Er stellte die Geschichte der Menschheit infrage wie kaum ein anderer und wurde damit zu einer der umstrittensten Figuren der populären Sachliteratur. Der Schweizer Bestseller-Autor Erich von Däniken ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Wie sein Büro mitteilte, starb der Publizist nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt in Unterseen im Kanton Bern. Die Familie bestätigte die Todesnachricht.
Vom gelernten Koch und Hotelier entwickelte sich von Däniken zu einem weltweit bekannten Autor, der mit seinen Thesen über außerirdische Besucher auf der Erde Millionen von Leserinnen und Lesern faszinierte – und ebenso viele Kritiker auf den Plan rief. Seine Bücher, Vorträge und Interviews machten ihn zu einem festen Bestandteil der internationalen Debatte über sogenannte Prä-Astronautik, also die Vorstellung, dass Außerirdische in grauer Vorzeit die Entwicklung der Menschheit beeinflusst haben könnten.
Sein Durchbruch gelang ihm 1968 mit dem Buch „Erinnerungen an die Zukunft. Ungelöste Rätsel der Vergangenheit“. In einer Zeit, in der die Raumfahrt gerade erst begann und der Blick ins All von Aufbruchsstimmung geprägt war, traf von Däniken einen Nerv. Er deutete archäologische und religiöse Zeugnisse neu und verstand sie als Hinweise auf Besuche fremder Intelligenzen. Monumente wie die Pyramiden von Gizeh, die Geoglyphen von Nazca oder biblische Visionen wurden in seinen Augen zu Indizien einer technologisch überlegenen Zivilisation aus dem All.
Besonders bekannt wurde seine Interpretation der alttestamentlichen Schilderung des Propheten Ezechiel, die von Däniken nicht als religiöse Vision, sondern als detaillierte Beschreibung der Landung eines Raumschiffs verstand. Solche Thesen machten ihn berühmt – und brachten ihm zugleich scharfe Kritik aus Wissenschaft und Theologie ein. Archäologen warfen ihm selektive Quellenwahl und spekulative Schlüsse vor, doch seine Popularität litt darunter kaum.
Von Däniken verstand sich stets als Autodidakt und Grenzgänger. Ohne akademische Laufbahn, aber mit unermüdlicher Neugier bereiste er über Jahrzehnte hinweg die Welt, besuchte abgelegene Ausgrabungsstätten, Tempel und Ruinen und sammelte Material für seine Bücher. Rund 50 Werke veröffentlichte er im Laufe seines Lebens, sie wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft. Zwei seiner Bücher wurden verfilmt, zahllose Dokumentationen und Vorträge folgten.
Auch im hohen Alter blieb von Däniken präsent. Auf seinem YouTube-Kanal referierte er über außerirdische Astronauten, kosmische Eingriffe in die Evolution und Fragen, die bewusst zwischen Wissenschaft, Spekulation und Provokation angesiedelt waren. Dabei polarisierte er weiterhin, ohne seinen Anspruch aufzugeben, Denkanstöße zu liefern und etablierte Erklärungen herauszufordern.
Mit Erich von Däniken ist eine Figur gestorben, die wie kaum eine andere für die Faszination des Unbekannten stand. Ob als Visionär, Fantast oder geschickter Erzähler – er hat Generationen dazu gebracht, über den Ursprung der Menschheit und ihren Platz im Universum nachzudenken. Sein Erbe bleibt umstritten, sein Einfluss auf Popkultur und populäre Geschichtsbilder jedoch unbestreitbar.