Ein neuer Bericht aus Kalifornien zeigt das enorme wirtschaftliche Ausmaß der umstrittenen Einwanderungsrazzien im Raum Los Angeles im vergangenen Sommer. Nach Angaben der Bezirksverwaltung von L.A. führten die Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE sowie die darauffolgenden Proteste zu Schäden von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Betroffen waren vor allem lokale Unternehmen, Arbeitnehmer und der öffentliche Nahverkehr.
Der Bericht, der im Auftrag des Los Angeles County Board of Supervisors erstellt wurde, beziffert die direkten Verluste durch Vandalismus auf rund 200.000 US-Dollar. Geschäfte meldeten beschädigte Fassaden, flächendeckende Graffiti sowie mehrere in Brand gesetzte Fahrzeuge, darunter auch ein Polizeiwagen. Weitaus gravierender seien jedoch die indirekten wirtschaftlichen Folgen gewesen: Geschlossene Läden, ausbleibende Kundschaft und massive Umsatzeinbrüche in ganzen Stadtvierteln.
Auslöser der Proteste waren groß angelegte Razzien der Einwanderungsbehörden, die Teil der verschärften Migrationspolitik von Präsident Donald Trump waren. Bereits kleine Demonstrationen vor Bundesgebäuden eskalierten, nachdem die Bundesregierung Nationalgarde und Marines entsandte. In der Folge kam es landesweit zu Solidaritätskundgebungen unter dem Motto „ICE Out“.
Besonders hart traf die Situation laut Bericht die von Migrantinnen und Migranten geprägten Nachbarschaften. Rund 17.000 Menschen nutzten zeitweise keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr, aus Angst vor Kontrollen. Der daraus resultierende Rückgang an Mobilität wirkte sich direkt auf Arbeitswege, Konsumverhalten und Produktivität aus. Behörden betonen, dass nicht dokumentierte Arbeitskräfte jährlich mehr als 250 Milliarden US-Dollar zur Wirtschaftsleistung beitragen und allein im Bezirk L.A. über eine Million Arbeitsplätze stützen.
Die Bundesregierung verteidigt den harten Kurs. Trumps Verbündete argumentieren, irreguläre Migration belaste Wohnungsmarkt, Arbeitsplätze und öffentliche Ressourcen. Seit Anfang 2025 seien über 650.000 Menschen abgeschoben worden, weitere Millionen hätten das Land freiwillig verlassen. Unter ihnen befanden sich laut Heimatschutzministerium auch mutmaßliche Sicherheitsrisiken und Bandenmitglieder.
Lokale Politiker widersprechen dieser Darstellung. Sie kritisieren, dass die Razzien nicht gezielt Kriminelle getroffen hätten, sondern vielfach gut integrierte Menschen, die seit Jahren in der Region lebten. Die Einsätze hätten ein Klima der Angst geschaffen und Familien auseinandergerissen. Nach tödlichen Schusswaffeneinsätzen durch Bundesbeamte in Minneapolis kündigte Trump zuletzt an, seinen Ton in der Einwanderungsdebatte zu mäßigen.