Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat angekündigt, dass neue trilaterale Gespräche zur Beendigung des Ukraine-Krieges geplant sind. Diese sollen Vertreter der Ukraine, der USA und Russlands zusammenbringen und in den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfinden. Die Ankündigung erfolgte nach einem Treffen Selenskyjs mit dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. Der diplomatische Druck scheint zuzunehmen – doch ein zentraler Konfliktpunkt bleibt ungelöst: die Frage des Territoriums in der Ostukraine.
US-Sondergesandter Steve Witkoff, der gemeinsam mit Jared Kushner nach Moskau gereist ist, zeigte sich optimistisch. Man habe den Konflikt „auf ein einziges Thema reduziert“, das grundsätzlich lösbar sei. Details nannte er zunächst nicht, doch Selenskyj stellte später klar, dass es um den zukünftigen Status der östlichen Regionen der Ukraine gehe, insbesondere um den Donbas. „Es geht um das Land – das ist das Kernproblem“, betonte Selenskyj vor Journalisten in Davos. Gleichzeitig machte er deutlich, dass nicht nur die Ukraine zu Kompromissen bereit sein müsse, sondern auch Russland.
Im Raum steht ein US-Vorschlag, der den industriell geprägten Donbas in eine entmilitarisierte und freie Wirtschaftszone umwandeln soll. Im Gegenzug würde die Ukraine Sicherheitsgarantien erhalten. Selenskyj erklärte, dass er mit Trump grundsätzlich über solche Garantien gesprochen habe. Diese müssten jedoch sowohl vom US-Kongress als auch vom ukrainischen Parlament abgesegnet werden. Trotz der Unterstützung europäischer Partner innerhalb der sogenannten „Koalition der Willigen“, angeführt von Großbritannien und Frankreich, betonte Selenskyj: „Ohne die USA funktionieren keine Sicherheitsgarantien.“
Zugleich übte der ukrainische Präsident deutliche Kritik an Europa. In seiner Davos-Rede warf er den europäischen Staaten mangelnden politischen Willen vor. Interne Streitigkeiten und fehlende Einigkeit würden verhindern, dass Europa geschlossen und entschlossen gegenüber Russland auftrete. Im Vergleich dazu stellte Selenskyj die USA unter Trump als handlungsfähiger dar.
Die Gespräche finden vor dem Hintergrund einer angespannten Lage in der Ukraine statt. Russische Angriffe auf die Energieinfrastruktur haben große Teile Kyjiws ohne Heizung, Wasser und Strom zurückgelassen – mitten im härtesten Winter seit Beginn des Krieges. Tausende Wohngebäude sind betroffen.
Nach Angaben Selenskyjs ist ein 20-Punkte-Plan der USA zur Beendigung des Krieges zu 90 Prozent ausgearbeitet. Darin bietet die Ukraine unter anderem einen Truppenrückzug von bis zu 40 Kilometern in Teilen der Region Donezk an, sofern Russland ebenfalls zurückweicht. Weitere heikle Themen bleiben die Kontrolle über das Atomkraftwerk Saporischschja sowie Russlands Anspruch auf die vollständige Kontrolle des Donbas.
Ob die geplanten Gespräche in den Emiraten tatsächlich einen Durchbruch bringen, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die kommenden Wochen könnten entscheidend für die Zukunft der Ukraine und die Sicherheitsordnung Europas werden.