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Entführungen aus Kirchen in Kaduna: Nigerias Polizei bestätigt Überfall nach anfänglichem Dementi

Die nigerianische Polizei hat erstmals bestätigt, dass es im nördlichen Bundesstaat Kaduna zu einer massenhaften Entführung von Kirchgängern gekommen ist. Zuvor hatten Sicherheitsbehörden Berichte über den Vorfall noch zurückgewiesen. Die Entführungen ereigneten sich am Sonntag im abgelegenen Dorf Kurmin Wali, wo bewaffnete Angreifer während eines Gottesdienstes mehrere Kirchen überfielen.

Nach Angaben von Anwohnern wurden insgesamt 177 Gläubige aus drei Kirchen verschleppt. Elf von ihnen sollen später die Flucht gelungen sein. Die Polizei selbst nannte bislang keine konkreten Zahlen, erklärte jedoch am Dienstagabend, dass nach Überprüfungen durch Einsatzkräfte und Geheimdienstquellen feststehe, dass es tatsächlich zu Entführungen gekommen sei.

Ein Polizeisprecher betonte, die frühere Stellungnahme sei „weitgehend falsch interpretiert“ worden. Es habe sich nicht um ein Dementi gehandelt, sondern um eine vorsichtige Reaktion, solange noch keine bestätigten Informationen aus dem Einsatzgebiet vorgelegen hätten. Inzwischen seien Sicherheitskräfte vollständig in der Region stationiert, Such- und Rettungsaktionen sowie Patrouillen liefen auf Hochtouren.

Augenzeugen berichteten, der Angriff habe gegen 10 Uhr Ortszeit begonnen. Die bewaffneten Männer hätten das Dorf umstellt, Fluchtwege abgeschnitten und die Menschen zusammengetrieben. Anschließend seien die Entführten gezwungen worden, in den umliegenden Busch zu marschieren. Betroffen waren zwei Kirchen der Cherubim and Seraphim Movement Church sowie eine Kirche der Evangelical Church Winning All (ECWA).

Noch einen Tag zuvor hatten lokale Behörden die Berichte über eine Entführung als „Falschmeldungen“ bezeichnet. Der Polizeikommissar von Kaduna sprach sogar von „Konfliktunternehmern“, die Chaos stiften wollten. Auch der Vorsitzende der zuständigen Kommunalverwaltung erklärte zunächst, es gebe keinerlei Hinweise auf einen Angriff. Diese Aussagen stehen nun in deutlichem Widerspruch zu den aktuellen Erkenntnissen.

Menschenrechtsorganisationen reagierten scharf auf das anfängliche Verhalten der Behörden. Amnesty International sprach von einer „verzweifelten Leugnung“ und forderte die Regierung auf, dringend wirksame Maßnahmen gegen die zunehmende Welle von Entführungen zu ergreifen, die in Nigeria immer mehr zur Normalität werde.

Der Vorfall reiht sich in eine Serie schwerer Sicherheitskrisen ein. Erst im November waren mehr als 300 Schüler und Lehrer aus einer katholischen Schule im benachbarten Bundesstaat Niger entführt worden. Nigeria kämpft seit Jahren mit Kidnapping-Banden, islamistischem Terror, separatistischer Gewalt und blutigen Konflikten zwischen Viehhirten und Bauern.

Experten sehen die Ursachen in Korruption, mangelhafter Zusammenarbeit der Sicherheitsdienste und chronischer Unterfinanzierung der Polizei. Die jüngsten Ereignisse erhöhen den Druck auf die Regierung, glaubwürdige und nachhaltige Lösungen für die Sicherheitsprobleme des Landes zu finden.

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