Deutschlands Krankenhäuser schlagen Alarm. Die Blutspendebereitschaft ist seit Jahren rückläufig, nun spitzt sich die Lage weiter zu. In mehreren Regionen reichen die vorhandenen Blutkonserven nur noch knapp aus, um den laufenden medizinischen Bedarf zu decken. Besonders die Wintermonate verschärfen die Situation – mit spürbaren Folgen für Kliniken und Patienten.
Nach Angaben des Universitätsklinikums Leipzig sind die Blutbestände in den vergangenen Wochen deutlich gesunken. Besonders kritisch ist die Versorgung mit Konserven der Blutgruppe 0 Rhesus positiv, die im medizinischen Alltag besonders häufig benötigt wird. Ursache dafür ist eine Kombination mehrerer Faktoren: Eine ausgeprägte Erkältungs- und Grippewelle setzt viele potenzielle Spender vorübergehend außer Gefecht, während winterliche Witterungsverhältnisse zusätzliche Hürden für Spendetermine schaffen.
Die angespannte Situation beschränkt sich längst nicht mehr auf einzelne Regionen. Bundesweit fehlt es an Reserven, wie die sächsische Universitätsklinik betont. Ein Ausgleich zwischen regionalen Blutspendediensten, der in früheren Engpasslagen möglich war, funktioniert derzeit nicht mehr. „Das ist aktuell nicht möglich, weil es überall fehlt“, erklärte Reinhard Henschler, Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Leipzig. Er richtete einen eindringlichen Appell an die spendenfähige Bevölkerung, sich trotz winterlicher Umstände an Blutspendeterminen zu beteiligen.
Ähnliche Warnungen kommen aus anderen Bundesländern. Auch das Universitätsklinikum Freiburg hat zuletzt öffentlich um Blutspenden gebeten. Mediziner weisen jedoch darauf hin, dass Spenderinnen und Spender vollständig gesund sein müssen. Schon leichte Infekte oder Erkältungssymptome führen dazu, dass eine Blutspende vorübergehend nicht möglich ist – ein notwendiger Schutz sowohl für die Spender selbst als auch für die Empfänger der Blutkonserven.
Grundsätzlich offenbart die aktuelle Lage ein strukturelles Problem. Nach Angaben der Krankenkasse AOK sinkt die Blutspendebereitschaft in Deutschland seit mehreren Jahren kontinuierlich. Zuletzt wurden bundesweit rund 3,6 Millionen Vollblutspenden pro Jahr registriert. Das entspricht in etwa der Menge, die notwendig ist, um den laufenden Bedarf zu decken. Nach Berechnungen der Gesundheitsbehörden liegt dieser bei etwa 3,7 Millionen Vollblutspenden jährlich – rund 10.000 Spenden pro Tag.
Viel Spielraum für Schwankungen bleibt damit nicht. Jeder krankheitsbedingte Ausfall, jede abgesagte Spende wirkt sich unmittelbar auf die Versorgung aus. Für Kliniken bedeutet das eine permanente Gratwanderung zwischen Routinebetrieb und drohenden Engpässen. Für Patienten, die auf Bluttransfusionen angewiesen sind, kann dies im Ernstfall lebensentscheidend sein.
Die aktuelle Situation macht deutlich, wie fragil das System der Blutversorgung ist – und wie sehr es auf die kontinuierliche Bereitschaft gesunder Menschen angewiesen bleibt, regelmäßig Blut zu spenden.