Während der umkämpften Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Uganda ordnete die Regierung eine landesweite Abschaltung des Internets an. Offiziell sollte dieser Schritt der Sicherheit und Stabilität dienen. In der Praxis hatte der digitale Blackout jedoch gravierende Folgen für Millionen Menschen – insbesondere für jene, deren Einkommen und Alltag eng mit dem Internet verknüpft sind.
In der Hauptstadt Kampala traf die Maßnahme die mobile Geldagentin Mirembe Tracy besonders hart. Ihr gesamtes Geschäft basiert auf digitalen Transaktionen. Als das Internet abgeschaltet wurde, brach ihre Haupteinnahmequelle sofort weg. Innerhalb einer Woche kann sie normalerweise bis zu 450.000 Uganda-Schilling verdienen – Geld, das sie dringend für Miete und Lebenshaltungskosten benötigt. Während der Abschaltung blieb ihr Einkommen bei null. Ähnlich erging es vielen Kleinunternehmerinnen und -unternehmern, die auf mobile Bezahldienste angewiesen sind.
Auch der Transportsektor litt massiv. In Kampala sind sogenannte Boda-Bodas, Motorradtaxis, allgegenwärtig. Viele Fahrer arbeiten über Ride-Hailing-Apps. Während des Blackouts standen die Server einiger Plattformen still, was zahlreiche Fahrer zwang, ihre Arbeit vorübergehend aufzugeben. Damit verloren nicht nur sie, sondern auch abhängige Betriebe ihre Einnahmen.
Online-Händlerinnen wie Namukwaya Olivia, die traditionelle Kleidung über soziale Medien verkauft, konnten keine Bestellungen annehmen. Kunden verlangten Produktbilder, doch ohne Internet war dies unmöglich. Lieferungen blieben aus, laufende Kosten wie Miete konnten nicht gedeckt werden, und selbst nach der Wiederherstellung des Netzes erholte sich das Geschäft nur langsam.
Journalisten und Medienschaffende standen ebenfalls vor großen Problemen. Recherchen, Kommunikation mit Redaktionen und das Versenden von Bild- und Videomaterial waren kaum möglich. In ländlichen Regionen mussten Aufnahmen teilweise per Bus transportiert werden – oft zu spät, um noch relevant zu sein. Internationale Reporter beschrieben die Situation als psychisch belastend, da sie von ihren Familien abgeschnitten waren.
Besonders junge Menschen spürten den Einschnitt deutlich. Gamer wie der 20-jährige Ronnie Mwesigwa verloren nicht nur den Zugang zu Online-Spielen, sondern auch den Kontakt zu Freunden. Studierende und Schüler konnten nicht lernen, da Online-Unterricht, WhatsApp-Gruppen und Videokonferenzen komplett ausfielen. Selbst nach der teilweisen Wiederherstellung blieb das Netz langsam und unzuverlässig.
Beobachter, darunter die Afrikanische Union, kritisierten, dass die Abschaltung wirtschaftliche Aktivitäten einschränkte und Misstrauen im Wahlprozess schürte. Für viele Ugander war der Blackout mehr als eine vorübergehende Unannehmlichkeit – er zeigte eindrücklich, wie abhängig modernes Leben von digitaler Infrastruktur geworden ist.