Die britische Polizei hat im Zuge der Ermittlungen zu möglichem Amtsmissbrauch zwei Immobilien durchsucht, die mit dem ehemaligen britischen Spitzenpolitiker Peter Mandelson in Verbindung stehen. Die Durchsuchungen stehen im Zusammenhang mit neuen Enthüllungen über Mandelsons Beziehungen zum inzwischen verstorbenen US-Finanzier Jeffrey Epstein, dessen Netzwerk und Einfluss seit Jahren internationale Ermittler beschäftigt.
Wie die Londoner Metropolitan Police mitteilte, wurden am Freitag Durchsuchungsbeschlüsse an zwei Adressen vollstreckt: eine im südenglischen Wiltshire sowie eine weitere im Londoner Stadtteil Camden. Die Maßnahmen seien Teil einer laufenden Untersuchung wegen des Verdachts auf „misconduct in public office“, also Amtsmissbrauch. Betroffen sei ein 72-jähriger Mann. Mandelson wurde bislang nicht festgenommen, die Ermittlungen dauern an.
Auslöser der neuen Ermittlungsdynamik ist eine aktuelle Veröffentlichung des US-Justizministeriums zu Epstein. Aus den freigegebenen Dokumenten geht hervor, dass Mandelson während seiner Zeit als britischer Wirtschaftsminister offenbar sensible Regierungsinformationen an Epstein weitergeleitet haben soll. Diese Informationen sollen in direktem Zusammenhang mit politischen Maßnahmen gestanden haben, die Großbritannien nach der Finanzkrise 2008 ergriff – darunter geplante Vermögensverkäufe und steuerpolitische Überlegungen.
Besonders brisant sind E-Mails aus dem Jahr 2009, in denen Mandelson Epstein ein internes Memorandum weiterleitete, das für den damaligen Premierminister Gordon Brown erstellt worden war. Darin wurde unter anderem der Verkauf staatlicher Vermögenswerte im Umfang von rund 20 Milliarden Pfund diskutiert. Kritiker werfen Mandelson vor, damit marktbewegende Informationen preisgegeben zu haben, von denen Epstein finanziell profitieren konnte.
Der Skandal hat erhebliche politische Folgen. Mandelson trat zunächst aus der Labour Party aus und legte wenig später auch sein Mandat im House of Lords nieder. Premierminister Keir Starmer, der Mandelson im vergangenen Jahr trotz bekannter Epstein-Verbindungen zum US-Botschafter ernannt hatte, geriet dadurch massiv unter Druck. Starmer entließ Mandelson schließlich aus dem Amt und sprach im Parlament von „unverzeihlichem Verrat“.
Zusätzliche Brisanz erhielt der Fall durch Hinweise auf finanzielle Zuwendungen Epsteins an Mandelson. Bankunterlagen deuten darauf hin, dass Epstein zwischen 2003 und 2004 insgesamt 75.000 US-Dollar auf mit Mandelson verbundene Konten überwies. Zudem soll Geld an Mandelsons heutigen Ehemann geflossen sein.
Die britische Regierung kündigte inzwischen an, sämtliche Unterlagen zur Ernennung Mandelsons offenlegen zu wollen. Das parlamentarische Kontrollgremium soll prüfen, wie gründlich die Sicherheitsüberprüfung vor seiner Berufung tatsächlich war. Der Fall Mandelson entwickelt sich damit zu einer der schwersten politischen Affären der aktuellen Regierung.