Mit deutlicher Mehrheit hat der Landtag von Sachsen-Anhalt einen neuen Ministerpräsidenten gewählt. Auf den langjährigen Amtsinhaber folgt Sven Schulze, der bereits im ersten Wahlgang genügend Stimmen erhielt. Das Ergebnis signalisiert Stabilität innerhalb der Koalition – und zugleich den Versuch, dem politischen Rechtsruck im Land frühzeitig etwas entgegenzusetzen.
Im Plenarsaal überwog zunächst die Erleichterung. Die Wahl verlief reibungslos, Zweifel an der Geschlossenheit der Regierungsfraktionen zerstreuten sich. Dass es sogar Stimmen aus der Opposition gegeben haben dürfte, unterstreicht den Wunsch vieler Abgeordneter nach einem geordneten Übergang. Schulze übernimmt das Amt damit ohne die Turbulenzen, die frühere Wahlen begleiteten.
Doch der eigentliche Prüfstein wartet nicht im Parlament. Sachsen-Anhalt steht vor einer Landtagswahl, bei der die Alternative für Deutschland auf einen historischen Erfolg hofft. In Umfragen liegt sie stark, teils an der Spitze. Für die CDU bedeutet das: Der neue Ministerpräsident muss rasch Profil zeigen – nicht nur als Regierungschef, sondern als Wahlkämpfer.
Schulze setzt dabei auf Nähe und Bodenständigkeit. In seiner Antrittsrede zeichnete er das Bild eines Landes, das von fleißigen Menschen getragen wird, und positionierte sich als jemand „aus der Mitte“. Wirtschaft, Arbeitsplätze, innere Sicherheit – klassische Unionsthemen, mit denen er Vertrauen zurückgewinnen will. Zugleich verzichtet er vorerst auf scharfe Angriffe gegen die AfD und setzt stattdessen auf den Kontrast zwischen „konkreten Lösungen“ und reiner Protestpolitik.
Der Machtwechsel selbst bleibt allerdings nicht unumstritten. Kritiker werfen der CDU vor, den Amtsinhaber zu früh ausgetauscht zu haben, um dem Nachfolger eine bessere Ausgangsposition im Wahlkampf zu verschaffen. Formal ist der Schritt legal, politisch hinterlässt er bei manchen einen schalen Nachgeschmack. Auch der Vorwurf eines Wortbruchs steht im Raum.
Fest steht: Für den neuen Ministerpräsidenten beginnt die Arbeit jetzt erst. Die kommenden Monate werden zeigen, ob es ihm gelingt, über den Regierungsbonus hinaus Wählerinnen und Wähler zu überzeugen – auf Marktplätzen, in Kommunen und in den sozialen Medien. Dort, fernab des Landtags, entscheidet sich, ob die CDU ihre Führungsrolle behaupten kann oder ob Sachsen-Anhalt politisches Neuland betritt.