Der Oberste Gerichtshof der USA befasst sich mit einem hochsensiblen Thema, das das amerikanische Waffenrecht erneut auf die Probe stellt. Konkret geht es um Gesetze in Bundesstaaten wie Hawaii, die von Waffenbesitzern verlangen, vor dem Betreten öffentlich zugänglicher Privatgrundstücke ausdrücklich die Erlaubnis zum Tragen einer verdeckten Schusswaffe einzuholen. Kritiker bezeichnen diese Regelungen polemisch als sogenannte „Vampir-Regeln“ – in Anlehnung an Bram Stokers Dracula, der nur nach Einladung ein Haus betreten durfte.
Im Zentrum des Verfahrens steht ein hawaiianisches Gesetz aus dem Jahr 2023. Es legt fest, dass das Mitführen von Waffen auf privatem, aber öffentlich zugänglichem Gelände – etwa in Geschäften oder Restaurants – grundsätzlich verboten ist, sofern der Eigentümer nicht ausdrücklich zustimmt. Waffenrechtsorganisationen argumentieren, dies kehre die bisherige Logik um: Statt eines Verbots mit Ausnahmen werde ein faktisches Totalverbot geschaffen, da die wenigsten Geschäftsinhaber entsprechende Hinweisschilder anbringen oder mündliche Genehmigungen erteilen würden.
Brisant ist der Fall vor allem wegen eines Grundsatzurteils des Supreme Court aus dem Jahr 2022. Damals entschied das Gericht, dass Waffenregulierungen nur dann verfassungsgemäß sind, wenn sie mit der historischen Tradition der USA vereinbar sind. Seitdem berufen sich Kläger wie auch Staaten verstärkt auf Gesetze aus der Kolonialzeit oder dem 19. Jahrhundert, um ihre Positionen zu untermauern.
Hawaii verteidigt seine Regelung mit dem Hinweis auf das Eigentumsrecht. Der Bundesstaat argumentiert, dass Eigentümer selbst entscheiden dürfen, ob sie Waffen auf ihrem Grund zulassen. Zudem verweist er auf historische Beispiele strenger Waffenbeschränkungen, die bereits vor der Aufnahme Hawaiis als US-Bundesstaat galten. Auch andere demokratisch geführte Bundesstaaten wie Kalifornien, New York oder New Jersey haben ähnliche Gesetze erlassen.
Die Trump-Administration hingegen hat den Supreme Court ausdrücklich dazu ermutigt, den Fall anzunehmen. Sie sieht in den „Vampir-Regeln“ einen Versuch, das Urteil von 2022 zu umgehen und das Tragen von Waffen im öffentlichen Raum de facto unmöglich zu machen. Unterstützt wird diese Sicht von mehreren Waffenlobby-Gruppen, die sich durch die Gesetze stigmatisiert fühlen.
Gleichzeitig warnen Organisationen für Waffenkontrolle vor weitreichenden Folgen. Sollte der Supreme Court die hawaiianische Regelung kippen, könnte dies die Möglichkeiten der Bundesstaaten, Waffen im öffentlichen Raum zu regulieren, massiv einschränken. Der Fall gilt daher als weiterer Meilenstein in der anhaltenden Auseinandersetzung um Waffenrechte, Sicherheit und Eigentum in den USA.