Nach beinahe neun Jahrzehnten zieht das traditionsreiche Meinungsforschungsinstitut Gallup einen Schlussstrich unter eine seiner bekanntesten Erhebungen: Ab 2026 wird das Unternehmen keine Zustimmungswerte für US-Präsidenten und andere politische Führungspersönlichkeiten mehr veröffentlichen. Damit endet eine Ära, die 1938 offiziell begann und die politische Berichterstattung in den Vereinigten Staaten nachhaltig geprägt hat.
Gallup, gegründet 1935 von George Gallup in Washington, D.C., machte sich früh einen Namen mit systematischen Umfragen zur öffentlichen Meinung. In Zeiten der Großen Depression schickte das Institut Interviewer durchs Land, um Bürgerinnen und Bürger zu fragen, ob sie mit der Amtsführung des Präsidenten zufrieden seien oder nicht. Diese einfache, aber wirkungsvolle Frage entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem zentralen Gradmesser politischer Stimmung.
Journalisten, Analysten und Politiker nutzten die Daten, um Trends zu erkennen, politische Strategien auszurichten oder gesellschaftliche Polarisierung zu messen. Die sogenannten „Approval Ratings“ wurden zu festen Bezugspunkten in Nachrichtensendungen und Leitartikeln. Sie zeigten nicht nur die Popularität eines Präsidenten, sondern machten auch parteipolitische Verschiebungen und Stimmungsumschwünge im Land sichtbar.
Nun begründet Gallup den Schritt mit einer strategischen Neuausrichtung. In einer Mitteilung erklärte das Unternehmen, man wolle die öffentliche Forschungsarbeit stärker an der eigenen Kernmission ausrichten. Zwar seien Führungsbewertungen ein bedeutender Teil der Unternehmensgeschichte gewesen, doch habe sich das Umfeld dieser Messungen verändert. Zustimmungswerte würden inzwischen breit erhoben, aggregiert und interpretiert. Gallup sehe hier nicht länger den Bereich, in dem man den größten eigenständigen Beitrag leisten könne.
Stattdessen will sich das Institut verstärkt auf langfristige, methodisch fundierte Forschung konzentrieren, die sich mit Lebensbedingungen, Werten und Einstellungen der Menschen befasst. Formate wie die Gallup Poll Social Series, der Gallup World Poll oder wirtschaftsbezogene Studien sollen weiterhin zentrale Bestandteile der Arbeit bleiben. Nach eigenen Angaben deckt der World Poll mehr als 95 Prozent der Weltbevölkerung ab – ein Hinweis auf den globalen Anspruch des Unternehmens.
Die Entscheidung markiert nicht nur einen strategischen Wandel, sondern wirft auch Fragen zur Zukunft politischer Meinungsforschung auf. In einer Zeit, in der Umfragedaten in Echtzeit verbreitet und in sozialen Medien kontrovers diskutiert werden, verändert sich die Rolle klassischer Institute. Gallups Rückzug aus dem Feld der Präsidentschafts-Zustimmungswerte könnte als Zeichen dafür gelten, dass sich die Branche stärker spezialisieren und differenzieren muss, um relevant zu bleiben.
Auch ohne die traditionellen „Approval Ratings“ bleibt Gallup jedoch ein gewichtiger Akteur in der internationalen Meinungsforschung – nur mit einem veränderten Fokus.