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Windpark Wehrder: Eigenkapital bricht um 81 Prozent ein – Gesellschafterverbindlichkeiten steigen massiv

Shutterbug75 (CC0), Pixabay

Bei der Windpark Wehrder Bauträgergesellschaft mbH & Co. KG aus Elsfleth hat sich die Bilanzstruktur 2025 erheblich verändert.

Besonders auffällig ist das Eigenkapital.

Zum 31. Dezember 2024 wurden noch:

669.704,63 Euro

ausgewiesen.

Ein Jahr später waren es nur noch:

127.290,39 Euro.

Damit reduzierte sich das Eigenkapital innerhalb eines Geschäftsjahres um exakt:

542.414,24 Euro.

Das entspricht einem Rückgang von rund 81 Prozent.

Was ist mit den 542.000 Euro passiert?

Genau diese Frage drängt sich bei dem Abschluss auf.

Denn eine vollständige Gewinn- und Verlustrechnung ist in den vorliegenden Veröffentlichungsdaten nicht enthalten.

Deshalb lässt sich nicht feststellen, ob der Rückgang des Eigenkapitals vollständig auf einen Verlust des Geschäftsjahres zurückzuführen ist.

Bei einer Kommanditgesellschaft können beispielsweise auch Ausschüttungen, Entnahmen, Ergebniszuweisungen oder andere Bewegungen auf den Kapitalkonten eine Rolle spielen.

Es wäre deshalb falsch, aus der Eigenkapitalveränderung automatisch auf einen Jahresverlust von 542.414 Euro zu schließen.

Die Geschäftsführung sollte jedoch erklären, wodurch der massive Rückgang tatsächlich verursacht wurde.

Eigenkapitalquote fällt von 47 auf 11 Prozent

Auch relativ zur Bilanzsumme ist die Veränderung erheblich.

Ende 2024 betrug die Eigenkapitalquote rechnerisch noch rund:

46,9 Prozent.

Ende 2025 waren es nur noch:

11,2 Prozent.

Damit hat sich die bilanzielle Eigenkapitalausstattung innerhalb eines Jahres erheblich abgeschwächt.

Positives Eigenkapital ist allerdings weiterhin vorhanden.

Von einer bilanziellen Überschuldung kann anhand der vorliegenden Bilanz deshalb nicht gesprochen werden.

Gesellschafterverbindlichkeiten steigen um mehr als 1.000 Prozent

Noch auffälliger ist die Entwicklung der Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern.

Ende 2024:

22.911,90 Euro

Ende 2025:

266.715,37 Euro

Der Anstieg beträgt damit:

243.803,47 Euro.

Prozentual entspricht dies einem Plus von rund 1.064 Prozent.

Anders ausgedrückt:

Die Gesellschafterverbindlichkeiten haben sich innerhalb eines Jahres auf mehr als das Elffache erhöht.

Warum das geschehen ist, erläutert der Anhang nicht.

Gesellschafter werden zum wichtigsten Gläubigerblock

Die Entwicklung ist auch deshalb interessant, weil die Gesellschafterverbindlichkeiten inzwischen den überwiegenden Teil sämtlicher Schulden ausmachen.

Die gesamten Verbindlichkeiten betragen:

351.948,56 Euro.

Davon entfallen:

266.715,37 Euro

auf Gesellschafter.

Das sind rund 75,8 Prozent der gesamten Verbindlichkeiten.

Damit hängen drei Viertel der bilanziellen Schulden unmittelbar mit den Gesellschaftern zusammen.

Offen bleibt, worum es sich dabei konkret handelt.

Sind es Gesellschafterdarlehen?

Verrechnungskonten?

Noch nicht ausgezahlte Ausschüttungen?

Sonstige Ansprüche?

Der veröffentlichte Anhang beantwortet diese Frage nicht.

Sämtliche Verbindlichkeiten kurzfristig

Hinzu kommt ein weiterer Punkt.

Sämtliche Verbindlichkeiten von 351.948,56 Euro haben laut Bilanz eine Restlaufzeit von höchstens einem Jahr.

Das gilt damit grundsätzlich auch für die ausgewiesenen Gesellschafterverbindlichkeiten, soweit keine abweichende Information vorliegt.

Damit stellt sich die Frage, ob und wann die 266.715 Euro gegenüber Gesellschaftern tatsächlich ausgezahlt werden sollen.

Bankguthaben von mehr als einer Million Euro

Akute Liquiditätsprobleme lassen sich aus der Bilanz allerdings nicht ableiten.

Zum 31. Dezember 2025 verfügte die Gesellschaft über:

1.000.806,77 Euro

an Kassen- und Bankguthaben.

Das ist fast das Dreifache der gesamten bilanziellen Verbindlichkeiten.

Selbst die kurzfristigen Verbindlichkeiten von rund 352.000 Euro werden durch die zum Stichtag ausgewiesenen liquiden Mittel rechnerisch deutlich übertroffen.

Das ist für die Einordnung entscheidend.

Der starke Rückgang des Eigenkapitals ist auffällig – er bedeutet aber nicht automatisch, dass die Gesellschaft in Liquiditätsschwierigkeiten steckt.

