Wenn politische Intrigen auf Netflix-Niveau plötzlich aus echten Akten tropfen, weiß man: Es ist wieder Epstein-Zeit. Und diesmal mittendrin: Steve Bannon, Ex-Chefstratege von Donald Trump, Hobby-Revolutionär und erklärter Freund dramatischer Weltumstürze. Laut neu veröffentlichten Dokumenten soll Bannon nichts Geringeres geplant haben als: den Papst zu stürzen. Mit göttlichem Beistand? Nein. Mit Jeffrey Epstein.
In einer Nachricht vom 18. Juni 2019 soll Bannon an den bereits verurteilten Sexualstraftäter geschrieben haben: „Will take down Francis.“ Also sinngemäß: „Franziskus muss weg.“ In derselben Atembewegung setzte er den Pontifex auf eine Liste mit den Clintons, Chinas Staatschef Xi und der EU. Ein geopolitisches Quartett, bei dem man nicht weiß, ob es nach Verschwörungsthriller oder schlechter WhatsApp-Gruppe klingt.
Der Plan? Offenbar ein medialer Kreuzzug. Bannon wollte das Enthüllungsbuch „In the Closet of the Vatican“ verfilmen – ein Werk über Macht, Doppelmoral und geheime Netzwerke im Vatikan. Als Executive Producer im Gespräch: Jeffrey Epstein. Ja, genau der. Hollywood trifft Hochaltar.
Umgesetzt wurde das Projekt nie. Vielleicht fehlte das Studio. Vielleicht der Heilige Geist. Vielleicht auch nur ein Mindestmaß an Realitätsprüfung. Autor Frédéric Martel erklärte später, Bannon habe das Buch politisch instrumentalisieren wollen – was in etwa so überraschend ist wie Weihrauch im Petersdom.
Dass Papst Franziskus bei Bannon seit Jahren auf der roten Liste stand, ist kein Geheimnis. Der Pontifex predigt Nächstenliebe, warnt vor Nationalismus und spricht über Migration. Bannon hingegen wirbt für „Souveränismus“, Nationalpopulismus und eine neue rechte Internationale – notfalls mit römischem Außenbüro von „Breitbart“. 2018 nannte er Franziskus „verachtenswert“. Diplomatie war noch nie seine Lieblingsdisziplin.
Bleibt die Frage: Wie genau stellt man sich eigentlich einen Papststurz vor? Per Wahlkampfplakat auf dem Petersplatz? Mit einem Podcast aus dem Beichtstuhl? Oder doch mit einem Blockbuster, produziert von einem der berüchtigtsten Namen der jüngeren US-Justizgeschichte?
Fest steht: Zwischen Weißem Haus, Vatikan und Gefängniszelle entstehen manchmal Allianzen, die selbst Drehbuchautoren ablehnen würden. Und während Franziskus weiter predigt, bleibt von Bannons angeblicher Mission vor allem eines: viel Rauch – aber kein neuer Papst.