Der kanadische Premierminister Mark Carney hat bei seinem Besuch in Peking eine neue Phase in den Beziehungen zwischen Kanada und China eingeläutet. Bei einem Treffen mit dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping in der Großen Halle des Volkes sprach Carney von einer „neuen strategischen Partnerschaft“, die an frühere Kooperationen anknüpfen und zugleich an veränderte globale Realitäten angepasst werden solle. Der Besuch ist der erste eines kanadischen Regierungschefs seit 2017 und markiert einen deutlichen Kurswechsel nach Jahren tiefgreifender Spannungen.
Auslöser für die Annäherung ist nicht zuletzt das zunehmend schwierige Verhältnis zu den Vereinigten Staaten. Unter dem früheren US-Präsidenten Donald Trump hatte Kanada wiederholt mit Strafzöllen, politischem Druck und provokanten Aussagen zu kämpfen, die das traditionelle Bündnis belasteten. Vor diesem Hintergrund sucht Ottawa verstärkt nach wirtschaftlichen und politischen Alternativen und rückt China als zweitgrößten Handelspartner stärker in den Fokus.
Konkret vereinbarten beide Seiten Schritte zur Entspannung im Handelskonflikt. Kanada will künftig wieder chinesische Elektrofahrzeuge zu einem moderaten Zollsatz von 6,1 Prozent zulassen und damit eine zuvor eingeführte 100-Prozent-Abgabe zurücknehmen. Im Gegenzug erwartet Ottawa, dass China seine extrem hohen Zölle auf kanadischen Raps – ein milliardenschwerer Export – deutlich senkt. Auch andere Agrarprodukte wie Hummer oder Erbsen sollen wieder besseren Zugang zum chinesischen Markt erhalten.
Carney betonte, dass die vertiefte Zusammenarbeit nicht nur beiden Volkswirtschaften nützen, sondern auch das angeschlagene multilaterale Handelssystem stabilisieren könne. Geplant ist zudem eine Ausweitung der Kooperation in Zukunftsbranchen wie sauberer Energie, Technologie, Holzprodukten und der Agrarwirtschaft. Bis 2030 will Kanada seine Exporte nach China um 50 Prozent steigern.
Die neue Tonlage stellt einen klaren Bruch mit der Vergangenheit dar. Noch vor wenigen Jahren hatte Kanada gemeinsam mit anderen G7-Staaten Chinas Rolle auf der Weltbühne kritisch gesehen und vor Einflussnahme auf westliche Demokratien gewarnt. Das Verhältnis war 2018 dramatisch abgestürzt, nachdem Kanada auf US-Anfrage eine Huawei-Managerin festgenommen hatte und China daraufhin zwei Kanadier inhaftierte.
Trotz dieser Vorgeschichte signalisiert Peking nun Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Xi Jinping sprach ebenfalls von einer „neuen Art strategischer Partnerschaft“. Ob dieser Neustart von Dauer ist, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Kanada positioniert sich neu in einer Welt, in der alte Gewissheiten bröckeln und geopolitische Balanceakte zunehmend an Bedeutung gewinnen.