Liquidität sinkt dennoch um rund 215.000 Euro

Gleichzeitig ist das Bankguthaben gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen.

Ende 2024:

1.215.470,94 Euro

Ende 2025:

1.000.806,77 Euro

Das entspricht einem Rückgang um:

214.664,17 Euro beziehungsweise rund 17,7 Prozent.

Die Gesellschaft verfügte damit Ende 2025 zwar weiterhin über erhebliche Liquidität, allerdings über deutlich weniger als ein Jahr zuvor.

Forderungen gehen ebenfalls zurück

Auch die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände reduzierten sich.

Sie sanken von:

194.249,54 Euro

auf:

117.268,11 Euro.

Das entspricht einem Rückgang um:

76.981,43 Euro beziehungsweise rund 39,6 Prozent.

Das gesamte Umlaufvermögen verringerte sich dadurch von rund 1,410 Millionen Euro auf 1,118 Millionen Euro.

Der Rückgang beträgt:

291.645,60 Euro beziehungsweise rund 20,7 Prozent.

Bilanzsumme schrumpft um gut 20 Prozent

Diese Entwicklung spiegelt sich unmittelbar in der Bilanzsumme wider.

Sie sank von:

1.427.410,57 Euro

auf:

1.135.503,47 Euro.

Das entspricht einem Rückgang um:

291.907,10 Euro beziehungsweise rund 20,5 Prozent.

Die Gesellschaft ist bilanziell innerhalb eines Jahres also deutlich kleiner geworden.

Verbindlichkeiten verdreifachen sich nahezu

Während Vermögen und Eigenkapital zurückgingen, entwickelten sich die Verbindlichkeiten in die andere Richtung.

Sie stiegen von:

117.221,22 Euro

auf:

351.948,56 Euro.

Das ist ein Anstieg um:

234.727,34 Euro beziehungsweise rund 200,2 Prozent.

Die gesamten Verbindlichkeiten haben sich damit innerhalb eines Jahres praktisch verdreifacht.

Der überwiegende Teil dieser Entwicklung hängt mit dem starken Anstieg der Gesellschafterverbindlichkeiten zusammen.

Interessante rechnerische Verbindung

Bei genauer Betrachtung fällt eine weitere Konstellation auf.

Die Gesellschafterverbindlichkeiten erhöhten sich um:

243.803,47 Euro.

Gleichzeitig reduzierte sich das Eigenkapital um:

542.414,24 Euro.

Das bedeutet nicht, dass zwischen beiden Entwicklungen automatisch ein unmittelbarer Zusammenhang besteht.

Es stellt sich aber die Frage, ob Ausschüttungsbeschlüsse, Entnahmen oder Umbuchungen von Kapitalkonten in Gesellschafterverbindlichkeiten eine Rolle gespielt haben.

Gerade weil der Jahresabschluss keine vollständige Ergebnisrechnung und keine Erläuterung dieser Kapitalbewegungen enthält, wäre dies gegenüber der Geschäftsführung konkret zu hinterfragen.

Rückstellungen von mehr als 656.000 Euro

Der größte Fremdkapitalposten sind allerdings nicht die Verbindlichkeiten, sondern die Rückstellungen.

Sie erhöhten sich von:

640.484,72 Euro

auf:

656.264,52 Euro.

Das entspricht einem moderaten Anstieg um rund:

15.780 Euro beziehungsweise 2,5 Prozent.

Damit machen die Rückstellungen rund 57,8 Prozent der gesamten Bilanzsumme aus.

Das ist eine erhebliche Größenordnung.

Wofür stehen die 656.000 Euro?

Der Anhang erklärt lediglich allgemein, dass die sonstigen Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten gebildet wurden und alle erkennbaren Risiken berücksichtigt worden seien.

Außerdem wird erwähnt, dass Steuerrückstellungen noch nicht veranlagte Steuern enthalten.

Eine konkrete Aufschlüsselung der 656.264,52 Euro fehlt jedoch in den vorliegenden Angaben.

Gerade bei einem Windpark wäre interessant, ob darin beispielsweise Rückbau- oder Rekultivierungsverpflichtungen enthalten sind.

Das kann aus dem Abschluss aber nicht unterstellt werden.

Die Geschäftsführung müsste die Zusammensetzung erläutern.

Rückstellungen sind mehr als fünfmal so hoch wie das Eigenkapital

Das Verhältnis ist bemerkenswert.

Den Rückstellungen von rund:

656.265 Euro

steht Eigenkapital von nur:

127.290 Euro

gegenüber.

Die Rückstellungen sind damit mehr als fünfmal so hoch wie das ausgewiesene Eigenkapital.

Auch daraus folgt für sich genommen keine finanzielle Krise.

Rückstellungen können langfristige Verpflichtungen betreffen, deren tatsächliche Zahlung erst deutlich später erfolgt.

Ohne Aufschlüsselung ist ihre wirtschaftliche Bedeutung jedoch nur eingeschränkt bewertbar.

