Er gehört zu den prägenden Figuren der deutschen Wirtschaftsgeschichte und meldet sich auch im hohen Alter noch mit klaren Worten zu Wort. In einem aktuellen Interview äußert ein traditionsreicher Unternehmer deutliche Kritik an der Arbeitsmoral in Deutschland – und zeichnet ein düsteres Bild für die Zukunft des Standorts.
Seiner Ansicht nach werde hierzulande zu wenig gearbeitet und zu viel gefordert. Deutschland müsse wieder mehr leisten, um seinen Wohlstand zu sichern. Besonders unverständlich seien für ihn Debatten über zusätzliche freie Tage oder das Nachholen von Feiertagen, die auf ein Wochenende fallen. Solche Forderungen wirkten realitätsfern und vermittelten den Eindruck, wirtschaftlicher Erfolg entstehe ohne entsprechenden Einsatz.
Mit Sorge blickt der Unternehmer auf den internationalen Vergleich. In anderen Ländern werde oft zu niedrigeren Löhnen länger gearbeitet, während Beschäftigte in Deutschland häufiger krank seien. Diese Entwicklung mache ihm große Angst um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Auch die aktuelle Diskussion über vereinfachte Krankschreibungen greift er indirekt auf und deutet an, dass die Zahl der Ausfalltage aus seiner Sicht ein ernstzunehmendes Problem für Unternehmen darstellt.
Die Ursachen sieht er in einer schleichenden Verschiebung gesellschaftlicher Prioritäten. Nach Jahrzehnten des Wohlstands hätten sich Anspruchshaltungen entwickelt, die nicht mehr im Einklang mit Leistungsbereitschaft stünden. Das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit sei aus seiner Sicht verloren gegangen – mit klarer Tendenz zugunsten des Privaten. Dies gefährde langfristig Wachstum, Innovation und soziale Sicherungssysteme.
Besonders kritisch äußert er sich über den Generationenwechsel. Jüngere Beschäftigte seien häufig in einem Umfeld aufgewachsen, das ihnen viel abgenommen habe. Ein Umdenken falle deshalb schwer. Deutschland befinde sich an einem Wendepunkt, an dem ein wirtschaftlicher Abstieg nicht mehr ausgeschlossen sei. Ein Kurswechsel werde umso schwieriger, je länger notwendige Reformen hinausgezögert würden.
Dabei versteht sich der Unternehmer nicht als bloßer Mahner von außen. Auch im hohen Alter übernimmt er weiterhin Aufgaben, arbeitet regelmäßig und lebt damit die Haltung vor, die er einfordert. Für ihn ist Arbeit kein notwendiges Übel, sondern Voraussetzung für Fortschritt und Stabilität.
Sein Appell ist deutlich: Ohne mehr Leistungsbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein und einen neuen Blick auf Arbeit droht Deutschland, seinen wirtschaftlichen Erfolg aufs Spiel zu setzen. Die Warnung kommt von jemandem, der den Aufstieg des Landes aus eigener Erfahrung kennt – und nun davor warnt, diesen leichtfertig zu verspielen.