Es sollte ein fröhliches kurdisches Neujahrsfest werden, ein Abend mit Musik, Feuer und Gemeinschaft. Doch vor den Augen von rund tausend Menschen endete das Fest in einer blutigen Tragödie. Nun steht der mutmaßliche Täter, der Automechaniker Bahjat I. (43), wegen Mordes vor Gericht.
Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft erstach der aus Syrien stammende Mann seinen Cousin Fathi I. aus Blutrache. Hintergrund soll ein lange schwelender Familienkonflikt sein: Bahjat I. habe den Tod seiner Schwester rächen wollen und deshalb gezielt zugestochen. Der Tatort – ein Lagerfeuer im Rahmen der Feierlichkeiten – machte das Verbrechen besonders schockierend. Viele Gäste wurden Zeugen der Tat, einige versuchten noch, helfend einzugreifen.
Als der Angeklagte den Gerichtssaal betrat, zeigte er sich ungerührt. Berichten zufolge grinste Bahjat I., während die Familie des Opfers und zahlreiche Zuschauer fassungslos zusahen. Eine Entschuldigung, ein Wort des Bedauerns – nichts davon. Der 43‑Jährige schwieg zu den Vorwürfen und ließ über seine Verteidigung erklären, dass er sich zunächst nicht äußern werde.
Besonders verstörend für die Ermittler: Nach der Tat soll Bahjat I. nur eine einzige Sache interessiert haben. Nicht der Zustand seines schwer verletzten Cousins, nicht die Konsequenzen seines Handelns – sondern eine Frage, die seine eiskalte Haltung unterstreichen soll. Details dazu wurden im Gerichtssaal angedeutet, sollen aber im weiteren Verlauf des Prozesses noch eine Rolle spielen.
Die Anklage lautet auf Mord aus niedrigen Beweggründen. Die Staatsanwaltschaft sieht das Motiv der sogenannten Blutrache als erwiesen an und spricht von einer Tat, die bewusst geplant und öffentlich ausgeführt wurde, um ein „familiäres Urteil“ zu vollstrecken. Die Verteidigung hingegen stellt die Darstellung der Anklage infrage und kündigte an, die Hintergründe des Konflikts genauer beleuchten zu wollen.
Der Prozess dürfte sich über mehrere Verhandlungstage erstrecken. Zahlreiche Zeugen, darunter viele Festbesucher, sollen gehört werden. Für die Angehörigen des Opfers ist es ein schmerzhafter Gang durch Erinnerungen an eine Nacht, die als Fest begann – und in einem Mord endete.