Der Tod des langjährigen Besitzers der Indianapolis Colts, Jim Irsay, beschäftigt nun auch die US-Bundesbehörden. Wie die Washington Post berichtet, hat das FBI Ermittlungen zu den Umständen seines Todes aufgenommen. Im Mittelpunkt stehen dabei sowohl Irsays langjähriger Kampf mit Suchterkrankungen als auch die Rolle seines behandelnden Arztes in den letzten Lebensmonaten.
Jim Irsay starb im Mai vergangenen Jahres im Alter von 65 Jahren während eines Aufenthalts in Beverly Hills, Kalifornien. Laut offizieller Sterbeurkunde war die Todesursache ein Herzstillstand infolge einer akuten Lungenentzündung, wobei frühere Herzerkrankungen ebenfalls eine Rolle gespielt haben sollen. Auffällig ist jedoch, dass weder eine Autopsie noch ein toxikologischer Bericht durchgeführt wurden – ein Umstand, der nun im Zuge der Ermittlungen verstärkt hinterfragt wird.
Aus einem von der Washington Post eingesehenen Bundes-Grand-Jury-Vorladungsdokument geht hervor, dass das FBI Informationen zu Irsays Tod, seinem Konsum illegaler und verschreibungspflichtiger Substanzen sowie zu seiner Beziehung mit dem Suchttherapeuten Dr. Harry Haroutunian angefordert hat. Haroutunian, ein in Südkalifornien ansässiger Spezialist für Suchtmedizin, betreute Irsay auch während dessen letzter Tage und hielt sich im selben Hotel auf.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der medikamentösen Behandlung Irsays. Berichten zufolge soll Haroutunian ihm nach einem Rückfall erneut Opioide sowie Ketamin verabreicht haben. Die Menge der verschriebenen Schmerzmittel – teils bis zu 200 Opioid-Pillen kurz vor zwei Überdosierungen im Jahr 2023 – habe Menschen aus Irsays Umfeld alarmiert. Ketamin, zwar als Narkosemittel zugelassen, gilt in der Suchttherapie als umstritten, da es selbst ein hohes Missbrauchspotenzial besitzt und Herz-Kreislauf-Probleme auslösen kann.
Bereits im vergangenen Jahr hatte die Washington Post darüber berichtet, dass Irsay nach außen hin Nüchternheit betonte, jedoch offenbar heimlich rückfällig geworden war. Insgesamt soll es in den sechs Jahren vor seinem Tod zu drei Überdosierungen gekommen sein.
Trotz seiner persönlichen Kämpfe war Irsay ein prominenter Fürsprecher für mentale Gesundheit. 2020 rief er gemeinsam mit den Colts die Initiative „Kicking the Stigma“ ins Leben, die sich für Aufklärung über psychische Erkrankungen und gegen gesellschaftliche Stigmatisierung einsetzt.
Jim Irsay hatte das NFL-Team 1997 nach dem Tod seines Vaters Robert Irsay übernommen. Nach seinem Ableben ging der Besitz der Colts an seine drei Töchter über. Carlie Irsay-Gordon fungiert heute als Haupteigentümerin und CEO des Teams.
Die Ermittlungen des FBI dauern an. Ob es zu strafrechtlichen Konsequenzen kommt, ist derzeit noch offen.