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Geschichtslehrer schlagen Alarm: DDR-Thema in Berlins Oberstufe nur noch freiwillig

IO-Images (CC0), Pixabay

In Berlin soll die Geschichte der DDR künftig kein verpflichtender Bestandteil des Geschichtsunterrichts in der gymnasialen Oberstufe mehr sein. Was die Bildungsverwaltung als Flexibilisierung darstellt, stößt bei Historikern, Lehrkräften und Stiftungen auf scharfe Kritik. Sie warnen vor gravierenden Folgen für die politische Bildung junger Menschen.

Kaum eine andere Stadt ist so eng mit den beiden deutschen Diktaturen des 20. Jahrhunderts verbunden wie Berlin. Nationalsozialismus, Teilung, Kalter Krieg und Friedliche Revolution prägen bis heute das Stadtbild und die Biografien vieler Berlinerinnen und Berliner. Dennoch sollen Schülerinnen und Schüler künftig ihr Abitur ablegen können, ohne sich vertieft mit der SED-Diktatur und der deutschen Teilung befasst zu haben.

Nach den Plänen der Schulverwaltung bleiben in der Oberstufe nur noch zwei Geschichtsthemen verpflichtend: Revolutionen sowie der Nationalsozialismus. Die DDR-Geschichte und die Erinnerungskultur werden dagegen zu Wahlthemen. Geschichtslehrer halten das für einen schweren Fehler. Gerade weil der Unterricht in der Mittelstufe häufig gekürzt, fachfremd erteilt oder nur einstündig stattfindet, sei die Oberstufe entscheidend, um Zusammenhänge zu vertiefen und historisches Urteilsvermögen zu entwickeln.

Der Berliner Landesverband der Geschichtslehrer und die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur fordern deshalb, die DDR-Geschichte verbindlich in der Oberstufe zu verankern. In einem Schreiben an Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch betonen sie, dass die Auseinandersetzung mit Diktatur, Teilung und demokratischem Neubeginn unverzichtbar für eine demokratische Bildung sei. Wer dieses Thema zur bloßen Wahlmöglichkeit mache, schwäche das Verständnis für Freiheit, Rechtsstaat und Zivilcourage.

Besonders kritisch sehen die Verbände, dass die Berliner Pläne im Widerspruch zum Koalitionsvertrag des Senats stehen. Darin wird die Erinnerung an die NS- und die SED-Diktatur ausdrücklich als zentrale Aufgabe benannt. Brandenburg geht hier einen anderen Weg: Dort ist die DDR-Geschichte in der Oberstufe verpflichtend.

Die Schulbehörde hat sich bislang nicht ausführlich zu den Vorwürfen geäußert. Für viele Geschichtslehrer bleibt der Eindruck, dass ausgerechnet in der Stadt der Teilung ein zentrales Kapitel der eigenen Vergangenheit an den Rand gedrängt wird. Sie warnen: Ohne verbindlichen Unterricht droht eine Generation heranzuwachsen, die die Mechanismen von Diktatur und die Bedeutung demokratischer Rechte nur noch oberflächlich kennt.

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