Ein Gericht auf den Philippinen hat die 26-jährige Journalistin Frenchie Mae Cumpio wegen der Finanzierung von Terrorismus schuldig gesprochen und zu mindestens zwölf Jahren Haft verurteilt. Internationale Pressefreiheitsorganisationen sprechen von einer schweren Ungerechtigkeit und einem alarmierenden Signal für den Zustand der Medienfreiheit im Land.
Cumpio wurde bereits im Februar 2020 festgenommen, nachdem Soldaten in einer nächtlichen Razzia ihr Boardinghaus durchsucht hatten. Nach Angaben der Behörden sollen dabei eine Handgranate, eine Schusswaffe und eine kommunistische Flagge in ihrem Bett gefunden worden sein. Menschenrechts- und Journalistenorganisationen bestreiten diese Darstellung und bezeichnen die Beweise als konstruiert. Sie werfen den Sicherheitskräften sogenanntes „Red-Tagging“ vor – die öffentliche Diffamierung von Journalistinnen und Aktivisten als angebliche Staatsfeinde oder Terrorunterstützer.
Nach sechs Jahren Haft ohne rechtskräftiges Urteil wurde Cumpio nun zwar von den Anklagen wegen illegalen Waffen- und Sprengstoffbesitzes freigesprochen, jedoch wegen Terrorfinanzierung verurteilt. Auch ihre ehemalige Mitbewohnerin Marielle Domequil erhielt dieselbe Strafe. Medienberichten zufolge brachen beide Frauen im Gerichtssaal in Tränen aus und umarmten sich, als das Urteil verlesen wurde.
Cumpios Anwälte äußerten große Sorge über die Tragweite der Entscheidung. Sie sehen darin einen Präzedenzfall, der insbesondere den lokalen und unabhängigen Journalismus bedroht. Gerade Gemeinschaftsjournalisten, die fernab großer Medienhäuser arbeiten, würden Missstände in ländlichen und armen Regionen sichtbar machen – und genau diese seien nun besonders gefährdet.
Vor ihrer Festnahme berichtete Cumpio regelmäßig über mutmaßliche Übergriffe von Polizei und Militär in der Region Eastern Visayas. Sie schrieb für das Nachrichtenportal Eastern Vista, dessen ehemalige Direktorin sie ist, und moderierte eine Radiosendung beim Sender Aksyon Radyo-Tacloban. Ihr Fall hat weltweit Aufmerksamkeit erregt und wird von vielen als politisch motiviert angesehen.
Internationale Organisationen wie das Committee to Protect Journalists und Reporter ohne Grenzen verurteilten das Urteil scharf. Sie kritisieren, dass die Regierung trotz öffentlicher Bekenntnisse zur Pressefreiheit weiterhin kritische Stimmen zum Schweigen bringe. Auch Frauen- und Medienverbände auf den Philippinen sprachen von staatlich geförderter Repression und warnten vor einer weiteren Verschlechterung der ohnehin prekären Lage für Journalistinnen.
Die Philippinen gelten seit Jahren als eines der gefährlichsten Länder für Medienschaffende. Der Fall Cumpio verdeutlicht nach Ansicht vieler Beobachter, wie groß das Risiko für kritischen Journalismus weiterhin ist – insbesondere für junge Frauen, die den Mut haben, Machtstrukturen offen zu hinterfragen.