnen. Die seit 1960 bestehenden Wirtschafts- und Handelsbeschränkungen gegen Kuba wurden in den vergangenen Jahren immer wieder verschärft. Internationale Kritik an dieser Politik wächst: UN-Menschenrechtsexperten bezeichneten die Einschränkungen der Öllieferungen als „extreme Form einseitiger wirtschaftlicher Zwangsmaßnahmen“. Auch UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk zeigte sich „äußerst besorgt“ über die humanitären Auswirkungen.
Die Folgen der Energieknappheit sind im Alltag der Kubaner deutlich spürbar. Stromabschaltungen treffen Krankenhäuser, Dialysestationen und Wasserpumpwerke. Öffentliche Dienstleistungen wurden eingeschränkt, der öffentliche Nahverkehr reduziert. Zudem fehlt es an Kerosin, was mehrere Fluggesellschaften dazu veranlasste, ihre Verbindungen nach Kuba auszusetzen. Einige Länder, darunter das Vereinigte Königreich, rieten zuletzt von nicht notwendigen Reisen auf die Insel ab.
Um den akuten Engpass zu lindern, trafen am Donnerstag zwei mexikanische Schiffe mit rund 800 Tonnen humanitärer Hilfsgüter in der Bucht von Havanna ein. Ob diese Unterstützung jedoch ausreicht, um die strukturellen Probleme der Energieversorgung zu lösen, bleibt fraglich. Der Brand in der Raffinerie mag schnell gelöscht worden sein – die zugrunde liegende Krise dürfte Kuba jedoch noch länger beschäftigen.