Der Tod von Renee Nicole Good nach einer Schießerei mit einem Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE (Immigration and Customs Enforcement) hat in den USA eine landesweite Debatte ausgelöst. Neue Einsatzberichte und Notrufprotokolle, die von mehreren Medien ausgewertet wurden, zeichnen ein dramatisches Bild der Ereignisse vom 7. Januar in Minneapolis und werfen erneut Fragen zum Vorgehen der Bundesbehörden auf.
Renee Nicole Good, eine 37-jährige Mutter, wurde laut offiziellen Dokumenten bis zu viermal angeschossen, als sie sich in ihrem SUV befand. Videoaufnahmen zeigen, wie mehrere ICE-Beamte sich dem Fahrzeug näherten. In dem Moment, als Good offenbar versuchte, das Auto wegzulenken, feuerte der ICE-Beamte Jonathan Ross mehrere Schüsse durch die Seitenscheibe. Die Regierung unter Präsident Donald Trump erklärte später, Ross habe aus Selbstverteidigung gehandelt, da Good versucht habe, ihn mit dem Fahrzeug zu überfahren. Der Beamte wurde dabei verletzt.
Die ersten Notrufe gingen gegen 9:38 Uhr bei der Polizei ein. Augenzeugen berichteten von einer chaotischen Situation. Ein Anrufer schilderte, dass rund 15 ICE-Agenten vor Ort gewesen seien und auf die Frau geschossen hätten, weil sie ihre Autotür nicht öffnen wollte. Rettungskräfte trafen wenige Minuten später ein und fanden Good bewusstlos auf dem Fahrersitz, mit Blut im Gesicht und am Oberkörper. Sie atmete nicht mehr, ihr Puls war unregelmäßig.
Laut einem Bericht der Feuerwehr erlitt Good zwei Schussverletzungen an der rechten Brustseite, eine weitere am linken Unterarm sowie möglicherweise eine vierte am Kopf. Zudem soll Blut aus ihrem linken Ohr ausgetreten sein. Trotz sofortiger Wiederbelebungsmaßnahmen im Krankenwagen wurden diese gegen 10:30 Uhr im Krankenhaus eingestellt. Good erlag ihren Verletzungen noch am selben Vormittag.
Die Veröffentlichung der 911-Protokolle zeigt auch die angespannte Stimmung nach der Schießerei. Eine wütende Menschenmenge umringte die ICE-Agenten, als diese versuchten, den Ort zu verlassen. Parallel dazu hatte die US-Regierung rund 2.000 Bundesbeamte in die Region Minneapolis entsandt, um verstärkt gegen undocumented immigrants vorzugehen. Kritiker sehen darin eine Eskalation der ohnehin umstrittenen Einwanderungspolitik.
Der Tod von Renee Nicole Good hat landesweit Proteste ausgelöst. Führende Demokraten fordern den sofortigen Abzug von ICE aus Minneapolis und eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls. Brisant ist zudem, dass nur eine Woche später ein weiterer tödlicher Schusswechsel mit einem Bundesbeamten gemeldet wurde, diesmal mit einem venezolanischen Mann nach einer Verkehrskontrolle.
Der Fall Good steht damit symbolisch für die wachsenden Spannungen zwischen Sicherheitsbehörden und Zivilbevölkerung – und für die Frage, wie weit staatliche Gewalt im Namen der Durchsetzung von Gesetzen gehen darf.