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Mutmaßlicher Drahtzieher internationaler Online-Betrugsmaschen in Kambodscha festgenommen

Die kambodschanischen Behörden haben einen prominenten Geschäftsmann festgenommen, der im Mittelpunkt einer investigativen BBC-Dokumentation über internationale Online-Betrugsnetzwerke stand. Kuong Li, 50 Jahre alt, wurde wegen illegaler Anwerbung zur Ausbeutung, schweren Betrugs, organisierter Kriminalität und Geldwäsche angeklagt. Die mutmaßlichen Straftaten sollen sich seit 2019 in Kambodscha und weiteren Ländern ereignet haben. Ein Gericht in Phnom Penh ordnete Mitte Januar Untersuchungshaft an.

Kuong Li wurde international bekannt durch die BBC-Eye-Recherche „The Pig Butchering Romance Scam“ aus dem Jahr 2023. Darin ging es um sogenannte Scam-Compounds in Südostasien, in denen tausende Menschen unter Zwang Online-Betrug betreiben müssen. Im Fokus der Sendung stand unter anderem der Huang-Le-Komplex in der Küstenstadt Sihanoukville, der Kuong Li gehören soll.

Die Dokumentation schilderte das Schicksal des chinesischen Staatsbürgers „Didi“, der nach eigenen Angaben mit dem Versprechen eines gut bezahlten Jobs nach Kambodscha gelockt wurde. Stattdessen sei er in dem streng bewachten Komplex festgehalten und gezwungen worden, bis zu zwölf Stunden täglich Opfer in Europa und den USA zu betrügen. Fluchtversuche seien brutal bestraft worden. In seiner Verzweiflung sprang Didi aus dem dritten Stock, überlebte schwer verletzt und konnte später mit Hilfe von Unterstützern nach China zurückkehren.

Ein weiterer Fall betraf Mi Lijun, ebenfalls aus China, der während seiner Gefangenschaft schwer erkrankte und später an Organversagen starb. Die BBC dokumentierte seine letzten Stunden und erhob schwere Vorwürfe gegen die Betreiber des Komplexes.

Kuong Li wies die Anschuldigungen stets zurück. Die kambodschanischen Behörden erklärten 2023 nach einer Untersuchung, es gebe keine Hinweise auf Zwangsarbeit oder Folter, und bezeichneten die Vorwürfe als unbegründet. Dennoch erhielt Kuong Li im selben Jahr sogar den hohen Ehrentitel „Neak Oknha“ und trat weiterhin öffentlich mit politischen Entscheidungsträgern auf.

Die jetzige Festnahme gilt als deutliches Signal eines Kurswechsels. Die Regierung in Phnom Penh steht seit Jahren unter internationalem Druck, entschiedener gegen Online-Betrug und Menschenhandel vorzugehen. Laut offiziellen Angaben wurden allein zwischen 2025 und Anfang 2026 mehr als 170 mutmaßliche Drahtzieher und Helfer verurteilt.

Die Vereinten Nationen schätzen, dass in Südostasien hunderttausende Menschen Opfer solcher Betrugsnetzwerke wurden. Parallel zu Kambodscha gehen auch Thailand und Myanmar verstärkt gegen Geldwäsche, Scam-Zentren und transnationale kriminelle Strukturen vor. Die Festnahme von Kuong Li könnte damit ein Wendepunkt im Kampf gegen organisierte Online-Kriminalität in der Region sein.

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