Die erste von der US-Regierung organisierte Verkaufsrunde venezolanischen Öls hat in Washington eine neue politische Debatte ausgelöst. Mehrere demokratische Senatoren verlangen nun Klarheit darüber, ob große US- und internationale Banken an den milliardenschweren Geschäften beteiligt sind, die die Trump-Administration nach dem Sturz des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro eingefädelt hat.
In einem Brief vom 15. Januar wandten sich die Senatoren Elizabeth Warren, Ron Wyden, Sheldon Whitehouse, Peter Welch und Brian Schatz an die Vorstandsvorsitzenden von mehr als einem Dutzend Großbanken. Darin fragen sie, ob die Regierung die Institute kontaktiert habe, um Finanzdienstleistungen im Zusammenhang mit dem Verkauf venezolanischen Öls zu übernehmen. Hintergrund ist die Aussage der Administration, dass die ersten Ölverkäufe bereits mehrere hundert Millionen US-Dollar eingebracht hätten.
Die Senatoren kritisieren vor allem die mangelnde Transparenz. Angesichts der „rasant sich entwickelnden Lage“ und der fehlenden Informationen darüber, wie die Erlöse aus den Ölverkäufen verwendet oder verwahrt werden sollen, sei eine Aufklärung dringend notwendig. Adressiert wurden unter anderem Bank of America, Deutsche Bank, Citigroup, HSBC und JPMorgan Chase. Die meisten Banken lehnten eine Stellungnahme ab oder reagierten nicht auf entsprechende Anfragen.
Seit der Festnahme Maduros durch US-Spezialkräfte Anfang Januar verfolgt Präsident Donald Trump offen das Ziel, die Kontrolle über Venezuelas Ölreserven zu übernehmen. Das südamerikanische Land verfügt über die größten bekannten Erdölvorkommen der Welt. Trump erklärte mehrfach, die Vereinigten Staaten würden Venezuela „führen“ und dessen Rohstoffreichtum nutzen, um Wirtschaft und Infrastruktur neu aufzubauen – und zugleich lukrative Chancen für US-Energiekonzerne zu schaffen.
Bereits Anfang Januar empfing Trump führende Manager der Öl- und Gasindustrie im Weißen Haus. Dort warb er für Investitionen und stellte eine weitgehende Öffnung der venezolanischen Ölindustrie in Aussicht. Kurz darauf meldete die Regierung den Abschluss eines ersten Ölverkaufs im Wert von rund 500 Millionen Dollar. Weitere Deals seien in Vorbereitung, so ein Regierungsvertreter. Nach Informationen aus Regierungskreisen sollen Teile der Erlöse auf Konten in Katar gelagert werden, was zusätzliche Fragen aufwirft.
Offiziell betont das Energieministerium, alle Einnahmen aus dem Ölverkauf würden zunächst auf US-kontrollierten Konten bei international anerkannten Banken landen, um eine „legitime und integre“ Verwendung sicherzustellen. Eine von Trump unterzeichnete Executive Order bezeichnet die Gelder als „souveränes Eigentum Venezuelas“, das treuhänderisch von den USA verwaltet werde. Konkrete Pläne zur späteren Verteilung der Mittel nannte die Regierung bislang jedoch nicht.
Währenddessen signalisiert die neue Übergangsregierung in Caracas Reformbereitschaft. Interimspräsidentin Delcy Rodríguez kündigte an, die Regulierung zu lockern und ausländischen Investoren den Zugang zu bislang unerschlossenen Ölfeldern zu ermöglichen. Damit rückt Trumps Vision eines weitgehenden US-Zugriffs auf Venezuelas Energieressourcen ein Stück näher – politisch und ethisch umstritten bleibt sie jedoch weiterhin.