Der spektakuläre Einbruch in eine Sparkassen-Filiale im Gelsenkirchener Stadtteil Buer beschäftigt weiterhin Polizei, Politik und betroffene Kunden. Wochen nach der Tat sind viele Fragen offen – vor allem zur Professionalität der Täter und zur tatsächlichen Schadenshöhe. NRW-Innenminister Herbert Reul spricht inzwischen von „Merkwürdigkeiten“, die auf mögliche Hilfe aus dem Inneren der Bank hindeuten könnten.
Der Einbruch war während der ruhigen Weihnachtszeit Ende Dezember verübt worden. Die Täter verschafften sich über ein benachbartes Parkhaus Zugang zum Gebäude und gelangten durch eine nicht alarmgesicherte, offenbar manipulierte Tür in einen Archivraum der Bank. Von dort aus bohrten sie mit einem Kernbohrer ein großes Loch exakt an der richtigen Stelle in die Wand zum Tresorraum. Ermittler werten dieses präzise Vorgehen als Zeichen einer minutiösen Vorbereitung.
Besonders auffällig ist laut Reul, dass von den rund 3.250 Schließfächern gezielt nur jene aufgebrochen wurden, die vermietet waren. Unvermietete Fächer blieben unberührt. „Das kann natürlich Zufall sein“, so der Innenminister, „aber es wirkt zumindest ungewöhnlich.“ Für die Polizei ergibt sich daraus das Bild einer hochprofessionellen Tätergruppe, die über detaillierte Kenntnisse der örtlichen Gegebenheiten verfügte.
Auch die Geschwindigkeit, mit der die Täter offenbar vorgingen, wirft Fragen auf. Wie es ihnen gelang, innerhalb kurzer Zeit so viele Schließfächer zu öffnen und Bargeld sowie Wertsachen in bislang unbekannter Höhe zu entwenden, ist noch unklar. Erste Schätzungen gingen von einem Schaden im mittleren zweistelligen Millionenbereich aus. Inzwischen halten Ermittler jedoch auch eine Schadenssumme im dreistelligen Millionenbereich für möglich – ein Ausmaß, das selbst erfahrene Kriminalisten überrascht.
Der Vorstandsvorsitzende der Gelsenkirchener Sparkasse, Michael Klotz, äußerte sich zurückhaltend zu Spekulationen über Insiderwissen. Man habe derzeit keine Erkenntnisse über eine Beteiligung von Mitarbeitern und wolle sich nicht an Vermutungen beteiligen. Die betroffene Filiale bleibt unterdessen noch für mehrere Wochen geschlossen, während die Polizei Spur für Spur auswertet und den genauen Ablauf rekonstruiert.
Für die Kunden bedeutet der Einbruch vor allem Unsicherheit. Viele warten auf Klarheit über den entstandenen Schaden und mögliche Entschädigungen. Juristen raten Betroffenen, den Inhalt ihrer Schließfächer möglichst genau zu dokumentieren. Der Fall zeigt eindrücklich, wie verletzlich selbst hochgesicherte Systeme sein können – insbesondere dann, wenn menschliche Faktoren eine Rolle spielen.