Als Donald Trump im Dezember überraschend den Gouverneur von Louisiana, Jeff Landry, zu seinem Sondergesandten für Grönland ernannte, sorgte das für Verwunderung. Grönland, die größte Insel der Welt, gehört zum Königreich Dänemark, ist strategisch wichtig für NATO und Arktispolitik – und weit entfernt von den Sümpfen Louisianas. Doch genau dort scheint Landry derzeit präsenter zu sein als im eisigen Norden.
Seit seiner Ernennung ist wenig von diplomatischen Aktivitäten zu hören. Während in Washington bereits hochrangige Gespräche über Grönland stattfinden, blieb Landry auffällig abwesend. Bei einem entscheidenden Treffen am 14. Januar mit Vertretern Dänemarks, Grönlands, US-Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio fehlte er vollständig. Dänische Beamte bestätigten zudem, seit Amtsantritt keinen direkten Kontakt mit ihm gehabt zu haben.
Landry selbst gibt sich gelassen. In Interviews erklärte er, klassische Diplomatie interessiere ihn weniger. Stattdessen wolle er mit „ganz normalen Grönländern“ sprechen und setze auf etwas, das er augenzwinkernd „kulinarische Diplomatie“ nennt. Jagen, Fischen, gutes Essen – all das verbinde Grönland mit Louisiana. Kritiker sehen darin jedoch eher Folklore als ernsthafte Außenpolitik.
Besonders peinlich wurde es, als bekannt wurde, dass Landry zu einem der wichtigsten Hundeschlittenrennen Grönlands eingeladen war. Die Veranstalter zogen diese Einladung jedoch öffentlich zurück und sprachen von unzulässigem politischen Druck. Landry wiederum erklärte, ein Grönländer habe ihn eingeladen. Der Vorfall verstärkte den Eindruck eines improvisierten und wenig abgestimmten Vorgehens.
Währenddessen scheint das Weiße Haus andere Prioritäten zu setzen. Die eigentliche Führung der Grönland-Dossiers liegt offenbar bei Vance und Rubio. Eine Arbeitsgruppe mit Dänemark wurde bereits vereinbart, ohne dass klar ist, ob Landry darin eine Rolle spielen wird. Offiziell hält sich die Regierung bedeckt.
Jeff Landry ist ein treuer Trump-Verbündeter, innenpolitisch bekannt für harte Positionen zu Sicherheit, Umwelt und gesellschaftlichen Fragen. Außenpolitische Erfahrung bringt er jedoch kaum mit. Dass er dennoch zum Gesandten ernannt wurde, passt in ein Muster der Trump-Administration, die häufiger auf persönliche Loyalität als auf diplomatische Expertise setzt.
Ob Landry künftig tatsächlich aktiv wird oder ob sein Posten vor allem symbolischer Natur bleibt, ist offen. Fest steht: In einer Zeit wachsender geopolitischer Spannungen wirkt die Abwesenheit eines offiziellen Grönland-Gesandten bemerkenswert. Und während in Washington verhandelt wird, scheint der Mann mit dem Titel noch immer irgendwo im Bayou zu sein.