Sachanlagen spielen bilanziell kaum noch eine Rolle

Bemerkenswert ist außerdem das sehr niedrige Anlagevermögen.

Die Sachanlagen stehen zum Jahresende lediglich mit:

17.228,59 Euro

in der Bilanz.

Im Vorjahr waren es 17.490,09 Euro.

Der Rückgang beträgt lediglich 261,50 Euro.

Hinzu kommen Finanzanlagen von 200 Euro.

Damit beträgt das gesamte Anlagevermögen nur:

17.428,59 Euro.

Das sind gerade einmal rund 1,5 Prozent der Bilanzsumme.

Wo sind die Windenergieanlagen?

Bei einem Unternehmen mit „Windpark“ im Namen stellt sich damit zwangsläufig die Frage, welche Vermögenswerte die Gesellschaft tatsächlich besitzt.

Der Jahresabschluss lässt nicht erkennen, ob die eigentlichen Windenergieanlagen bereits weitgehend abgeschrieben sind, von anderen Gesellschaften gehalten werden oder ob sich die Geschäftstätigkeit strukturell anders darstellt.

Auch die Bezeichnung „Bauträgergesellschaft“ im Firmennamen liefert hierfür allein keine ausreichende Erklärung.

Eine genaue Darstellung des Geschäftsmodells wäre deshalb hilfreich.

Keine Arbeitnehmer

Die Gesellschaft beschäftigt nach eigenen Angaben keine Arbeitnehmer.

Als Unterzeichner des Jahresabschlusses werden Jürgen Büsing, Peter Jelkmann und Rolf Hayen genannt.

Der Abschluss wurde am 18. August 2026 festgestellt.

Ergebnisrechnung fehlt

Für eine vollständige wirtschaftliche Analyse fehlt eine entscheidende Komponente:

die Gewinn- und Verlustrechnung.

Aus den vorliegenden Daten lässt sich deshalb nicht sicher bestimmen, wie hoch Umsatz, Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag 2025 waren.

Ebenso fehlen Angaben zu Stromerlösen, Zinsen, Abschreibungen und sonstigen betrieblichen Aufwendungen.

Gerade wegen des starken Eigenkapitalrückgangs ist diese Informationslücke relevant.

Hat die Gesellschaft Geld ausgeschüttet?

Eine der wichtigsten Fragen ist deshalb, ob 2025 Ausschüttungen oder Entnahmen an die Kommanditisten erfolgt sind.

Denn das Eigenkapital ist um mehr als eine halbe Million Euro zurückgegangen, obwohl die Gesellschaft Ende des Jahres weiterhin über mehr als eine Million Euro Bankguthaben verfügt.

Sollten Ausschüttungen oder Entnahmen die wesentliche Ursache sein, wäre die Entwicklung anders zu bewerten als bei einem operativen Jahresverlust in entsprechender Höhe.

Ohne Angaben der Gesellschaft sollte darüber nicht spekuliert werden.

Auch die Gesellschafterverbindlichkeiten müssen erklärt werden

Ebenso wichtig ist die Frage, weshalb die Gesellschaft ihren Gesellschaftern Ende 2025 rund 266.715 Euro schuldet, nachdem es ein Jahr zuvor lediglich rund 22.912 Euro waren.

Besonders interessant wäre, ob dieser Anstieg im Zusammenhang mit Ausschüttungsbeschlüssen steht.

Falls Gewinne oder Kapitalbeträge den Gesellschaftern gutgeschrieben, aber noch nicht ausgezahlt wurden, könnten entsprechende Verbindlichkeiten entstehen.

Das ist jedoch lediglich eine mögliche Erklärung.

Der Jahresabschluss selbst bestätigt sie nicht.

Keine Aussage zur Insolvenz

Trotz der auffälligen Eigenkapitalentwicklung wäre es falsch, aus diesem Abschluss auf eine Insolvenzgefährdung zu schließen.

Die Gesellschaft weist weiterhin positives Eigenkapital aus.

Noch deutlicher ist die Liquiditätsposition:

Mehr als eine Million Euro Bankguthaben stehen nur rund 352.000 Euro kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenüber.

Eine Zahlungsunfähigkeit lässt sich daraus nicht erkennen.

Umgekehrt kann eine Stichtagsbilanz allein die zukünftige Zahlungsfähigkeit natürlich ebenfalls nicht garantieren.

Die entscheidenden offenen Fragen

Für eine vertiefende Recherche sind deshalb vor allem fünf Punkte relevant:

Erstens: Warum sank das Eigenkapital um 542.414 Euro?

Zweitens: Wie hoch war das tatsächliche Jahresergebnis 2025?

Drittens: Gab es Ausschüttungen oder Entnahmen der Kommanditisten?

Viertens: Warum stiegen die Gesellschafterverbindlichkeiten von 22.912 Euro auf 266.715 Euro?

Fünftens: Woraus bestehen die Rückstellungen von mehr als 656.000 Euro?

Hinzu kommt die Frage, welches operative Vermögen beziehungsweise welche Windenergieanlagen die Gesellschaft tatsächlich hält.

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