Während die USA und der Iran erneut über ein mögliches Atomabkommen verhandeln, droht eine zusätzliche Forderung Israels die Gespräche zum Scheitern zu bringen. Die israelische Regierung drängt Washington darauf, nicht nur Irans Atomprogramm zu begrenzen, sondern auch dessen ballistisches Raketenarsenal sowie die Unterstützung regionaler Milizen wie Hamas und Hisbollah in ein Abkommen einzubeziehen. Experten warnen jedoch: Diese Bedingungen könnten die ohnehin fragilen Gespräche endgültig blockieren – mit unvorhersehbaren Folgen für die Stabilität im Nahen Osten.
US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt signalisiert, dass ein Abkommen akzeptabel sei, sofern Iran sich klar zur Aufgabe von Atomwaffen verpflichte. „Keine Atomwaffen – das ist die Priorität“, erklärte er vor Journalisten. Teheran wiederum betonte, ausschließlich über nukleare Fragen sprechen zu wollen. Außenminister Abbas Araghtschi bezeichnete die ersten Gespräche im Oman als „guten Anfang“, stellte jedoch klar, dass andere Themen nicht zur Debatte stünden.
Hier liegt der Kern des Konflikts. Für Israel ist das iranische Raketenprogramm eine unmittelbare Bedrohung. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, bei seinem Besuch in Washington darauf zu drängen, dass auch die Reichweite und Anzahl der iranischen Raketen begrenzt werden. Iran verfügt sowohl über Kurz- als auch über Mittelstreckenraketen, die potenziell israelisches Staatsgebiet sowie US-Militärstützpunkte in der Region erreichen können.
Militärexperten sehen in dieser Forderung jedoch ein zentrales Problem. Das Raketenprogramm gilt als Grundpfeiler der iranischen Verteidigungsstrategie. Seit dem verlustreichen Krieg gegen den Irak in den 1980er-Jahren setzt Teheran verstärkt auf eine sogenannte asymmetrische Abschreckung: Raketen und verbündete Milizen sollen mögliche Angreifer von militärischen Aktionen abhalten. Eine Einschränkung dieses Programms käme aus iranischer Sicht einer grundlegenden Neuorientierung der nationalen Sicherheitsdoktrin gleich.
Hinzu kommt die Frage der Überprüfung. Selbst wenn Iran theoretisch Einschränkungen zustimmen würde, wäre eine wirksame Kontrolle der Produktions- und Entwicklungsstätten äußerst schwierig. Experten halten es für unwahrscheinlich, dass Teheran weitreichende Inspektionen akzeptieren würde.
Die militärische Lage verschärft zusätzlich den politischen Druck. Nach israelischen Angriffen im vergangenen Jahr wurde Irans Raketenarsenal zwar geschwächt, doch unklar bleibt, in welchem Umfang es inzwischen wieder aufgestockt wurde. Schätzungen zufolge verfügt das Land weiterhin über mehr als tausend einsatzfähige Raketen. Gleichzeitig sind zehntausende US-Soldaten in der Region stationiert – potenzielle Ziele im Falle einer Eskalation.
Die kommenden Wochen könnten daher entscheidend sein. Sollten die USA Israels Forderungen übernehmen, riskieren sie einen Abbruch der Gespräche. Bleiben die Verhandlungen hingegen auf das Atomprogramm beschränkt, droht ein diplomatischer Konflikt mit Israel. Zwischen Abschreckung, Diplomatie und regionaler Machtpolitik steht viel auf dem Spiel – möglicherweise sogar Krieg oder Frieden im Nahen Osten.